Pratteln

Larifari: Von stinkenden Geschäften und übereifrigen Friseusen

Windstill schiffen und öffentlich scheissen – das Prattler Larifari schreckt vor nichts zurück.

Unpassender hätte das letzte Stück der CB-Schnooger nicht sein können. Die Gugge hatte zum wiederholten Male die Ehre, das Larifari zu eröffnen. «Probiers mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit.»

Keine Frage: Musikalisch passte beim Dschungelbuchklassiker alles. Doch was danach folgte, hatte wenig mit Ruhe und Gemütlichkeit zu tun, im Gegenteil. Das Larifari sprang temporeich von Rahmenstück zu Schnitzelbank und von Choreinlage zu Trommelwirbel.

Die Zeit verging im Fluge. Verabschiedete sich eine Formation von der Bühne, waren auch die beiden Räpplibuebe zur Stelle, die zum ersten Mal durch das Larifari führten. Sie traten damit in die grossen Fussstapfen von Fredy und Fritz, die in den vergangenen Jahren zu Publikumslieblingen avancierten. Die beiden Abwarte seien der Sekte der Seneviten beigetreten, was in Pratteln so viel heisst wie: sie sind im Altersheim Senevita am Bahnhof.

Wenig später verriet Fritz als «Abwart ausser Dienscht», sein Kollege sei den «Abwarte ohne Grenzen» beigetreten. Ja was jetzt? Dass Fritz auch gut ohne Fredy kann, war offensichtlich. Gewohnt redselig unterhielt er das Publikum. Mit Anekdoten aus seinem Abwartsleben, mit Geschichten über seine Ehe, die aufgrund des schönen Gesangs von Helene Fischer auch mal kriselt, und über seinen Alltag als Pensionär und als Haushaltsgehilfe seiner lieben Amalia.

Die beiden Räpplibuebe philosophierten putzend über das abgelaufene Jahr, über die vielen Baustellen auf der Prattler Fasnachtsroute, das geschlossene Schnaabelgässli und natürlich über den kriselnden FCB, der ihnen auch schon mal den Schlaf raubte. Gar nicht zum Schlafen zumute war Friseuse Mandy in ihrem «Bjuuty Salon», wo aus älteren Semestern junge Hüpfer gezaubert werden. Lehrtochter Anna-Sophia tat dabei ihr Bestes und meinte zu Frau Fischers ausufernder Achselbehaarung: «Soll ich die noch waschen und legen?»   

«no viu blöder ta»

Für Begeisterungsstürme sorgte das Walfischchörli. Mit gesanglichen Pointen verwandelten sie Schweizer Musikklassiker in eine Prattler Fasnachts-Serenade. Die etwas ergrauten Herren hatten «det äne am Bärgli Müeh mit den Chüeh» und sowieso «no viu blöder ta». Alle Jahre wieder: Musikalisch muss dem Larifari niemand etwas vormachen.

Der Stolz Prattelns, die Nachtfalter Schränzer, die erst gerade am Christmas Tattoo auftraten, liessen das Kuspo mit «Bella Ciao» und «Charlie Brown» beben. Die Saggladärne Tamboure trommelten in Prattler Kluft kraftvoll die Neue Basler Tagwacht. Die Saggladärne Spez. pfiffen knallbunt und blinkend «Letz Fetz». Als Zwerge gaben sie zusammen den Calvados zum Besten. Die Fägnäschtli, die Jungen der Saggladärne, brachten mit hohlen farbigen Plastikrohren – sogenannten Boomwhackern  ̶  mit Tetris die 90er Jahre zurück.    

Es stinkt!

Pratteln hat ein stinkendes Problem: Die Fröschi-Unterführung, «der einzige Ort, an dem man noch öffentlich scheissen und windstill schiffen kann». Die Fröschi-Unterführung, eine wichtige Verbindung zwischen Neu- und Alt-Pratteln unter den Bahngleisen hindurch, muss dringendst saniert werden.

Auch im Hinblick auf das Eidgenössische Schwingfest 2022. Meinungen und Ideen sind gefragt, meinte die Gaudi Clique und lud Interessenten zum Austausch ein. Der Naturfreund will alles beim Alten belassen. «Der Säuregeruch und der seltene Schimmelpilz müssen bleiben!». Der Schwinger seinerseits schlug vor, das Bahngleis zwischen Pratteln und Frenkendorf unter die Erde zu verlegen. Für die damit überflüssig werdenden Lärmschutzwände gäbe es einen Interessenten aus Amerika.

Ob die Prattler Obrigkeiten im Gemeinderat und Einwohnerrat da eine Lösung finden? Für sie jedenfalls lief das Larifari glimpflich ab. Denn dieses kam heuer politisch überraschend zahm daher. Das könnte sich 2020 aber blitzschnell wieder ändern, sollte es im Prattler Untergrund immer noch stinken und die albanischen «Ey Alte»-Typen mit Doppeladler-Gruss in Unterführungen ihre Geschäfte verrichten.

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