Es war eine aussergewöhnliche Sitzung des Liestaler Einwohnerrats gestern. Das begann mit der Sitzungsleitung: Vizepräsident Peter Küng (SP) übernahm das Zepter von Beginn weg, obwohl ihn das Parlament erst während der Sitzung mit einem Glanzresultat zum Präsidenten fürs nächste Amtsjahr ab Juli wählte (siehe unten). Notwendig wurde Küngs Frühstart, weil sich der scheidende Präsident Stefan Fraefel entschuldigen liess. Das erstaunte wenig, nachdem Fraefel als krankgeschriebener Staatsanwalt, aber weiter wirkender Einwohnerratspräsident in die Kritik geraten war.

Ebenfalls aus dem Raster der Normalität fiel die dringliche Resolution mit dem Titel «Liestal im Fernverkehr auf das Abstellgleis? Nicht mit uns!». Der Einwohnerrat setzte sie nicht nur kurzfristig einstimmig auf die Traktandenliste, sondern verabschiedete sie auch unisono. Somit erhalten Bundesrat, SBB sowie alle Bundesparlamentarier und Regierungsräte der Kantone Baselland, Basel-Stadt und Solothurn klar formulierte Post: Liestal will mit seinem Umfeld nicht in die bahntechnisch bedeutungslose Kategorie der kleinstädtischen Zentren versenkt werden, wie es das Bundesamt für Verkehr gemacht hat; sondern es will als Agglomeration mit mehr als 70'000 Einwohnern gelten, mit weiterhin stündlich mindestens drei Schnellzugshalten nach Zürich, Bern und Luzern.

Lob für Minusrechnung

Stadtpräsident Daniel Spinnler (FDP) bezeichnete die Resolution als «dringend nötig». Und er legte nach: «Eine Kantonshauptstadt braucht Fernverkehrsanschluss. Nördlich vom Jura gibt es nicht nur Basel, sondern auch die Agglomeration Liestal mit 80'000 Menschen.» Liestal dürfe nicht zum Provinzbahnhof degradiert werden, sondern brauche eigentlich halbstündliche Anschlüsse nach Zürich, Bern und Luzern, so Spinnler.

Einstimmig durchgewinkt wurde auch die Rechnung 2017, obwohl sie mit einem Minus von 3,5 Millionen weit über dem budgetierten Verlust von 600'000 Franken lag. Diego Stoll (SP) brachte die allgemeine Stimmung auf den Punkt: «Wir haben eine negative Rechnung und eine positive Würdigung. Der Grund: Das, was die Stadt beeinflussen kann, macht sie gut.» Kaum beeinflussbar seien die Sozialhilfeausgaben, von deren kantonalen Gesamtkosten Liestal 12,7 Prozent trage, merkte Spinnler an. Deshalb plädierten alle Redner von links bis rechts für einen gerechteren Ausgleich im Kanton.