Wie bestellt legten die Bauarbeiter am Mittwoch wenige Minuten vor dem dritten bz-Stammtisch zur Rathausstrasse die ersten Steinbänder aus Tessiner Granit in den grauen Asphalt ein. Diese hellen Bänder signalisieren auf verspielte Art die Parzellengrenzen der Altstadthäuser an Liestals wichtigster Einkaufsmeile. Stadtrat Franz Kaufmann freute sich sichtlich: «Das gibt dem Ganzen etwas Edles». Und er ergänzte: «Ich bin auch erfreut über diese neue Weite an der Rathausstrasse. Es war für mich nicht vorstellbar, dass das Entfernen der Trottoirs so viel ausmacht.»

Auch die kursierenden Befürchtungen, dass es mit dem Bauende nicht pünktlich klappen könnte, brachten den Liestaler Bauchef am Stammtisch nicht aus der Ruhe: «Wir haben von Anfang an satt kalkuliert und sind im Fahrplan. Allerspätestens zur offiziellen Einweihung am 2. Dezember sind wir fertig.» Zu einer Herausforderung könne eigentlich nur noch der Einbau der Tragschicht und des Deckbelags werden, weil das nur bei Plus-Temperaturen ohne Regen möglich sei.

Parkleitsystem kommt definitiv

Kaufmann konnte auf entsprechende Fragen der eineinhalb Dutzend Stammtisch-Besucher auch noch Neuigkeiten bieten. So hat der Stadtrat am Dienstag einen Planungskredit für das sogenannte Elefantenbrückli vom Bahnhof über die Allee zum Stedtli verabschiedet. Der Einwohnerrat soll an seiner nächsten Sitzung darüber befinden. Im Weitern läuft derzeit laut Kaufmann eine Analyse zu einem Parkleitsystem rund ums Stedtli. Das Leitsystem werde definitiv 2018 oder 2019 eingeführt. Thomas Bretscher, der noch bis Ende nächstes Jahr vom Stadtrat ein Mandat als Stedtlientwickler hat und von den anwesenden Gewerblern viel Lob einheimsen konnte, ergänzte: «Eines steht fest: Liestal hat definitiv genügend Parkplätze.»

Bretscher sorgte auch rund um die druckfrische Allmendverordnung, die vor allem für die neue Rathausstrasse von Bedeutung ist, für Klarheit: Es werden keine Allmendgebühren und zumindest im nächsten Jahr auch keine Bewilligungsgebühren erhoben. Denn es sei wichtig, dass die Unternehmer auf der Rathausstrasse nun auch etwas machten.

Ein richtiges Feuerwerk an Events kündete Bretscher zu deren Eröffnung an. Für bz-Leser neu ist dabei, dass die ersten 800 Personen, die nach dem offiziellen Durchschneiden des Bandes um 9 Uhr morgens das Törli durchschreiten, zu einem Gratisfrühstück bei Rathausstrassen-Gastronomen eingeladen sind.

Wie bei einem kreativen Stammtisch üblich, wurden sofort auch zusätzliche Ideen für den 2. Dezember, der unter dem Motto «Goldener Samstag» steht, aus dem Hut gezaubert. Und siehe da, zwei alt Bäckermeister konnten Bretscher weiterhelfen. Sie versicherten ihm, dass man für diesen speziellen Tag sehr wohl Cremeschnitten mit einer goldenen Glasur herstellen könne.

«Kein Belag, keine Leute»

Der Apotheker Matthias Studer liess in die strapazierten Gewerbler-Seelen während der achtmonatigen Umbauzeit blicken. Vor allem in den Monaten Juli und August sei die Stimmung mit massiven Umsatzeinbrüchen im Keller gewesen. Studer brachte die damalige Situation auf den Nenner: «Kein Belag, keine Leute.» Erschwerend sei dann noch die vorübergehende Schliessung des Coop dazugekommen, was zeige, dass dieser noch immer der wichtigste Frequenzbringer im Stedtli sei. Beatrice Rieder, Betreiberin des «Herzlich» und damit Stammtisch-Gastgeberin, ergänzte, dass mit dem Belag auch die meisten Kunden wieder zurückgekommen seien.

Die jetzige Gemütslage im Gewerbe umschrieb Studer mit den Worten: «Es herrscht Aufbruchstimmung und es ist klar, dass wir etwas machen müssen. Aber natürlich gibt es auch die notorischen Jammerer.» Zur Aufbruchstimmung passte am Stammtisch jenes nicht mehr ganz junge Bubendörfer Paar, das zur allgemeinen Freude verkündete, dass es nach Liestal ziehe, weil sich dieses «so gemacht hat».