Deponie Höli

Langes Warten auf die Baselbieter Bauschutt-Strategie

Die Deponie Höli in Liestal ist bald voll – bereits nächstes Jahr.

Die Deponie Höli in Liestal ist bald voll – bereits nächstes Jahr.

Trotz aller Lippenbekenntnisse hat beim Kanton die Planung neuer Deponien Vorrang vor dem Recycling. Die Regierung reicht den Schwarzen Peter zumindest zu einem Teil an die Betreiber der Deponie Höli in Liestal weiter. Sie hätten mit ihrer Preispolitik die Bemühungen für eine bessere Verwertung von Bauabfällen unterlaufen. Folge: Die «Höli» ist nächstes Jahr voll – ein Vierteljahrhundert früher als prognostiziert.

Als die bz im Frühjahr 2018 bei der kantonalen Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) nachfragte, wieso sich das Baselbiet im Vergleich zu den Vorzeigekantonen Solothurn und Zürich so schwer tue mit der Förderung der Wiederverwertung von Bauabfällen, war von regionalen Besonderheiten und hehren Zielen die Rede (siehe Box unten). Der billige Kies vor allem aus Elsässer Gruben erschwere den Absatz von Recycling-Produkten. Aber, so machte der damalige Verantwortliche bei der BUD, Roland Bono, klar: «Ziel muss sein, die mineralischen Bauabfälle möglichst wiederzuverwerten. Wir müssen dabei vor allem dafür sorgen, dass es auch einen Absatz für Recyclingstoffe gibt.»

Simon Oberbeck schlägt «Deponie-Fünfliber» vor

Eine Strategie, wie das zu bewerkstelligen ist, fehlt auch heute noch. Doch der Druck auf Regierung und Verwaltung, beim Recycling endlich vorwärts zu machen, steigt. Einerseits, weil die wichtigste Deponie im Kanton, die «Höli» in Liestal, im nächsten Jahr und damit ein Vierteljahrhundert früher als vorausgesagt voll sein wird. Andererseits, weil aus dem Parlament der Ruf nach einer Wiederverwertungsstrategie immer lauter wird.

Der aktuellste Vorstoss stammt von Landrat Simon Oberbeck (CVP). Mit seiner Ende September eingereichten Motion «Masterplan Kreislaufwirtschaft» fordert auch er von der Regierung, das Recycling von Bauabfällen zu forcieren, um «das zu gross geplante Deponievolumen» substanziell reduzieren zu können. Oberbeck denkt dabei unter anderem an einen «Deponie-Fünfliber» pro Tonne deponiertes Material, um rasch wirksame Recycling-Lösungen umzusetzen. Vom Kanton selbst erwartet Oberbeck eine Vorreiterrolle à la Zürich. Gegenüber der bz sagt er: «Der Kanton könnte bei seinen eigenen Bauten und Strassen eine Quote zum Anteil Recyclingmaterial, die über 50 Prozent sein muss, einführen. Die Privatwirtschaft könnte er für so etwas sensibilisieren.»

Heute greife die kantonale Abfallplanung zur Reduktion der Bauabfälle nicht spürbar. Das Recycling müsse deshalb Vorrang vor der Planung von neuem Deponieraum haben.
Das entspricht dem vorherrschenden Tenor bei der Vernehmlassung, die der Kanton zu seiner Deponieplanung durchführte. Die Regierung schreibt in der Landratsvorlage, dass der Verband der Baselbieter Gemeinden, die Bauverwalterkonferenz, etliche Verbände, Umweltorganisationen und Parteien die Anpassung des Objektblatts mit den Deponien im Richtplan im jetzigen Zeitpunkt ablehnten, weil zuerst eine neue Strategie vorliegen müsse.

Bestehende Deponien sollen erweitert werden

Trotzdem hat die Regierung im Juni die neuste Richtplananpassung inklusive Deponie-Objektblatt an den Landrat überwiesen; derzeit befindet sich die Vorlage zur Vorberatung in der Bau- und Planungskommission. Die Stossrichtung bei den Deponien: Die Inertstoff-Deponien Höli in Liestal und Bruggtal in Bennwil, später eventuell auch Elbisgraben in Füllinsdorf, sollen erweitert werden. Zudem sollen Baholde (Hölstein), Tannenried (Sissach), Schäflete inklusive Erweiterung Chlus (Blauen/Zwingen) und Wanne (Zeglingen) als Deponien für sauberen Aushub im Richtplan vermerkt werden. Damit soll knapp 20 Millionen Kubikmeter neuer Deponieraum geschaffen werden. Derzeit fallen jährlich etwas über eine Million Kubikmeter an, knapp eine halbe Million davon Inertstoff (Bauschutt, wenig verschmutzter Aushub), der Rest sauberes Aushubmaterial.

Und was macht der Kanton auf der Recycling-Ebene? Yves Zimmermann, Leiter des Amts für Umweltschutz und Energie, verweist auf die im letzten Jahr ins Leben gerufene Task-Force mit diversen Amtsvertretern aus Baselland und Basel-Stadt sowie Vertretern der Baubranche. Sie stand anfänglich unter seiner Leitung, jetzt wird sie von Hansruedi Müller als externem Projektleiter geführt.

Nach den konkreten Resultaten befragt, sagt Zimmermann: «Wir sind daran, die Strategie inklusive Umsetzungsmassnahmen auszuformulieren. Das Ziel heisst, bis in zehn Jahren ein Drittel weniger Bauabfälle zu deponieren.» Stossrichtung sei, das Recycling von Bauabfällen zu verstärken. Wobei auch Zimmermann auf «die Herausforderung» der günstigen Kiesimporte aus dem Elsass verweist. Deshalb sollen die öffentlichen Bauherren bei der Verwendung von Recycling-Produkten künftig eine Vorbildrolle einnehmen. Also feste Verwertungsquoten von Recyclingmaterial bei Neubauten? Dazu könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts kommunizieren, sagt Zimmermann. Im Weiteren verweist er auf die Möglichkeit, bei den Deponien Mindestpreise einzuführen, wie es andere Kantone machen würden. Denn das knappe Deponievolumen müsse haushälterischer verfüllt werden, und beim Abfall laufe fast alles übers Portemonnaie.

«Das ist ein Generationenprojekt»

Zimmermann, der seit Anfang 2018 beim Kanton arbeitet, gibt unumwunden zu: «Baselland hat sich zu lange zu wenig der Thematik angenommen. Wir hinken mit der Strategie im Vergleich etwa zum Kanton Zürich hinterher, aber wir geben jetzt Volldampf.» Er stellt die Strategie auf kommenden Winter in Aussicht, die konkreten Massnahmen folgten «so schnell wie möglich». Gleichzeitig bestehe Druck für neuen Deponieraum, weil die «Höli», auf der 70 Prozent der Inert-stoffabfälle aus dem Kanton abgelagert würden, bald voll sei. Zimmermann: «Die ganze Transformation in eine Kreislaufwirtschaft im Baubereich ist ein Generationenprojekt.»

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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