Petition

Lausen begehrt wegen Verkehrslärm auf

Der Lärmschutz entlang der A22 ist ungenügend, bei den gelben Mehrfamilienhäusern fehlt er sogar ganz.

Der Lärmschutz entlang der A22 ist ungenügend, bei den gelben Mehrfamilienhäusern fehlt er sogar ganz.

Die Lärmgrenzwerte entlang der A22 sind vielerorts überschritten – jetzt gibt es Druck auf die Regierung.

Man könnte es als Wahlgag kurz vor den Gemeindewahlen abtun: Gestern überreichte die SP Lausen mit Damian Wyss an der Spitze der Baselbieter Regierung eine Petition. Die von 305 Personen unterzeichnete Bittschrift verlangt einen besseren Lärmschutz entlang der A 22 in Lausen. Die Verbindung zu den Wahlen: Der junge Wyss kandidiert in Lausen als Sprengkandidat für den Gemeinderat. Daher ist das Übergabedatum kein Zufall.

Doch inhaltlich ist das Begehren mehr als berechtigt, wie ein Blick auf die Lausner Lärm-Situation zeigt. Das fand einst übrigens auch die Regierung: Kurz nach Sabine Pegoraros Amtsantritt als Bau- und Umweltschutzdirektorin im Sommer 2011 teilte ihre Direktion mit, dass «im Zeitraum 2013/2014» die Lärmschutzwände zwischen Liestal und der Galerie in Lausen durchgehend auf vier Meter erhöht werden sollen. «Voraussichtlich» 2017 folge dann noch ein Flüsterbelag.

Sogar Alarmwert überschritten

Diese Ankündigung erwies sich als warme Luft. Zahlreiche Lausner leiden aber wie ihre Liestaler Nachbarn entlang der A 22 auch heute noch unter dem Verkehrslärm. Konkret: Berechnungen des Kantons bei Liegenschaften entlang der Hochleistungsstrasse ergaben generell hohe Werte. Der Spitzenwert von 71 Dezibel wurde laut Andreas Stoecklin, Leiter des Lärmschutzes beim Kanton, im obersten Stockwert eines Hauses an der Lausner Kirchstrasse, das die Lärmschutzwand überragt, festgestellt. Und an der Ergolzstrasse, wo es streckenweise überhaupt keine Lärmschutzwände hat, wurde ein Wert von 67 Dezibel eruiert. Gemäss Lärmschutz-Verordnung des Bundes beträgt der Lärmgrenzwert in Wohnzonen 60, der Alarmwert 70 Dezibel. All diese Werte wurden aus gesundheitlichen Gründen so festgelegt.

Dazu kommt, dass die Lausner Lärmwerte aus dem Jahr 2010 stammen. Damals passierten im Tagesdurchschnitt 15 341 Fahrzeuge die A 22-Messstelle in Lausen, im letzten Jahr waren es 19 214. Das entspricht einer Zunahme von über 25 Prozent. Stoecklin sagt, dass eine derartige Verkehrszunahme den Lärmwert um ein Dezibel erhöhe. Das tönt nach wenig. Doch wenn man in Betracht zieht, dass eine Lärm-Zunahme um zehn Dezibel subjektiv bereits als Lärmverdoppelung wahrgenommen wird, wie Stoecklin ausführt, so ist auch eine kleine Zunahme auf Lausens hohem Lärm-Niveau alles andere als läppisch. Das Dorf gilt darum entlang der A 22 als einer der kantonalen Lärm-Hotspots. Stoecklin ergänzt: «Mit einer guten Lärmschutzwand holen wir fünf, mit einem Flüsterbelag ein bis zwei Dezibel heraus.»

Was macht der Kanton nun? «Vorläufig abwarten», sagt der stellvertretende Kantonsingenieur Urs Roth. Grund dafür sei der Netzbeschluss des Bundes. Dieser sehe vor, dass die Kantone alle angefangenen Arbeiten fertig stellen müssen, wenn der Bund kantonale Strassen wie die A 22 übernähme. Diese Übernahme war per 2015 vorgesehen. Doch das Volk machte bekanntlich im Herbst 2013 einen Strich durch die Rechnung, indem es die Erhöhung der Autobahnvignette ablehnte. Derzeit berät das Bundesparlament über eine neue Lösung.

Also befindet sich der Kanton weiterhin in einer Zwickmühle: Einerseits muss er bis 2018 die Lärmschutzverordnung des Bundes umsetzen, andererseits hofft er nach wie vor, dass der Bund die Lausner Lärmschutzmassnahmen in zweistelliger Millionenhöhe ausführt. Dazu Roth: «Die Regierung hat ihre diesbezügliche Strategie noch nicht festgelegt.» Die Petition kommt also zum richtigen Zeitpunkt.

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