Aesch

Lieber Baulärm ertragen als das Haus verlassen

Die Mieter der Liegenschaft an der Arlesheimerstrasse 24 in Aesch wollen trotz Sanierung in ihren Wohnungen bleiben.

Die Mieter der Liegenschaft an der Arlesheimerstrasse 24 in Aesch wollen trotz Sanierung in ihren Wohnungen bleiben.

Zwei Drittel der Mieter an der Arlesheimerstrasse 24 wehren sich gegen die Kündigung. Die Besitzerin will aber keine gestaffelte Sanierung.

Alle 32 Mietparteien der Arlesheimerstrasse 24 in Aesch haben Ende Juni die Kündigung erhalten. Sie müssen Ende Juni 2013 das 1982 erstellte Haus verlassen. Als Grund gibt die Liegenschaftsbesitzerin, die Allianz Suisse Immobilien AG, eine totale Innensanierung aller Wohnungen an.

«Aufgrund des Umfangs der Arbeiten werden die Wohnungen nicht bewohnbar sein», erklärt Mediensprecher Bernd De Wall. Gemäss ersten Schätzungen dauere die Unbewohnbarkeit vier bis fünf Monate.

Zurzeit kostet eine Dreizimmerwohnung rund 1000 Franken pro Monat

Das möchten viele Mieter nicht hinnehmen. Sie möchten die unangenehmen Umstände der Sanierung ertragen, dafür ihre Mietverträge behalten. Das ist das, was Andreas Béguin vernommen hat, der Co-Präsident des Mieterinnen- und Mieterverbands Baselland und Dorneck-Thierstein.

Er erklärt, was ein Festhalten an den bestehenden Mietverträgen brächte: «Nach einer Sanierung liegen Abrechnungen vor, auf deren Grundlage man den Mietzins neu berechnen kann.» Für die Liegenschaftsbesitzer sei es aber lukrativer, in unbewohntem Zustand zu sanieren, weil danach die Mietzinse höher angesetzt werden könnten.

Im Fall Arlesheimerstrasse heisst es seitens von Allianz Suisse: «Der Mietzins nach Renovation wird im Rahmen der üblichen Marktmieten für entsprechende Mietobjekte massvoll angepasst.» Zurzeit kostet eine Dreizimmerwohnung rund 1000 Franken pro Monat. «Viele Mieter sind auf günstigen Wohnraum angewiesen», sagt Béguin. Deshalb wollen mindestens 22 davon die Kündigung bei der Mietschlichtstelle anfechten.

Letzte Hoffnung für die Mieter

Sie könnten damit Erfolg haben. Denn Béguin vermutet eine nicht gestattete Kündigung auf Vorrat, falls für die Sanierung noch keine exakten Pläne existieren und die Finanzierung ungeklärt ist. Sieht das die Mietschlichtstelle anders, bleibt den Mietern eine letzte Hoffnung.

Hat mindestens einer unter ihnen in den letzten drei Jahren einen Mietschlichtfall erlebt, könnte das eine Kündigung um drei Jahre verschieben. Béguin setzt darauf, dass dann die Allianz Hand bietet für eine Sanierung ohne Kündigungen. Ihm schwebt eine gestaffelte Sanierung vor.

Die Versicherung stellt aber klar, dass «aus bautechnischen Gründen» eine Bündelung der Arbeiten nötig sei. «Wir haben im Vorfeld verschiedene Sanierungsvarianten, auch in bewohntem Zustand, geprüft und sind zum Schluss gekommen, dass die von uns gewählte Variante am sinnvollsten ist, auch im Hinblick auf die Zumutbarkeit für die Mieter der Liegenschaft.»

Der Fall Arlesheimerstrasse erinnert an denjenigen in den Hochhäusern in Birsfelden. Ebenfalls wegen Totalsanierung war dort im Mai rund hundert Mietparteien gekündet worden. Die zahlreichen Kündigungsanfechtungen sind noch hängig.

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