Die Zeit drängt: Bis Ende Juni muss der Verwaltungsrat des Kantonsspitals Baselland (KSBL) der Regierung eine Empfehlung unterbreiten, wie aus seiner Sicht die Zukunft des Spitals gesichert werden kann. Denn in einem sind sich alle einig: Nach dem Volks-Nein zur Fusion mit dem Universitätsspital Basel einfach weiterzumachen wie bisher geht nicht.

Das machte auch Interims-Verwaltungsratspräsidentin Madeleine Stöckli im bz-Interview vergangene Woche deutlich. «Wir scheuen uns nicht vor unpopulären Entscheiden», sagte sie – und bezeichnete einen Neubau auf grüner Wiese bei gleichzeitiger Schliessung der drei bestehenden Standorte Liestal, Bruderholz und Laufen als aus unternehmerischer Sicht am attraktivsten.

So weit dürfte es kaum kommen. Schon alleine, weil das KSBL einen solchen Neubau, der mutmasslich im Unterbaselbiet zu stehen kommen würde, unmöglich finanzieren könnte. Stöckli sagte denn auch, dass die interne Arbeitsgruppe vier Varianten vorangetrieben habe. Welche der Regierung empfohlen werde, sei noch nicht entschieden (siehe unten).

Verein erstmals öffentlich aktiv

Doch nun erhebt sich eine neue Stimme. Und es ist eine, die Verwaltungsrat und Spitalleitung nicht überhören können: jene der Kaderärzte. Recherchen der bz zeigen, dass der «Verein der leitenden Spitalärzte Baselland» (VLSBL) seit vergangenen Herbst wieder aktiv ist und just im Fusions-Abstimmungsmonat Februar rekonstituiert wurde.

Diese Kantonalsektion des Vereins der leitenden Spitalärzte Schweiz (VLSS) gibt es eigentlich schon seit 1998, doch schwankte die Aktivität beträchtlich. Wenn überhaupt, dann setzte sich der Verein am KSBL ausschliesslich intern für seine über 100 Mitglieder ein, meist in Lohn- oder Pensionskassenfragen. Öffentlich dagegen hat sich der VLSBL noch nie geäussert.

Auf Anfrage der bz bricht der Vereinsvorstand mit dieser Tradition. «Es geht um nichts weniger als die Zukunft unseres Spitals», sagt Niels Willi, stellvertretender Chefarzt der Pathologie am KSBL und Vereinspräsident. Für den Vorstand sei klar, dass nicht alles beim Alten bleiben könne. Daher begrüsst Willi explizit die deutlichen Worte von Stöckli: «Das rüttelt auf und zeigt den Ernst der Lage.» Im Fokus stehe für die Kaderärzte jetzt nicht wie noch vor der Fusionsabstimmung die Arbeitsplatzsicherheit, sondern die Einsicht, dass etwas Neues aufgebaut werden müsse.

Ohne Bruderholz geht es nicht

Die leitenden Ärzte wollen aktiv mitarbeiten – und dürfen das auch: Schon Ende März waren sie Teil eines Strategie-Workshops. In der Mitte April gegründeten Task Force des KSBL ist der Verein mit einer Person vertreten. Doch für welche der vier im Raum stehenden Varianten machen sich Willi und seine Kollegen stark? «Der Neubau auf der grünen Wiese wäre natürlich auch aus ärztlicher Sicht hochattraktiv», sagt er. Allerdings sei dieses Szenario wohl wenig realistisch.

Der Vorstand plädiere stattdessen für eine deutliche Stärkung des Standorts Liestal. «Wenn wir die interdisziplinäre Behandlung komplexer polymorbider Patienten in Liestal konzentrieren könnten, wäre das ein Alleinstellungsmerkmal», sagt Willi. Zumindest das Bruderholz würde dadurch aber nicht überflüssig. Schon alleine aus Kapazitätsgründen müssten andere Angebote weg von Liestal ausgelagert werden. «Auch wenn die Marke KSBL im Oberbaselbiet am besten funktioniert, können wir das Unterbaselbiet nicht einfach aufgeben», weiss Willi. Der Vorschlag der Kaderärzte ist also keine Strategie «Liestal only», sondern eher «Liestal first» und entspricht am ehesten Variante 4 der Task Force.

Vorteil dieser Zentralisierung sei laut Willi auch, dass Patienten weniger zwischen den Standorten wechseln müssten und auch zuweisende Ärzte mehr Klarheit hätten. Ob Spitalleitung und Verwaltungsrat auf ihre neu organisierten Kaderärzte hören, weiss Willi nicht. Aber: «Ich habe zumindest das Gefühl, dass man uns jetzt wahrnimmt.»