CO2-Reduktion

Liestal sucht noch vergeblich nach dem CO2-Killer

Der Verkehr ist auch in Liestal eine der grossen CO2-Schleudern; mehrere kleinere Massnahmen sollen Misere verbessern.

Der Verkehr ist auch in Liestal eine der grossen CO2-Schleudern; mehrere kleinere Massnahmen sollen Misere verbessern.

Den Klimanotstand auszurufen, fiel dem Einwohnerrat im Februar leicht. Doch mit Massnahmen dagegen zu halten, ist weit schwieriger. Das hat eine Podiumsdiskussion mit Politikern und Fachleuten gezeigt. Vorreiter in Sachen CO2-Reduktion ist auf dem Platz Liestal die Elektra Baselland.

Im Februar preschte Liestal vor. Als eine der ersten Städte weltweit und als bisher einzige Baselbieter Gemeinde rief der Kantonshauptort den Klimanotstand aus, indem das Ortsparlament eine entsprechende Resolution verabschiedete. Am Mittwochabend folgte nun sozusagen die Basisarbeit: An einem von den Grünen organisierten Podium in der restlos besetzten Kantonsbibliothek tasteten sich Fachleute und grüne Politiker an die klimarelevanten Handlungsfelder heran, die Liestal überhaupt hat.

Was der Wissenschaftsjournalist, Buchautor und Vater der Gletscher-Initiative, Marcel Hänggi, der Runde in seinem Eingangsreferat mit auf den Weg gab, zeichnete sich in der Diskussion klar ab. Hänggi sagte: «Die Lösung der Klimakrise ist einfach: Es dürfen vorne keine fossilen Brennstoffe – Kohle, Öl und Erdgas – auf den Markt gelangen, damit hinten kein CO2 in die Luft geht. Doch der Weg dazu ist nicht leicht, sondern eine grosse Herausforderung.»

Für handlungswillige Gemeinden wirkt im Baselbiet zudem erschwerend, dass ihnen der zentralisierte Kanton wenig Spielraum lässt. Daran bissen sich auch die Podiumsteilnehmer die Zähne aus. Zwar fehlte es nicht an Vorschlägen, doch folgte oft ein Aber auf dem Fuss.

Aufgezäumt wurde die Diskussion am Verkehr. Die Liestaler Stadträtin Marie-Theres Beeler verwies auf den gut ausgebauten öV in und um Liestal, der mit dem SBB-Vierspurausbau und damit dem Viertelstunden-Takt nach Basel noch besser werde. Gleichzeitig fördere Liestal den Veloverkehr und baue trotzt knapper Finanzen einen neuen Velobahnhof und durchgehende Veloverbindungen rund um den Bahnhof. Auch könne Liestal im nächsten Jahr an der Urne über einen Ortsbus in schlecht erschlossene Quartiere abstimmen. Beelers Fazit: «Das sind kleine Ansätze, aber in Liestal kann man ohne Auto leben.»

Elektra Baselland ist in Liestal Vorreiterin

Heute tun es die Wenigsten, wie man sich tagtäglich auf Liestals Strassen überzeugen kann. Auf die Frage nach weiterem Reduktionspotenzial beim Verkehr meinte Thomas
Noack: «Es gibt keine Patentlösung, aber Ansätze.» Noack, der in Liestal wegen seiner Doppelfunktion – der SP-Landrat leitet im Kantonsparlament die Umweltschutz- und Energiekommission und in Liestal das Stadtbauamt – eine Art Klima-Schlüsselperson ist, verwies auf die diversen Überbauungen in Bahnhofsnähe. Dort brauche es kein Auto mehr. Das Einschränkende: Trotzdem verlange der Kanton eine Mindestparkplatzzahl pro Wohnung. Etwas Spielraum habe Liestal nur bei Quartierplänen.

Abseits des Verkehrs gab es auch kreative Vorschläge zur Reduktion des CO2-Ausstosses. So forderte Marie Claire Graf als Vertreterin der Klimajugend: «Die Werbung sagt mir andauernd, was ich auf der Welt noch sehen muss. Liestal soll die Plakatflächen anders nutzen. Denn es braucht einen Bewusstseinswandel.» Aber: Offen blieb, welchen Spielraum die Stadt hier hat. Und aus dem Publikum kam die Anregung, dass die Grossverteiler auf ihre Produkte eine «CO2-Ampel» drucken sollten. Nur: Hier hat Liestal keinen Einfluss.

Im Energiebereich schlug der Grünen-Präsident Balint Csontos vor, bei Neubauten Anforderungen im Zonenreglement wie Anschluss ans Fernwärmenetz und Passivhäuser festzuschreiben. Man habe schon bei mehreren Quartierplan-Überbauungen Energievorschriften gemacht, sagte Noack. Und er verwies auf jene Massnahme, die in Liestal die grösste CO2-Einsparung bringe: Die Elektra Baselland stellt ihr Fernwärmenetz auf Holzschnitzel um.

Bezeichnend, dass ein nicht behördlicher Player die Nase vorne hat. Denn der Stadtrat sucht noch nach den zweckmässigsten Massnahmen und hat deshalb 20'000 Franken für externe Beratung ins Budget gestellt.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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