Nach 14 Jahren zieht der kaufmännische Verband Baselland (KV BL) die Reissleine: Nächsten Juni schliesst er als Träger die beiden Standorte des Tagesheims Bingolino in Liestal und Oberwil. «Es ist nicht selbsttragend», begründet Christine Mangold, Geschäftsführerin des KV BL, den Entscheid. «Unser Ziel war nie, Gewinn zu machen. Aber wir machen seit Jahren Minus, weshalb wir schon länger über eine Schliessung diskutieren.»

Der Zeitpunkt des Entscheids überrascht. Denn an der nächsten Sitzung des Liestaler Einwohnerrats steht eine grundsätzliche Änderung des Finanzierungssystems von Kindertagesstätten (Kitas) zur Diskussion, was auch dem «Bingolino» indirekt Beiträge der Stadt Liestal bringen könnte: Aufgrund eines von grünen, sozialdemokratischen und freisinnigen Politikern eingebrachten Vorstosses schlägt der Stadtrat vor, von der Objekt- auf die Subjektfinanzierung (siehe Box) umzustellen und gleichzeitig die Subvention um die Hälfte zu erhöhen.

Konkret heisst das, dass die Stadt in Zukunft nicht wie bisher 200 000 Franken pro Jahr an eine einzelne Kita (Sunnewirbel) ausschüttet, sondern maximal 300 000 Franken berechtigten Liestaler Eltern in Form von Gutscheinen zukommen lässt, die diese in einer Liestaler Kita einlösen können. Derzeit sind das die Kitas Sunnewirbel (28 Plätze), Bingolino (12), Kimi (24), Magische Kinderwelt (20) und Feldsäge (35).

Ein Kommen und Gehen

Die Vorlage dürfte das Stadtparlament problemlos passieren; dafür spricht auch die oppositionslose Zustimmung durch die vorberatende Kommission. Zentral für die Sympathiewelle der Parteien ist die Fixierung des jährlichen Maximalbeitrags auf 300 000 Franken, was allerdings zu Wartelisten von Eltern führen dürfte. René Frei, Bereichsleiter Sicherheit/Soziales in Liestals Verwaltung, sagt zum Auswahlprozedere: «Sofern mehr Anmeldungen eingehen als subventionierte Plätze zur Verfügung stehen, werden diese nach Eingang der Anmeldung vergeben.» Die Eltern müssen einen einkommensabhängigen Beitrag bezahlen, im Minimum 24 Franken pro Betreuungstag.

Für Mangold gibt es keinen Grund, die anstehende Systemumstellung abzuwarten, bevor das «Bingolino» schliesst. «Die Auslastung ist gut, aber die Fixkosten für nur zwölf Plätze zu hoch», erklärt sie. Ein Ausbau sei aus Platzgründen nicht möglich. «Wenn die Eltern finanzielle Unterstützung erhalten, ist das für sie eine Hilfe. Wir würden dadurch unser strukturelles Defizit allerdings nicht beheben können.»

Das «Bingolino» ist nicht die erste Kita, die Liestal wieder verlässt. Im vergangenen Jahr schloss die Kindertagesstätte Copain der Freien Christlichen Schule Liestal nach einem Jahr aufgrund zu geringer Nachfrage. Die Kita Momo öffnete ihre Tore gar nicht erst. Statt sich wie geplant in Liestal neu anzusiedeln, baute sie in Frenkendorf eine neue Kita auf. In Liestal gab es auf einmal zu viel Konkurrenz.

Auch die Kita Waldelfe gibt es nicht mehr. Sie lief zwar gut, das Familienunternehmen konnte allerdings die Nachfolge nicht regeln. So übernahm die Kindervilla vergangenen Sommer den Standort. Auch sie ist bereits wieder weg. Seit Mai steht dort die Magische Kinderwelt, die bis jetzt die Hälfte ihrer Plätze vergeben konnte. «Viele Eltern bekunden Interesse», erzählt Leiterin Angela Curto. «Sie können sich aber häufig gar keine Kita leisten.» Curto freut sich deshalb auf den Systemwechsel. Wenn Eltern direkt finanziell unterstützt würden, seien sicher auch die Plätze bald alle besetzt.

Weniger begeistert ist man von der Umstellung in der bisher einzigen subventionierten Kita Liestals. «Wir wissen nicht, wie viele Plätze künftig noch subventioniert sein werden und mit welchen Beträgen», berichtet Kurt Lirgg, Präsident des Tagesheims Sunnewirbel. Er hofft, Verbände oder Institutionen zu finden, die den Betrieb teilweise mitfinanzieren. «Wenn wir künftig weniger Unterstützung bekommen, müssen wir Leistungen abbauen.»