Eine Horrorvorstellung treibt momentan den Gesundheitspolitikern beider Basel die Schweissperlen auf die Stirn: Die Baselbieter Stimmbürger sagen am 21. Mai Ja zur Bruderholzinitiative und beenden damit faktisch die Pläne zur gemeinsamen Spitalgruppe in der bisher vorgesehenen Form.

Heute startet die heisse Abstimmungskampfphase mit der Medienkonferenz des Pro-Komitees in Liestal, wobei die vergangenen Wochen den ungefähren Verlauf der Abstimmungsfronten bereits umrissen haben: Die Gegner der Initiative wollen vor allem Zahlen sprechen lassen und klar stellen, dass das Kantonsspital Baselland (KSBL) zum Millionengrab wird, sollte durch die Initiative der ursprüngliche Grundversorgungs-Zustand zementiert werden.

Die Befürworter dagegen werden mit Verweis auf die eigene ruhmreiche Spitalgeschichte und die enge Bruderholz-Verbundenheit breiter Patienten- und Mitarbeiterkreise auf stark emotionaler Ebene argumentieren und jede Veränderung als existenzielle Gefahr für die Gesundheitsversorgung im Unterbaselbiet darstellen.

Dass der ehemalige Bruderholz-Chefarzt Hans Kummer seine jahrzehntelange medizinische Berufserfahrung in die Waagschale zugunsten der Initiative wirft, ist für die Gegnerschaft ein zusätzliches Handicap.

Prominente Befürworter

Im Abstimmungsduell zwischen den Gesundheits-Technokraten und den Spital-Volkstribunen könnte jedoch ein Faktor das Zünglein an der Waage spielen, das bisher noch keiner so richtig auf dem Radar hatte: das Spital Laufen. Geschickterweise umfasst die vom Initiativkomitee angestrebte Spitalgesetzesänderung nicht nur den Erhalt der erweiterten medizinischen Grundversorgung an den KSBL-Standorten Bruderholz und Liestal, sondern auch jenen der Grundversorgung in Laufen.

Dies läuft aber diametral den bisherigen Spitalgruppe-Ankündigungen entgegen, die in Laufen ab 2020 eine «Walk-In-Klinik» mit zeitlich begrenzter Notfallversorgung sowie mit einer Schmerztherapie-Station vorsehen. Die Rechnung des Initiativkomitees, durch den Einbezug Laufens jene Stimmberechtigten für den Kampf ums Bruderholz zu gewinnen, die sich schon seit Jahren für den Erhalt des Laufentaler Spitals einsetzen, scheint jedenfalls Früchte zu tragen.

«Beim Studium des Grundlagenberichts für eine gemeinsame Spitalgruppe komme ich zum Schluss, dass die Pläne die Grundversorgung gefährden und den Wirtschaftsstandort Baselland und unsere Einflussmöglichkeiten schwächen», stellt der Laufner Stadtpräsident Alex Imhof fest. Darum müsse dieses Projekt «massiv nachgebessert» werden, was laut Imhof nur passieren kann, wenn «zur Initiative ‹Ja zum Bruderholzspital› Ja gesagt» wird.

Verweis auf Laufentalvertrag

Im breiten Chor der ablehnenden Politikerstimmen – bisher haben alle Baselbieter Parteien wuchtige Nein-Parolen gefasst – lässt die Zustimmung des bekannten Laufner CVP-Politikers aufhorchen. Doch ist Alex Imhof beileibe kein Einzelfall. Am CVP-Parteitag von vergangener Woche gehörten der Röschenzer Gemeindepräsident Remo Oser und seine Frau Isabella ebenfalls zu den Ja-Sagern.

Oser begründet seine Zustimmung so: «Eine regionale Grundversorgung ist kostengünstig, bürgernah und wird im Laufentalvertrag und damit auf Verfassungsebene für das Laufental garantiert. Deshalb ist es nur konsequent, sich auch mittels Bruderholzinitiative für eine solche Grundversorgung auf dem Bruderholz und in Laufen einzusetzen.»

Oser will diese Haltung sogar als zweckdienlich für die Bildung der gemeinsamen Spitalgruppe verstanden wissen: Erst durch eine Annahme der Bruderholzinitiative würde «eine Spitalfusion auf gleicher Augenhöhe mit der Stadt möglich».

Gegner der Vorlage würden Imhof und Oser am liebsten dutzendweise Gegenargumente entgegenschleudern. Der Gedanke, dass diese Hunderte von Befürworten aus dem Laufental ins Boot holen könnten, raubt der offiziellen Politik momentan den Schlaf.