Im Tessin ist es schon seit einigen Jahren aktiv, der Kanton Bern zog bald nach und Basel-Stadt ist seit Oktober 2018 dabei: Das System «First Responder» hat sich in mehreren Schweizer Kantonen bereits etabliert. First Responder sind Freiwillige, die einen Kurs absolviert haben und in der Lage sind, erste Hilfe zu leisten. Bei einem Notfall können sie Menschen mit Herz-Kreislaufproblemen bis zum Eintreffen der Ambulanz helfen und lebensrettende Massnahmen ergreifen. Benachrichtigt werden die Freiwilligen via Smartphone-App.

Auch im Kanton Baselland soll das System eingeführt werden. Dafür wurde im Februar 2018 die Stiftung Ersthelfer Nordwestschweiz gegründet. Initiant war Patrick Siebenpfund, leitender Arzt im Kantonsspital Baselland (KSBL). Allerdings sind auch anderthalb Jahre nach Gründung im Baselbiet noch keine First Responder im Einsatz. «Wir müssen noch das OK des Datenschutzes Baselland abwarten», erklärt Céline Marchon, Geschäftsführerin der Stiftung Ersthelfer Nordwestschweiz. Denn dieser muss für das Projekt einen sogenannten Vorabkontrollbericht verfassen.

Der Austausch mit dem Datenschutz habe im April 2018 begonnen. Im Kanton Basel-Stadt ist das schneller gegangen: «Von der Idee und Planung bis zur technischen Umsetzung der Schnittstelle in der Sanitätsnotrufzentrale und der Kommunikation» sei alles in einem Jahr erledigt worden, erklärt Projektleiterin Eva de Bruyn. Auch der Datenschutz wurde in dieser Zeit geregelt. Doch weshalb dauert es im Baselbiet so lange?

Nicht beim Datenschutz «liegengeblieben»

«Es ist keinesfalls so, dass das Projekt bei uns einfach liegengeblieben ist», betont Markus Brönnimann, Datenschutzbeauftragter des Kantons Baselland. Es sei richtig, dass das Projekt seit rund einem Jahr vom Datenschutz begleitet werde. Aber in dieser Zeit habe sich schon einiges getan: «Wir geben Rückmeldungen, was verbessert werden sollte», sagt Brönnimann. Das Kantonsspital Baselland verarbeite diese Inputs. «Momentan ist der Ball beim KSBL», erklärt Brönnimann. In den Sommerferien habe man zum letzten Mal Kontakt mit dem Kantonsspital gehabt. Dieses arbeitet nun mit den anderen involvierten Stellen an der Lösung.

Das bestätigt Stiftungspräsident und KSBL-Arzt Patrick Siebenpfund. Momentan sei man dabei, Teile des Projekts zu überarbeiten. «Nötig waren eine Analyse der Rechtsgrundlagen, eine Schutzbedarfsanalyse und ein Informationssicherheits- und Datenschutzkonzept», sagt er. Letzteres sei fertiggestellt und werde bald eingereicht.

Bikantonales Projekt führt zu mehr Aufwand

Ein weiterer Punkt, der die Abklärungen des Datenschutzes verzögert: «Es ist ein kantonsübergreifendes Projekt. Die Zuständigkeiten, beispielsweise für die Sicherheit oder die datenschutzrechtliche Aufsicht, müssen hierbei geregelt werden», erklärt Markus Brönnimann. Das ist mit Aufwand verbunden.

Bikantonal ist das System, weil der Kanton Baselland mit Basel-Stadt zusammen eine einzige App zur Alarmierung betreiben wird. Betrieben wird sie durch die Sanitätsnotrufzentrale beider Basel – diese hat ihren Sitz in der Stadt Basel. Zwischen der Basler Zentrale und dem KSBL mussten ein Datenverarbeitungsauftrag und ein Betriebsauftrag vertraglich geregelt werden. «In diesen Tagen werden die letzten offenen Fragen behandelt», sagt Siebenpfund. Schon bald soll das Vertragswerk gemeinsam mit dem überarbeiteten Datenschutzkonzept eingereicht werden. «Wir befinden uns also – hoffentlich – in der Schlussphase.»

Schon rund 20 Interessierte für den nächsten Kurs

«Wir hoffen, dass wir bald grünes Licht erhalten und starten können», sagt auch Céline Marchon. Denn bereits jetzt hat die Stiftung viele Interessierte. «Für den Kurs im September haben sich schon rund 20 Leute gemeldet», so die Geschäftsführerin. Man habe sich entschieden, die First Responder Einführungsschulungen bereits durchzuführen, damit man gleich loslegen könne, sobald es vom Datenschutz freigegeben wird.

Céline Marchon wünscht sich, dass sich in der Zwischenzeit noch mehr Freiwillige melden. In der Stadt Basel haben sich «in kurzer Zeit» rund 1000 Freiwillige registriert, sagt Eva de Bruyn. Seit vergangenem Oktober kam es zu 57 Einsätzen bei einem Herzkreislaufstillstand, 21 davon waren erfolgreich.

Die Schwierigkeit, die im Gegensatz zur Stadt im Baselbiet aufkommen wird, ist die flächendeckende Verteilung der First Responder. Die Einführungsschulungen werden deshalb im ganzen Kanton durchgeführt, um in möglichst vielen Gemeinden Freiwillige für das Projekt gewinnen zu können. Die nächsten Kurse finden am 24. September in Laufen und am 22. Oktober in Gelterkinden statt.