Belastung durch Schwerverkehr

Laufen erhält einen Stadttunnel unter dem Bahnhofsgebiet

Der Laufner Vorstadtplatz ist die am stärksten mit Schwerverkehr belastete Ortsdurchfahrt im Kanton Baselland.

Der Laufner Vorstadtplatz ist die am stärksten mit Schwerverkehr belastete Ortsdurchfahrt im Kanton Baselland.

Der Kanton macht vorwärts mit der Entlastungsstrasse fürs Zentrum. Die zehnmal teurere Umfahrung Laufen-Zwingen ist kein Thema mehr.

Die Situation ist in der Region einzigartig: Mehr als 1000 Lastwagen donnern täglich über den engen Laufner Vorstadtplatz, der ziemlich in der Mitte zwischen Basel und Delémont liegt. Die Gäste der Restaurants am Kreisel können ein Liedchen davon singen: Im Gespräch hört man wegen des Verkehrslärms oft das eigene Wort nicht mehr. Es gibt keine andere Ortsdurchfahrt im Kanton, die derart stark durch den Schwerverkehr belastet ist. Das schreibt die Baselbieter Regierung in ihrem eben veröffentlichten Bericht zur Verkehrssituation in Laufen.

Doch nun macht der Kanton ernst mit dem Ziel, 40-Tönner und anderen Transitverkehr aus dem Kern Laufens zu verbannen: Bereits Anfang 2022 will die Regierung dem Parlament einen Projektierungskredit für eine Entlastungsstrasse vorlegen. Das Herz dieser Kernumfahrung ist ein Tunnel unter dem Bahnhofsgebiet. Im Norden von und Richtung Basel im Gebiet Nau muss eine neue leistungsfähigere Brücke über die Birs erstellt werden. Dies auch wegen des Hochwasserschutzes. Zudem ist im Süden eine komplett neue Erschliessung samt Birsbrücke für den Verkehr von und Richtung Delémont nötig.

In 10 bis 15 Jahren kann die Strasse fertig sein

Die drei Elemente der Umfahrung können auch einzeln realisiert werden. Die beiden Birsbrücken und Zufahrten können demnach in Betrieb genommen werden, bevor der Bahnhofstunnel realisiert wird. Die Laufner Kernumfahrung kostet maximal 100 Millionen Franken und dürfte zu einem grossen Teil vom Kanton getragen werden. Allenfalls beteiligt sich der Bund via Agglomerationsprogramm mit 35 Prozent. Eine Realisierung in den nächsten 10 bis 15 Jahren sei realistisch, sagt Alain Aschwanden, zuständiger Planer im Baselbieter Tiefbauamt.

«Laufen hat ein attraktives Stedtli und Bahnhofsgebiet. Die neue Strasse soll vorrangig die Entwicklung dieses Zentrums begünstigen», betont Aschwanden. Am Bahnhof überlagern sich heute mehrere Verkehrsnutzungen: Das hohe Fussgängeraufkommen und der Postautoverkehr führen in Stosszeiten zu langen Rückstaus der Autos Richtung Wahlen und Breitenbach.

«Für Laufen ist das ein Segen»

Der Tunnel würde zu einer Entflechtung führen und den lärmigen motorisierten Verkehr grossteils in den Untergrund verbannen. Das gibt dem Bahnhofsgebiet eine höhere Aufenthaltsqualität und neue Nutzungsperspektiven. «Für Laufen ist das ein Segen», sagt Rolf Richterich. Der ehemalige FDP-Landrat hat 2014 den Bau einer solchen Kernumfahrung angestossen. Demgegenüber werden die Kapazitäten auf der Strasse mit der Umfahrung nur soweit notwendig ausgebaut, sagt Aschwanden.

Diese Zurückhaltung ist aus Sicht des Kantons begründet: So ist der Strassenverkehr in Laufen seit dem Jahr 2000 gemäss Zählungen stabil. Trotz Bevölkerungswachstum in Laufen und den Nachbargemeinden von 15 bis 20 Prozent. Dasselbe gilt für den Transitverkehr zwischen Basel und Delémont. Dieser habe nach der Fertigstellung der Transjurane im Jura 2016 nicht gross zugenommen, schreibt die Regierung zur Verkehrssituation im Laufental. Für die Zukunft zeichne sich keine markante Veränderung ab. Selbst bei einer Beseitigung des Nadelöhrs und Staumelde-Klassikers Angenstein nicht.

Keine erste Etappe für grössere Umfahrung

Dieser trockene Befund ist ein Stich ins Herz all jener Laufentaler, die von einer Direktanbindung ans internationale Hochleistungsstrassennetz Hamburg-Genf-Marseille träumten. Auch wenn die Regierung dies in ihrem Bericht nicht explizit schreibt, so kann man doch festhalten: Die Umfahrung Laufen-Zwingen ist kein Thema mehr. Die nun vorangetriebene Zentrumsentlastung Laufen kann unabhängig von einer übergeordneten Hochleistungsstrasse realisiert werden, ist also keine erste Etappe derselben.

Die Kosten der grossen Umfahrung werden auf knapp eine Milliarde Franken geschätzt – zehnmal so viel wie die Zen trumsentlastung. Auch der Laufner Rolf Richterich räumt ein, dass die grosse Umfahrung wegen des Kosten-Nutzen-Verhältnisses schlechte Realisierungschancen habe. Dies auch, weil sich die H18 seit Anfang 2020 im Besitz des Bundes befindet.

Deren Ausbau dürfte im Schweizer Hochleistungsstrassennetz keine Priorität geniessen. «Dabei gibt es auf der H18 punktuell grosse Probleme, die man angehen müsste», gibt Richterich zu bedenken. Neben dem Nadelöhr Angenstein etwa die Ortsdurchfahrt Zwingen, wo sich abends die Autos weit Richtung Eggfluetunnel zurückstauen.

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