«Sie fehlt uns», sagen Peter (49), Urs (52) und Helene (75) Schneider unisono. Peter und Urs Schneider führen den Ulmet-Hof auf knapp 1000 Metern über Meer oberhalb von Lauwil, Helene ist ihre Mutter. Die Rede ist von der Freibergerstute Diana, die letzte Woche im biblischen Pferdealter von 36 Jahren an Altersschwäche gestorben ist. Im Normalfall werden Pferde 20 bis 25, selten 30 Jahre alt.

Fehlen wird das Ausnahmepferd auch den zahlreichen Wanderern, die den Ulmet-Sattel mit herrlicher Aussicht übers Baselbiet bis hin zum Schwarzwald passieren, den Ornithologen, die jeweils im Herbst auf der Ulmet Vögel beringen, und den Schülern, die den Hof Ulmet im Rahmen des Programms «Bim Buur in d’Schuel» besuchen.

Lange als Arbeitstier im Einsatz

Denn Diana war ein zutrauliches, neugieriges Pferd, das den Kontakt mit den Menschen suchte, wenn es auf der weitläufigen Ulmet oft ohne Zaun weidete, wie Peter Schneider erzählt. Und weiter: «Für die Schüler war sie das Highlight ihres Aufenthalts hier. Sie gingen mit ihr spazieren, striegelten und putzten sie mehrmals täglich und verwöhnten sie mit Streicheleinheiten. Diana hat das genossen.» Aber auch sonst hatte Diana kein alltägliches Pferdeleben.

Als sie mit drei Jahren vom benachbarten Hof im Bogental auf die Ulmet kam, wurde sie eingesetzt, wie Pferde während Jahrhunderten eingesetzt worden waren: Sie half als Arbeitstier beim Düngen, beim Kartoffelsetzen und beim Holzschleifen im Wald, bis sie vor zwei Jahrzehnten endgültig durch den Traktor ersetzt wurde. Daneben gebar sie als Zuchtstute 14 Fohlen. Eines brachte es zum internationalen Champion beim Langdistanzreiten. Offensichtlich hat es die Kraft und Ausdauer der Mutter geerbt.

Diana hatte aber auch ihre Launen, vor allem wenn sie rössig war. Dann sei es immer wieder vorgekommen, dass ein Telefonanruf vom Hof im Bogental oder aus Lauwil – eine halbe respektive eine ganze Stunde Fussweg vom Ulmet entfernt – gekommen sei, erzählt Peter Schneider. Für ihn war das eine zweischneidige Sache: «Zuerst habe ich mich jeweils genervt, weil ich sie dort holen musste. Dann habe ich es genossen, heimzureiten.»

Und Diana hatte eine gesetzliche Ausnahmestellung. Als die Tierschutzgesetzgebung die Haltung von Einzelpferden verbot, stellte der Kantonstierarzt Schneiders eine Sonderbewilligung aus. Diana, die bis anhin ein Leben als Single geführt hatte, konnte das weiterhin bis zu ihrem Ableben tun.

Das sei ihrem Charakter entgegengekommen, sagt Schneider. Denn gegen andere Pferde sei das sonst so friedfertige Tier aggressiv gewesen, sodass der Nachbar nur mit Peitsche durchgeritten sei. Doch alleine war Diana deshalb nicht: Im Frühling war sie mit den Kühen, im Sommer mit den Kälbern auf der Weide. Helene Schneider seufzt: «Jetzt ist eine Ära zu Ende.»