Umfrage

«Lesbarkeit ist mit grossen Buchstaben garantiert» – Uni Basel untersucht Bedürfnisse älterer Menschen

Welche Bedürfnisse hat die alternde Bevölkerung im Baselbiet? Eine Umfrage soll Ergebnisse liefern.

Welche Bedürfnisse hat die alternde Bevölkerung im Baselbiet? Eine Umfrage soll Ergebnisse liefern.

Die Universität Basel will von über 75-jährigen Baselbieterinnen und Baselbietern wissen, welche Bedürfnisse und Präferenzen sie für das Leben im Alter haben.

Forschende der Universität Basel führen ab Mitte März eine gross angelegte Umfrage bei Baselbieter Seniorinnen und Senioren durch. Dies geschieht im Rahmen des Forschungsprojekts «Inspire», das ein integriertes Versorgungsprogramm für ältere Menschen im Kanton Baselland zum Ziel hat. Sabina De Geest, Vorsteherin des Departements Public Health und Institutsleiterin Pflegewissenschaft an der Uni Basel, erklärt, worum es geht.

Warum führen Sie gerade jetzt diese Befragung durch und weshalb nur im Landkanton?

Sabina De Geest: Baselland hat mit dem neuen Altersbetreuungs- und Pflegegesetz (APG), das seit Anfang 2018 in Kraft ist, die Grundlagen geschaffen für ein neues Versorgungsmodell von älteren Personen. Der Landkanton ist nach dem Tessin die am zweitschnellsten alternde Gegend der Schweiz. Deshalb muss man nun nachdenken, wie man hier künftig die Gesundheitsversorgung von älteren Leuten garantieren kann. Es gibt diverse Elemente, die in das APG eingeführt werden müssen. Wichtig dabei ist, dass sich die Gemeinden in Versorgungsregionen organisieren müssen. Teil dieses Konzepts sind pflegegeleitete Informations- und Beratungsstellen, welche die sozialen und pflegerischen Bedürfnisse älterer Personen evaluieren. Nötige Massnahmen werden danach gestartet und koordiniert.

Das Prinzip der koordinierten Versorgung ist aber nicht neu.

Tatsächlich, dieses wird teils schon im Ausland praktiziert. Unsere Absicht ist, dass wir diese Stellen in den Versorgungsregionen zusammen mit den Beteiligten entwickeln, mithilfe von deren Inputs, wissenschaftlicher Evidenz sowie den Ergebnissen der «Inspire»-Bevölkerungsbefragung. Wer sind diese Personen? Wie möchten sie wohnen? Was ist relevant in ihrem Leben? Unsere Befragung soll den Stand der Dinge abbilden, den wir danach für den ganzen Kanton analysieren, sowohl für die städtischen als auch die ländlichen Gemeinden und neuen Versorgungsregionen. Alle sind an solchen Daten, über die sie noch nicht verfügen, sehr interessiert. So können sie dann ihr Versorgungskonzept entwickeln.

Sie verschicken Fragebogen an 29'000 Personen in allen Baselbieter Gemeinden. Die Umfrage richtet sich an über 75-Jährige, die noch zu Hause wohnen. Wie sind Sie überhaupt an die Kontakte gekommen?

«Inspire» ist ein Projekt, an dem sehr viele beteiligt sind. Wir haben alle möglichen Stellen und Leistungserbringer an den Tisch geholt. Das Projekt führen wir gemeinsam mit dem Kanton Baselland durch, das Statistische Amt hat uns die notwendigen Informationen besorgt. Die Prozesse sind transparent, alles ist aufeinander abgestimmt. Wir wissen, dass die meisten Leute bis ins hohe Alter zu Hause bleiben möchten. Der Punkt ist: Wie kann man sie unterstützen, wenn dies nicht mehr möglich ist, welche Wohnform kommt infrage? Leute, die bereits in Pflegeheimen leben, sind schon gut betreut.

Die Befragung umfasst mehr als 20 Seiten und dauert zwischen 30 und 60 Minuten. Wirkt das für ältere Leute nicht abschreckend?

Davor haben wir grossen Respekt. Wir sind uns bewusst, dass es eine grosse Aufgabe ist für ältere Leute und diese dafür Zeit aufwenden müssen. Sie können zum Ausfüllen auch Unterstützung von Angehörigen oder Nachbarn anfordern. Um den Fragebogen zu entwickeln, haben wir mit am Projekt Beteiligten zusammengearbeitet und ihn mit älteren Personen getestet. Die Lesbarkeit ist mit grösseren Buchstaben garantiert.

Mit welcher Rücklaufquote rechnen Sie?

Es laufen Wetten unter uns (lacht). Ich persönlich rechne mit über 30 Prozent. Wir alle hoffen auf eine hohe Rücklaufquote.

Wann werden Sie erste Ergebnisse präsentieren können?

Wir gehen davon aus, dass wir im kommenden Spätsommer soweit sein werden. Die Ergebnisse publizieren wir in einem Format, das auch älteren Leuten zugänglich sein wird. Wir werden Präsentationen im Kanton organisieren und den Versorgungsregionen schriftliche Informationen zukommen lassen.

Wie sollen Massnahmen umgesetzt werden?

Sie sind schon in Vorbereitung. Wir erstellen Analysen, um von guten Beispielen zu lernen und um zu bestimmen, wo Handlungsbedarf besteht. Optimierungspotenzial gibt es bei der Zusammenarbeit und Koordination unter Leistungserbringern in der Altersversorgung.

Könnten Ihre Umfrageergebnisse auch für andere Kantone interessant sein?

Bestimmt, wir haben schon Anfragen aus Zürich und Österreich.

   

Weitere Informationen: https://inspire-bl.unibas.ch

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