Lehrstellensuche

Lehrstellen wären im Baselbiet vorhanden, doch sie passen oft nicht

Die Lehrstellensituation ist stabil

Die Lehrstellensituation ist stabil

Wer noch keine Lehrstelle hat, muss nun in die Hosen und Beratung suchen. Die Situation ist jedoch besser als in früheren Jahren, da mehr Stellen vorhanden sin. Jugendliche, die keine Lehrstelle finden, können auf professionelle Beratung zählen.

«Nun kommt für die Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen, eine entscheidende Phase», betont Urs Berger, Bereichsleiter Berufsbildung der Wirtschaftskammer Baselland. Konkret: Für all jene zum Beispiel, die in einem Betrieb in der engeren Wahl waren, nun aber doch eine Absage bekommen und kein weiteres Eisen im Feuer haben, wird es zeitlich langsam eng. Auch wer bisher nur Absagen bekam, könnte langsam den Mut sinken lassen oder in Panik geraten. Für solche Fälle steht seit gestern bis zu den Sommerferien der Junior Job Service der Baselbieter Jugendberatungsstelle «Wie weiter?» offen.

Keine Krise auf Lehrstellenmarkt

Die zweite gute Nachricht: «Die Finanz- und Eurokrise hat nicht, wie befürchtet, zu einem geringeren Angebot an Lehrstellen geführt», berichtet Hanspeter Hauenstein, Leiter des Baselbieter Amts für Berufsbildung und Berufsberatung.

Im Gegenteil: Die Zahl der im Kanton Baselland gemeldeten Lehrstellen lag im März 3,5 Prozent über dem Vorjahr. Hinzu kommt, dass in diesem Jahr 7,8 Prozent weniger Jugendliche die Baselbieter Volksschulen verlassen werden. Ähnlich präsentiert sich die Lage in Basel-Stadt: Auf 3,2 Prozent weniger Schulabgehende kommen 1,5 Prozent mehr Lehrstellen. Trotzdem herrscht auf Lehrstellenmarkt nicht eitel Freude: Die technische Innovation erfordert auch von Lehrlingen einen immer volleren Schulsack. Folge: «Hightech-Betriebe finden für Berufe, in denen die Anfangsinvestition in die Auszubildenden hoch ist, oft nicht die geeigneten Jugendlichen», berichtet Hauenstein. 2011 konnten deshalb nicht alle Lehrstellen besetzt werden.

Auf der anderen Seite finden schwächere Jugendliche oft keine Lehrstelle, vor allem nicht im gewünschten Beruf. «Da kommt neben Lücken im Schulwissen oft ein Mangel an Sozialkompetenz, Teamfähigkeit oder Umgangsformen hinzu,» erklärt Hauenstein und nennt einen Migrationshintergrund als weiteren Stolperstein: «Wer einen Namen trägt, der auf ‹-ic› endet, hat es schwerer, eine Lehrstelle zu finden.»

Ein mögliches Zeichen für die Diskrepanz zwischen den Anforderungen und den Profilen der Jugendlichen könnte sein: Bis zum März wurden im Baselbiet 7,5 Prozent weniger Lehrverträge abgeschlossen, in Basel-Stadt waren es 6,4 Prozent weniger als im März 2011.

Damit niemand rausfällt

All jenen Baselbieter Schülerinnen und Schülern, die noch nichts gefunden haben, steht der eingangs erwähnte Junior Job Service zur Verfügung: «Wir klären mit ihnen, weshalb es bisher nicht geklappt hat», berichtet Walter Leimgruber, Leiter der Jugendberatungsstelle «Wie Weiter?».

Dazu gehört neben dem Überarbeiten des Bewerbungsdossiers auch die Frage, ob der gewünschte Beruf zum vorhandenen Schulsack passt. Oder was man im Bewerbungsgespräch auf unbequeme Fragen nach «Killern» wie unentschuldigten Absenzen oder dem Leistungseinbruch in den letzten zwei Zeugnissen antwortet: «Weiss man da etwas Plausibles zu sagen, erhöht dies die Chancen», erklärt Leimgruber. Zudem helfe der Junior Job Service mit Kontakten und Hinweisen

Für den Junior Job Service gilt es nicht nur als Erfolg, wenn jemand eine Lehrstelle findet. «Unser Ziel ist in erster Linie, dass niemand aus dem Bildungssystem herausfällt», betont Leimgruber. Wer also keine Lehre oder Attestlehre findet, sollte möglichst in einem Brückenangebot die vorhandenen Lücken auffüllen oder in einer Vorlehre oder einem berufsbezogenen Vorkurs unterkommen.

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