Sparpaket

Lehrer sind entsetzt, Notare vorsichtig optimistisch

Notare sind zuversichtlich, Lehrer entsetzt

Notare sind zuversichtlich, Lehrer entsetzt

Die Lehrervertreter betrachten das regierungsrätliche Sparpaket als «Affront» und kündigen bereits jetzt Widerstand in der Vernehmlassung an. Die Notare dagegen sehen ihre drohende Entlassung aus dem Staatsdienst gelassener.

Angesichts der laufenden Reformen hält Heidi Mück, Generalsekretärin des VPOD Region Basel, die Erhöhung der Pflichtstunden für die Lehrer der Sekundarstufe I und II für unzumutbar. Harmos und das Sonderschulkonkordat seien eine enorme Herausforderung für die Schulen: «Gerade jetzt sollten wir eigentlich vorwärtsmachen und nicht abbauen. Wir tragen die Verantwortung für die Kinder und Eltern.»

«Geringschätzung der Schularbeit»

Für Geschäftsführer Christoph Straumann vom Lehrerverein Baselland ist klar, dass die Regierung erneut versucht, «Mehrausgaben, die an ganz anderer Stelle entstanden sind, mit Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen an den Baselbieter Schulen» zu kompensieren. Das passiere erneut auf Kosten des Personals. Die Erhöhung der Pflichtstunden sei ein weiterer Schritt in die «absolut falsche Richtung». Der Druck der kommenden Reformjahre werde «kaltschnäuzig» an die Lehrer weitergereicht – «ohne jegliche Entlastung für Klassenlehrer». Unter dieser «Geringschätzung der Arbeit an unseren Schulen» hätten vor allem die Schüler zu leiden. Mück geht sogar noch einen Schritt weiter. Für sie will die Regierung Sekundar- gegen Primarstufenlehrer sowie Klassen- gegen Fachlehrer ausspielen. Das sei «absolutes Gift für die Schulen» und nach der Ablehnung der fünften Ferienwoche eine «doppelte Ohrfeige».

Amtsnotare historisch gewachsen

Entspannter sehen die Notare die angekündigten Neuerungen. Zumindest die 17 freiberuflichen Notare im Baselbiet begrüssen laut Katharina Walter, Aktuarin des Basellandschaftlichen Notariatsverbandes, dass sie ab 2012 auch Grundstückkäufe beurkunden dürfen. Diese Aufgabe war bisher exklusiv den kantonalen Amtsnotaren in den sechs Bezirksschreibereien vorbehalten. «Viele unserer Kunden haben diese Trennung zwischen den Notargeschäften nie verstanden», berichtet Walter. Wie viele Amtsnotare es im Baselbiet gibt, kann die Sicherheitsdirektion nicht sagen; es dürften aber bis zu drei pro Bezirksschreiberei sein.

Persönlich empfindet Walter Nostalgie bei der Vorstellung, von den Baselbieter Amtsschreibereien Abschied zu nehmen: «Das ist im Baselbiet historisch gewachsen.» Es sei deshalb überraschend, dass die Änderungen nun so kurzfristig bereits im nächsten Jahr in Kraft treten sollen. Die Entwicklung zeichne sich aber seit 1998 ab, seit es freie Notare im Baselbiet gibt. Wie sich die Situation im Baselbieter Notarwesen nun entwickeln wird, ist für den Notariatsverband noch völlig offen.

Notarverband «hocherfreut»

In Europa gehören die Amtsnotare zu einer aussterbenden Spezies. In der EU gibt es sie nur noch in Baden und in Portugal. Auch in der Schweiz haben nur noch die Kantone Zürich, Thurgau, Schaffhausen und Appenzell-Ausserrhoden reine Amtsnotariate. Generalsekretär Jean-Pierre Becher vom Schweizerischen Notarenverband als Vertreter der freiberuflichen Notare ist denn auch «hocherfreut» über die Entscheidung der Baselbieter Regierung.

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