Gastgeber

Liestal ist nationale Genussstadt - und hat damit auch neue Pflichten

Lukas Kilcher, Lukas Ott und Tobias Eggimann (von links) stossen mit Liestaler Wein auf Liestal als Schweizer Genussstadt des Jahres 2016 an.

Lukas Kilcher, Lukas Ott und Tobias Eggimann (von links) stossen mit Liestaler Wein auf Liestal als Schweizer Genussstadt des Jahres 2016 an.

Liestal ist für ein Jahr nationaler Mittelpunkt einer regionalen, frischen Küche. Um der Auszeichnung als Schweizer Genussstadt des Jahres 2016 gerecht zu werden, wird das Stedtli monatlich mindestens einen Genuss-Anlass veranstalten.

Locarno, Moutier, Lausanne, Bellinzona, Luzern – so hiessen die Schweizer Genussstädte der letzten Jahre. Für 2016 hat nun das nationale Komitee, das jeweils für die herbstliche Genusswoche verantwortlich zeichnet, Liestal auf den Genussstadt-Schild gehoben. Ein Titel, der für Liestal nicht nur Würde, sondern auch Bürde ist. Denn die Genussstadt des Jahres nimmt nicht nur an der gesamtschweizerischen Genusswoche im September teil, wie es Liestal und das Baselbiet seit drei Jahren machen, sondern von ihr wird ein besonderer Effort in Sachen Förderung der regionalen, saisonalen und frischen Küche erwartet.

Liestals Stadtpräsident Lukas Ott, der zusammen mit Tobias Eggimann, Geschäftsführer von Baselland Tourismus, und Lukas Kilcher, Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain, das Organisationskomitee dieses besonderen Genussjahres bildet, meinte am Dienstag zum Startschuss: «Wir sind nicht alleine, sondern haben mit den Bauern, Produzenten, Verarbeitern, Metzgern, Winzern und Gastronomen starke Partner. Sie machen unser Potenzial aus, sie füllen die Schatztruhe mit ihren Produkten. Das hat auch das nationale Komitee überzeugt.»

Was heisst das nun konkret? Tobias Eggimann kündete ein Programm an, das bis im Herbst monatlich mindestens einen Genuss-Anlass bietet, wobei teilweise auch bereits bestehende Veranstaltungen ausgebaut werden. So kann man zum Beispiel an den beiden letzten Freitagabenden im Januar in sieben Restaurants auf der Wasserfallen Fondue essen (und Gondelbahn fahren), am Chienbäse-Umzug gibt es auf dem Liestaler Postplatz diverse Verpflegungsstände mit regionalen Produkten, von März bis Juni wird der Liestaler Bauernmarkt probeweise erweitert, um das Potenzial auf der Angebots- und Nachfrageseite für die Zukunft zu eruieren, und im August wird das traditionelle und jeweils innerhalb von Minuten ausverkaufte «Wy-Erläbnis» ausgebaut.

Das Hauptprogramm folgt dann im September mit dem «Abschluss-Event» am 25.9.: Die Liestaler Rathausstrasse wird vom Törli bis zum Regierungsgebäude zu einer langen Tafel für 700 Leute, an der Baselbieter Speisen serviert werden und «Viva Cello» für die musikalische Begleitung sorgt. Ott sprach von einem «Volksfest», das wie das ganze Angebot im Rahmen der Genussstadt Liestal «etwas Geerdetes und nichts Abgehobenes» sein soll.

Gastgeber-Rolle lebt wieder auf

Dass gerade Liestal Genussstadt wird, begründet Ott auch mit dessen Geschichte: Liestals Gastgeber-Rolle gehe auf die Zeit zurück, als der Nord-Süd-Transitverkehr zunahm. Liestal sei damals wichtiger Etappenort und Hüter der beiden Hauenstein-Übergänge gewesen und habe mehr als die eigene Bevölkerung unterbringen und verpflegen müssen. Davon zeugten die einst zahlreichen Bäckereien, Metzgereien und Gasthöfe. «Wir wollen diese Rolle jetzt wieder betonen», sagte Ott und fügte bei: «Ich bin stolz, in diesem Jahr Stadtpräsident der Schweizer Genussstadt zu sein.»

Auch der Ebenrain will seinen Beitrag zum Baselbieter «Genuss-Ausnahmezustand» leisten, wie Lukas Kilcher ankündete. Dazu gehört die Erarbeitung eines Buchs zu regionalen Produkten und Rezepten, das im Herbst präsentiert werde. Kilcher verwies darauf, dass das Baselbiet kulinarisch mit der restlichen Schweiz mehr als bloss mithalten könne und am letztjährigen Wettbewerb der Regionalprodukte in Delémont 13 Medaillen abholte. Der Ebenrain will künftig Baselbieter Produkte, die Gastronomie und Märkte, die die Kriterien bezüglich Herkunft und Qualität erfüllen, mit einer Dachmarke auszeichnen.

Am Informationsanlass am Dienstag im Liestaler Rathaus gab es aber auch einen Dämpfer: Zum abschliessenden Apéro war die Regierung in corpore angekündigt. Doch diese erachtete den Anlass, so war unter der Hand zu hören, als zu wenig wichtig, um teilzunehmen. Offiziell hat eine Terminkollision ihre Präsenz verhindert.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1