Asylquote

Liestal zweifelt, dass der Kanton die Flüchtlinge gerecht verteilt

Flüchtlingskinder in einem Heim für Asylbewerber (Archiv)

Flüchtlingskinder in einem Heim für Asylbewerber (Archiv)

Die Frage, wer wie viele Flüchtlinge aufnimmt, könnte aktueller kaum sein. Liestal verlangte in einem Brief an den Kanton letzte Woche die Offenlegung, wer die Quote erreiche und wer nicht.

Durch die Flüchtlingskrise werden die kantonalen und kommunalen Aufnahmequoten stärker ausgereizt. Baselland muss 3,7 Prozent der Flüchtlinge, die in die Schweiz kommen, aufnehmen. Aktuell sind dies rund 1750, wie Asylkoordinator Rolf Rossi auf Anfrage sagt. Innerkantonal besteht die Regel, dass die 86 Gemeinden bei Bedarf Asyl-Betten für bis zu 0,8 Prozent ihrer Bevölkerungszahl bereitstellen müssen.

In ruhigen Zeiten muss diese Quote nie ausgeschöpft werden. Selbst jetzt beträgt die kantonale Durchschnittsquote nur 0,625 Prozent. Rechnet man noch die 200 Flüchtlinge dazu, die vom Bund in Allschwil und Arlesheim platziert wurden, läge die Quote bei 0,71 Prozent. In Liestal, das selbst eine Quote von 0,78 Prozent erreicht, bestehen nun Zweifel, dass der Kanton die Flüchtlinge gleichmässig verteilt. Wie die «Basler Zeitung» berichtet, verlangte Liestal deshalb in einem Brief an den Kanton letzte Woche die Offenlegung, wer die Quote erreiche und wer nicht. Bis jetzt informierte das Baselbieter Sozialamt nämlich nie umfassend über die Quoten aller Gemeinden.

«Wir wollen unseren Beitrag leisten und uns nicht vor unserer Pflicht drücken», sagt Liestals Stadtpräsident Lukas Ott zur bz, «aber es geht darum, dass dies andere Gemeinden nicht einfach tun können.» Die Erklärung Rossis in der «BaZ», dass eine tagesaktuelle Statistik der Quoten nicht aussagekräftig wäre, da sie mit jeder Flüchtlingsfamilie, die aufgenommen werde oder wieder aus dem System falle, stark schwanke, befriedigt Ott nicht. «Man könnte ja auch einen Mittelwert übers Jahr erfassen», sagt er zur bz.

Doch auch hier hat Rossi Vorbehalte: «Trotzdem müsste man die Zahlen an einem Stichtag erheben.» Und alternativ eine Auslastungsstatistik nach Beherbergungstagen für jede Gemeinde zu erfassen, wäre sehr aufwendig. Rossi erinnert Ott zudem daran, dass es im Interesse Liestals sei, wenn ihr Wohnheim ausgelastet ist. Sonst könnte die Gemeinde die Fixkosten kaum decken.

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