Allschwil

Leichte Kunst fürs Schulhaus ist schwere Last fürs Sparpaket

Künstler Boris Rebetez möchte das neue Schulhaus in Allschwil mit sieben Objekten wie etwa einem Zeppelin schmücken. Sein Projekt «Leichter als Luft» hat die entsprechende Ausschreibung gewonnen.

Künstler Boris Rebetez möchte das neue Schulhaus in Allschwil mit sieben Objekten wie etwa einem Zeppelin schmücken. Sein Projekt «Leichter als Luft» hat die entsprechende Ausschreibung gewonnen.

Im neuen Schulhaus «Gartenhof» will Allschwil das Kunstprojekt «Leichter als Luft» umsetzen. Sieben Objekte aus der Luftfahrt sollen die Decke schmücken. Das Baselbiet zeigt sich über den Kostenaufwand von 180 000 Franken empört.

«Leichter als Luft» heisst das Kunstprojekt, das künftig das neue Schulhaus Gartenhof in Allschwil zieren soll. Gar nicht als luftigleicht empfindet dieses Martin Münch: Der Vizepräsident der FDP Allschwil Schönenbuch spricht von einer Frechheit und gar einer Schweinerei, wenn er an die 180 000 Franken denkt, die aus dem Gesamtkredit von fast 70 Millionen für das neue Schulhaus und den dazugehörigen Sportplatz in die Kunst fliessen sollen. «Das ist angesichts der Sparmassnahmen doch ein Affront gegenüber der Bevölkerung», findet er.

Tatsächlich steht es um die Allschwiler Finanzen nicht gerade rosig, weshalb die Gemeinde die Sparschraube angesetzt hat. So bleiben etwa die Türen des Heimatmuseums geschlossen und die Einwohner können sich nicht mehr kostenlos in Energiefragen beraten lassen. «Einige der Sparmassnahmen schmerzen richtig», weiss Münch. «Ich etwa muss für den Krippenplatz meiner Tochter 15 Franken mehr am Tag bezahlen als früher.» Kunst am Bau aber, das sei nur nice to have.

Mehr als Lesen und Schreiben

Ganz anders sieht das Christoph Morat. «Sobald es um Kultur geht, kommt immer der Vorwurf, es sei bloss nice to have», sagt der für den Schulhausbau zuständige Gemeinderat. «Ich bin aber überzeugt, dass wir als Gemeinde eine andere Aufgabe haben, als Kindern nur Schreiben, Lesen und Rechnen beizubringen.» Die Auseinandersetzung mit Kunst sei gerade in einer Bildungsinstitution wichtig. Dass Kinder damit nichts anfangen können, glaubt der Familienvater nicht. «Im Gegenteil: Sie machen sich mehr aus Kunst, als wir meinen. Ich staune manchmal, was Kinder dazu alles zu sagen haben.»

Mit «Leichter als Luft» hat ein Projekt den Wettbewerb um die Kunst am Bau im Schulhaus Gartenhof für sich entschieden, das Kindern zusagen dürfte. Das Werk des in Basel wohnhaften Künstlers Boris Rebetez wird aus sieben Objekten bestehen, die für die Schüler unerreichbar an der Decke hängen: einem Zeppelin, zwei Fallschirmen, einer Cumulus-Wolke, einem Montgolfier – dem Vorgänger des Heissluftballons –, einem fliegenden Teppich und dem ersten motorisierten Flugobjekt der Geschichte. Morat ist überzeugt, dass diese Objekte nicht zuletzt auch Anstoss für Schulstunden etwa über Wetter oder Erfindungen geben könnten.

Therwil spart sich die Kunst

Ein neues Schulhaus entsteht auch in Therwil. Kunst am Bau ist keine vorgesehen. «Wir haben das diskutiert», verrät Gemeindepräsident Reto Wolf. «Im Anbetracht der Höhe des Kredits für das Schulhaus von fast 30 Millionen wollten wir nicht auch noch einen Betrag für Kunst dazunehmen.» Wenn nach Vollendung des Baus allerdings genügend Geld übrig bleibe, könnte sich die Gemeinde vorstellen, doch noch in Kunst zu investieren.

Das Therwiler Vorgehen entspricht schon eher Münchs Vorstellungen. Ihm will nicht einleuchten, wieso Allschwil nicht einfach auf Kunst am Bau verzichten kann, bis es der Gemeinde finanziell besser geht. Das wiederum kann Morat nicht verstehen. «Kunst war von Anfang an Teil des Budgets, auf dem der Kredit basiert, den das Volk abgesegnet hat», betont er. Würde man die Kunst nun einfach einsparen, wäre das eine Missachtung des Volkswillens. «Wenn wir jetzt fünf, zehn oder fünfzehn Jahre warten würden, müssten wir wieder einen Kreditantrag stellen», sagt der SP-Gemeinderat. «Ich fürchte, dieser würde dann nicht durchkommen. Dann würde man damit argumentieren, dass es bisher ja auch ohne ging.»

Münch kann sich nur beschränkt für Morats Argumentation erwärmen. «Er hat schon recht, der Kredit ist bewilligt», räumt er ein. «Aber für den Steuerzahler spricht sicher nichts dagegen, wenn am Ende etwas Geld für anderes übrig bleibt.» Der FDP-Vizepräsident will sich nicht geschlagen geben: «Der Projektwettbewerb ist vorbei, es ist alles entschieden. Ich werde die Kunst am Bau aber weiterhin thematisieren. Für mich ist die Sache noch nicht gelaufen.»

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