Lieferservice

Laufental fördert Mahlzeiten für Senioren

Geschäftsführer Michael Lerchster liefert selbst jeden Tag aus.

Geschäftsführer Michael Lerchster liefert selbst jeden Tag aus.

Der Lieferservice La Petite Chenille kocht für Seniorinnen und Senioren. Gemeinden übernehmen die Transportkosten des Betriebs.

Für Michael Lerchster ist sein Unternehmen weit mehr als ein üblicher Lieferservice. «Ein Schwatz mit den Senioren, in dem man sich nach dem Wohlergehen erkundigt, muss immer drin liegen», sagt er. Manchmal komme es auch vor, dass die Mitarbeiter für die älteren Kundinnen und Kunden kleinere Besorgungen machen.


In einem Industriegebiet an der Wahlenstrasse in Laufen führt Lerchster seit Frühling 2018 den Catering- und Lieferservice La Petite Chenille. Der Betrieb beliefert vor allem zahlreiche Kindertagesstätten im Unterbaselbiet und die lokale Industrie. Rund 30 der insgesamt 700 Mittagessen, die vor Ort produziert werden, gelangen zu Senioren im Laufental. Seit vergangenem Sommer müssen die Betagten für die Mahlzeiten weniger bezahlen. Die Laufentaler Gemeinden Brislach, Dittingen, Laufen, Liesberg, Nenzlingen, Röschenz, Wahlen und Zwingen haben mit dem Unternehmen eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen. Sie übernehmen die Transportkosten des Betriebs zu den Senioren.


Für die Gemeinden war wichtig, dass vor Ort gekocht wird

Die Initiative, den Lieferservice zu unterstützen, kam von der Laufner SP-Stadträtin Carole Seeberger. «Es ist sehr wichtig, dass sich ältere Personen ausgewogen ernähren», sagt sie. «Betagte können oftmals nicht mehr selber kochen und greifen deshalb auf ungesunde Fertiggerichte zurück, die ihnen nicht guttun.» Die Übernahme der Transportkosten durch die Gemeinden hat zudem einen gesetzlichen Hintergrund: Im Baselbieter Altersbetreuungs- und Pflegegesetz ist vorgeschrieben, dass die Versorgungsregionen einen Mahlzeitendienst für Senioren anbieten müssen. «Die Arbeitsgruppe für die Umsetzung des Altersbetreuungs- und Pflegegesetzes legte bei der Auswahl des Anbieters grossen Wert auf die regionale Verankerung und eine ansprechende Verpackung ohne Plastik», erklärt Seeberger. Der Lieferservice La Petite Chenille produziere im Laufental und berücksichtige Allergien, Unverträglichkeiten und Krankheiten der Kunden.


In der grosszügigen Küche in Laufen beginnt der Arbeitstag frühmorgens. Bei unserem Besuch am Vormittag finden sich Trutengeschnetzeltes, gemischter Reis und Kürbisgemüse in den grossen Bratpfannen. Auf den Tisch kommen die Speisen jedoch erst am nächsten Tag. Zusammen mit Suppe, Salat und Dessert bringen sie die Mitarbeiter in drei Lieferwagen zu den Senioren im Laufental.


Im Alter zu kochen, braucht oftmals viel Kraft

Damit möglichst viele Nährstoffe in den Menus bleiben, werden sie nach dem Kochen auf fünf Grad heruntergekühlt und in eine Box aus Keramik verpackt. «Auf einer Induktionsplatte können die Senioren bei sich zu Hause die Speisen erwärmen», erklärt Lerchster. Der Österreicher aus Kärnten lebt seit 1988 in der Schweiz. Er ist ausgebildeter Koch und machte Zusatzausbildungen zum Spital- und Diätkoch. Nach etlichen Engagements als Koch in Spitälern und Kliniken entschied er, sich selbstständig zu machen. «Ich bemerkte, dass viele Kindertagesstätten im Raum Basel ihr Essen nicht aus der Region, sondern aus Zürich beziehen. Das wollte ich ändern.» Nach und nach seien auch Seniorinnen und Senioren auf den Lieferservice von Lerchster aufmerksam geworden.


Das Kochen stelle für viele ältere Menschen eine grosse Herausforderung dar. «Man muss sich überlegen, was man essen möchte, einkaufen und anschliessend an den Herd stehen. Das braucht viel Kraft», sagt er. Der Geschäftsführer liefert selbst jeden Tag aus und kommt dabei in Kontakt mit älteren Personen. Dabei erlebt er immer wieder Kurioses: «Den ältesten Kühlschrank, den ich sah, war aus dem Jahr 1946. Da passte die genormte Transportbox nicht rein», erzählt Michael Lerchster und lacht. Bei den Auslieferungen unterhalte er sich jeweils mit den Betagten. «Viele Senioren sind für ein kurzes Gespräch sehr dankbar.»


Für die Laufner Stadträtin Carole Seeberger macht die umgängliche Art der Mitarbeiter einen Teil des Erfolges aus. Sie hofft, dass sich noch weitere Senioren überzeugen lassen. «Ein viergängiges Menu nach Hause geliefert, für 13.50 Franken, ist unschlagbar.»

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