Der Schuss ist draussen: Liestal erhält einen neuen, dreiteiligen Bahnhof aus gelbem Backstein. Das Ensemble gliedert sich ins eigentliche, vierstöckige Bahnhofsgebäude, einen zweigeschossigen, erhöhten Verbindungstrakt, der gleichzeitig als Unterstand für die wartenden Reisenden dient und ein sieben Stockwerke zählendes Bürohaus, das gegen den Emma-Herwegh-Platz hin den Abschluss bildet. Dieses Projekt namens «Le mur du quai» des Badener Architekturbüros Burkard Meyer gewann den von den SBB ausgeschriebenen Architekturwettbewerb mit sechs Teilnehmern.

«Die Jury entschied einstimmig, das Siegerprojekt war absolut unbestritten», sagte gestern Jury-Präsident Johannes Käferstein, ein Architektur-Professor aus Zürich, an der Medienkonferenz im Liestaler Rathaus. Überzeugt habe die Jury, wie das Projekt den Bahnhofsraum als «urbane Klammer» fasse, dessen starke horizontale Gliederung, aber auch die Transparenz des Bahnhofbaus, welche die Züge aus der Stadt und die Stadt aus den Zügen sichtbar mache. Käferstein: «Das Backstein-Ensemble hat einen hohen Wiedererkennungsfaktor.» Das unterstrich auch Liestals Stadtpräsident Lukas Ott, der im «schönen, modernen, ausdrucksvollen, anziehenden und unverwechselbaren Bahnhof» auch noch einen «hohen Identifikationswert» für die Liestaler ausmacht. Und Ott wurde fast schon euphorisch: «Wir warten schon lange auf einen neuen Bahnhof. Aber das Warten hat sich gelohnt, heute ist ein Tag der uneingeschränkten Freude.»

Neubauten sind ganz selten

Wobei sich die Liestaler noch etwas gedulden müssen. Denn Alexander Muhm, Leiter Development bei SBB Immobilien, zeichnete mit einem sanften Seitenhieb an Ott, der den neuen Bahnhof am liebsten schon morgen wolle, einen weniger ambitionierten Fahrplan: Gebaut werde der Bahnhof in den Jahren 2023 bis 2025, abgestimmt auf den Viergleisausbau, der wiederum von 2019 bis ebenfalls 2025 dauert. Aber auch Muhm freut sich über die jetzige Chance. Denn obwohl die SBB 800 Bahnhöfe im Portfolio hätten, sei es «äusserst selten», dass ein Bahnhof ganz neu gebaut werden könne, weil es meistens um geschützte Gebäude gehe. Das Liestaler Bahnhof-Ensemble veranschlagt Muhm auf 35 Millionen Franken.

So hoch wie das Kantonsspital

Im eigentlichen Bahnhof – die SBB sprechen vom Aufnahmegebäude – wollen die SBB das Erdgeschoss selber nutzen, im ersten Stock soll es Arztpraxen und Ähnliches und in den Geschossen drei und vier Wohnungen geben. In den Verbindungstrakt kommt möglicherweise die Velostation mit Velo-Parkplätzen und im Bürogebäude mit Tiefgarage sind diverse Dienstleistungserbringer vorgesehen, wobei die SBB derzeit noch keine fixen Mieter haben. Und dann gibt es noch den vorgesehenen Verwaltungsbau am Ende des Emma-Herwegh-Platzes, der zwar nicht Bestandteil des jetzigen Architekturwettbewerbs war, aber trotzdem eng mit dem Bahnhof-Ensemble verknüpft ist: Im Mai soll der Quartierplan aufgelegt werden, zu dem auch dieser Verwaltungsbau gehören wird. Wann dieser Bau realisiert wird, hängt im Moment in der Luft. Muhm sagte dazu: «Der Ball liegt beim Kanton. Wir sind bereit, loszulegen.»

Der Kanton hat vor drei Jahren eine Absichtserklärung unterzeichnet, dass er als Ankermieter in den Bau will. Ob dieser allerdings so glatt durchgeht, ist mehr als offen: Während das Aufnahmegebäude 15 und das Bürohaus des neuen Bahnhofs 25 Meter hoch werden sollen, ist das Verwaltungsgebäude auf 57 Meter angesetzt – eine Höhe, mit der in Liestal nur noch das Kantonsspital konkurrenzieren kann.