Doppelspurausbau

Laufentaler ärgern sich über die Streichung der Autobrücke

Statt der vorgesehenen Autobrücke über die Gleise sollen die bestehenden Barrieren-Übergänge bleiben: für Laufentaler Autofahrer eine Geduldsprobe.

Statt der vorgesehenen Autobrücke über die Gleise sollen die bestehenden Barrieren-Übergänge bleiben: für Laufentaler Autofahrer eine Geduldsprobe.

Eigentlich sollte beim Doppelspurausbau zwischen Grellingen und Duggingen die Bahnübergänge mit Barrieren durch eine Brücke ersetzt werden. Die Streichung dieser Lösung verärgert die Laufentaler.

«Diese Lösung ist ein Gebastel. Einmal mehr passt die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) im Nachhinein ein Projekt an mit einer Lösung, die absolut nicht zielführend ist», ärgert sich Landrat Marc Scherrer (CVP, Laufen).

Der Grund: Im Zuge des Doppelspurausbaus zwischen Grellingen und Duggingen war ursprünglich vorgesehen, die heute bestehenden Bahnübergänge mit Barrieren durch eine Brücke zu ersetzen. Das hätte den Verkehrsfluss auf der Strasse verbessert. Aufgrund «veränderter Rahmenbedingungen» soll die Brücke nun aber doch nicht realisiert werden.

Zwei der drei heutigen Bahnübergänge wolle man beibehalten. Das teilte die BUD Ende Juni nebenbei in einer sehr vage gehaltenen Medienmitteilung mit. Das sorgt im Laufental für Stirnrunzeln.

Resigniertes Grellingen

Der Grellinger Gemeindepräsident Hanspeter Hänni sagt: «Der Plan wurde geändert, weil ein privater Grundbesitzer, dessen Areal an der Bahnlinie liegt, beim Kanton Widerstand geleistet hat.» Der Grundbesitzer, Recherchen der bz zufolge der Besitzer der Ziegler Papier AG, hätte für das Projekt Land an den Kanton abtreten müssen. «Und als die Gemeinde beschloss, im Falle einer Umnutzung des Areals die Mehrwertabgabe zu fordern, hat er sich komplett gesperrt und alle Hebel in Bewegung gesetzt.»

Hänni ist verärgert, dass die von der Gemeinde gutgeheissene Variante einer Brücke nun nicht realisiert wird. «Wir können damit leben, aber es ist schade, denn eine Brücke hätte für alle, sprich: Gemeinde, Strassenbenutzer und Bahnpassagiere, die geringste Beeinträchtigung bedeutet.» Auch Georges Thüring, SVP-Landrat und ehemaliger Gemeindepräsident von Grellingen, sagt: «Als Landrat, der das ganze Laufental im Blick hat, bedaure ich, dass die Brücke nicht umgesetzt werden soll.»

Für den Autoverkehr im Laufental seien die heutigen Bahnübergänge keine glückliche Lösung. «Zu den Stosszeiten ist das Dorf völlig verstopft.» Als Bewohner und ehemaliger Gemeindepräsident von Grellingen habe er allerdings noch eine andere Sichtweise. «Ich bin trotzdem nicht unglücklich, dass die bestehenden Bahnübergänge bleiben. Die Rampe würde das Dorf räumlich entzweien. Die heutigen Bahnübergänge sind optisch schöner.»

Der Grellinger CVP-Landrat Franz Meyer hingegen äussert sich eindeutig kritisch: «Ich bin nicht glücklich mit diesem Entscheid. Langfristig wäre eine Brücke die nachhaltigere Lösung als das Beibehalten der Bahnübergänge.» Er sei erstaunt über die Projektänderung. «Ursprünglich gab die beeinträchtigte Fahrgeschwindigkeit der Züge bei Barriere-Übergängen Anlass für eine neue Variante. Und nun geht das plötzlich doch mit den bestehenden Übergängen.» Seiner Meinung nach hat der Kanton eingelenkt, um das Projekt nicht als Ganzes zu gefährden.

Veränderte Rahmenbedingungen

Diese Begründung nennt auch BUD-Sprecher Dieter Leutwyler. «Es gab Verhandlungen mit dem Besitzer des Ziegler-Papier-Areals. Aber man wollte nicht riskieren, dass er Rechtsschritte einleitet und sich das ganze Projekt dadurch um Jahre verzögert.» Der Gesamtprojektleiter des Doppelspurausbaus bei der BUD, Daniel Schoop, erläutert noch weitere Gründe: «Zu Beginn des Projekts war die Ziegler Papier AG noch in Betrieb. Nun, da sie geschlossen ist, wird das Anschlussgleis nicht mehr benutzt. Ein Bahnübergang muss also nur über die Doppelspur und nicht noch zusätzlich über das leicht erhöhte Anschlussgleis gehen und kann daher ebenerdig bleiben.»

Ein weiterer Grund sei die Behindertengleichstellung. «Ursprünglich sollte in der Kurve eine grössere Neigung durch mehr Überhöhe erzielt werden. Doch die dazu notwendige Erhöhung des Trassees verunmögliche einen ebenerdigen Einstieg am Bahnhof, was nicht behindertengerecht ist.» Die Fahrgeschwindigkeit würde von den Bahnübergängen hingegen nicht beeinträchtigt, da die Trassierung nur für 100 km/h vorgesehen sei. Erst ab 160 km/h wären ebenerdige Bahnübergänge nicht mehr möglich. Das geänderte Projekt gehe im Oktober in die Vernehmlassung. Die BUD rechne aber nicht mit Widerstand, da sich die Gemeinden bereits einverstanden erklärt hätten.

Landrat Marc Scherrer bleibt kritisch: «Ich finde es nicht gut, dass das Projekt geändert wurde. Die Verkehrssituation im Laufental ist problematisch, und das wird sicher nicht besser, wenn dereinst der 15-Minuten-Takt der Bahn eingeführt wird und die Schranken in Grellingen dann ständig zu sind.» Die BUD berücksichtige die Konsequenzen der Projektänderung nicht genügend. «Das ist dem Vertrauen in die Direktion nicht gerade zuträglich.» Auch eine spätere Umsetzung der Brücke ist gemäss Scherrer zu vermeiden. «Wenn man die Brücke jetzt umsetzen würde, könnte man das, wie in der Finanzierungsstrategie vorgesehen, im Rahmen von FABI Step 2030 über den Bund abrechnen. Zu einem späteren Zeitpunkt müsste der Kanton das dann alleine bezahlen.»

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