Ortsentwicklung

Liestal baut um – doch der Plan für die neue Bahnhofs-Verbindung ist bereits umstritten

Die neue Post hat abgespeckt, stellt aber mit 25 Metern Höhe immer noch alle Nachbarn in den Senkel. (Visualisierung)

Die neue Post hat abgespeckt, stellt aber mit 25 Metern Höhe immer noch alle Nachbarn in den Senkel. (Visualisierung)

Die Behörden haben den Genehmigungsprozess für den Quartierplan «Am Orisbach» gestartet. An der Orientierungsveranstaltungen stellte die Bevölkerung zig Fragen. Nicht alle konnten befriedigend beantwortet werden.

Quartierpläne sind in Liestal Alltagsgeschäft und passieren den Genehmigungsprozess mit wenigen Ausnahmen wie der «Bahnhof-Corso» geräuschlos. Jetzt steht aber mit dem Quartierplan «Am Orisbach» (QP) nochmals eine grosse, zentrale Kiste an.

Das signalisierten auch die Stadtbehörden, indem sie das Mitwirkungsverfahren am Mittwoch mit einer öffentlichen Orientierung einläuteten. Denn der QP mit dem etwas irreführenden Namen «Am Orisbach» beinhaltet die neue Post, die Allee und das Wegnetz, das das Bahnhofsquartier mit der Altstadt verbindet.

Am Informationsanlass standen nebst Stadtrat Franz Kaufmann und Stadtbaumeister Thomas Noack mit dem Architekten Christoph Gantenbein, dem Landschaftsarchitekten Massimo Fontana und dem Post-Immobilien-Vertreter Urs Ellenberger jene Leute Red und Antwort, die zuvorderst an der Planungsfront sind. Und sie hatten einiges zu tun, denn das rund 30-köpfige Publikum löcherte sie mit Fragen.

Im Mittelpunkt des QPs steht schon rein visuell die neue Post, die am Rande des Bahnhof-Plateaus vis-à-vis der Altstadt thront. Und sie bleibt auch nach ihrer Abspeckkur um flächenmässig rund ein Drittel gegenüber dem ursprünglichen Siegerprojekt aus dem Wettbewerb ein Klotz, neben dem die benachbarten «Palazzo»- und Gerichtsgebäude schon fast wie Kleinbauten daherkommen.

Facelifting für Orisbach

Der voluminöse Post-Neubau mit sieben Vollgeschossen und aus Sicht Allee drei Untergeschossen, die sich hinter einer Stützmauer verbergen, wird allerdings mit einigen architektonischen Kniffs aufgewertet. Christoph Gantenbein verwies etwa auf die keilförmige Gebäudeform, die sich an den Strassenverlauf anpasst, die strukturierte Fassade oder die grosse Terrasse in Richtung Allee.

In diesen Bau mit Läden, Postfiliale und Gastronomie im Erdgeschoss, Wohnungen und Büros in den Obergeschossen und Lager, Kellerräumen und Parkgarage in den Untergeschossen will die Post laut Ellenberger 40 bis 50 Millionen Franken investieren.

Auf die Frage aus dem Publikum, ob es auch bezahlbare Familienwohnungen gebe, blieb der Post-Vertreter vage. Er verwies auf den Projektstand im Anfangsstadium und redete von «ortsüblichen» Mietpreisen. Ellenberger machte gleichzeitig klar, dass der Neubau für die Post ein Renditeprojekt ist: «Die neue Post wird aber ein Gewinn für alle, weil sie sich oben auf das Plateau beschränkt und es dadurch unten mehr Platz für die Allee gibt.»

Womit wir beim zweiten Hotspot des QPs sind – der Allee. Landschaftsarchitekt Fontana schwärmte: «Sie ist die grüne Lunge im städtischen Gebiet und soll zum Aufenthaltsort werden, statt nur Verbindungsort zu sein.» Zu diesem Zweck soll der Orisbach verbreitert und leicht aufgestaut sowie auf jenem Abschnitt, der heute noch unter Annexbauten der Post fliesst, freigelegt werden. Eine breite Sitztreppe am Bachufer soll zudem zur Rast einladen.

Umstrittene Serpentinen

Ein Aufwertungsschritt wird allerdings nicht in der einst geplanten Radikalität durchgezogen. Auf Input von KMU Liestal werde die Allee nicht parkplatzfrei und der QP sehe die Option von 20 Parkplätzen vor, merkte Stadtrat Kaufmann an.

Fontana verwies im Weiteren auf «die schönen und behindertengerechten Serpentinen in einer parkähnlichen Situation», die den heutigen gradlinigeren, aber steileren Weg vom Bahnhof in die Allee ablösen sollen. Wer es direkter wünscht, kann Abkürzungstreppen oder die geplante, breite Treppe neben der Post hinunter in die Allee nutzen.

Dieses Wegnetz befriedigte aber vor allem ältere Leute und Velofahrer im Publikum, die nicht die Serpentinen hinunter «Slalom fahren» wollen, kaum. Ein Senior schlug einen Lift zwischen Postterrasse und Allee vor. Kaufmann bat, solche Anregungen im bis Mitte Februar laufenden Mitwirkungsverfahren einzubringen.

Der Quartierplan sollte laut Noack bis in einem Jahr das Genehmigungsprozedere durchlaufen haben. Die Post könnte dann ab Mitte 2020 mit dem Neubau beginnen.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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