Unklarheit ab 2022

Liestaler Bürgerrat tritt bei Deponie Höli auf Bremse: Nur noch begrenzte Anlieferungsmenge

Spätestens Anfang 2022 ist die Deponie Höli in Liestal voll. Dann beginnt das Warten auf «Höli plus». (Archivbild)

Spätestens Anfang 2022 ist die Deponie Höli in Liestal voll. Dann beginnt das Warten auf «Höli plus». (Archivbild)

Die Anlieferungsmenge wird begrenzt, die Gebühren werden erhöht. Trotzdem tut sich ab 2022 ein Vakuum auf, bis «Höli plus» bereit ist.

Nach der denkwürdigen Wahlschlappe für den Liestaler Bürgerrat im letzten Februar wirkt seit Juli ein fast rundum erneuertes Gremium. Dessen Handschrift wird jetzt bei der Deponie Höli, bei der die Bürgergemeinde Liestal Mehrheitsaktionärin ist, erstmals erkennbar: Im September verfügten die Höli-Betreiber ein Novum in ihrer Deponiegeschichte – die Anlieferungsmenge wurde begrenzt. In diesem Jahr werden maximal 700'000, im nächsten maximal 650'000 Tonnen Deponiematerial angenommen.

Das tönt zwar im Vergleich zu der 2019 deponierten Menge von 715'000 Tonnen nach einem bescheidenen Bremsmanöver, doch der neue Bürgergemeindepräsident Franz Kaufmann sagt: «Es deutete alles darauf hin, dass wir in diesem Jahr wieder Richtung Rekordjahr 2016 mit 850'000 Tonnen gesteuert wären. Deshalb beschlossen wir, die Menge zu deckeln.» Die Limite von 700'000 Tonnen dürfte laut Kaufmann Anfang November erreicht sein. Danach sei die Höli für den Rest des Jahres geschlossen.

Der Griff zur Bremse erfolgt viel zu spät

Gleichzeitig hat der Höli-Verwaltungsrat beschlossen, ab nächstem Jahr die Deponiegebühren von 40 auf 45 Franken pro Tonne anzuheben. Kaufmann: «So versuchen wir ebenfalls, Einfluss auf die Befüllung zu nehmen.» Der Griff zur Bremse kommt allerdings viel zu spät: Die 2010 eröffnete Deponie Höli wird ein Vierteljahrhundert früher aufgefüllt sein als im Bewilligungsverfahren und auch gegenüber der Öffentlichkeit in Aussicht gestellt worden ist. Kaufmann schätzt, dass die Höli spätestens Anfang 2022 voll sein wird.

Damit wird auch der nahtlose Weiterbetrieb in der sogenannten «Höli plus», das heisst in der von der Bürgergemeindeversammlung 2017 abgesegneten Deponieerweiterung, nicht möglich sein. Die erste Etappe der Erweiterung stehe «im günstigsten Fall» 2023 bereit, so Kaufmann. Der Fahrplan hänge auch davon ab, ob gegen die notwendige Zonenplanänderung das Referendum ergriffen werde und ob es zu Einsprachen komme. Beim Erweiterungsprozess reden auch die Stadt Liestal und der Kanton ein Wörtchen mit.

Höli-Debakel hat offenbar Lerneffekt

Eines steht aber für Kaufmann schon heute fest: «Wir wollen mit dem neuen Deponieraum sorgfältiger umgehen.» Auch andere Player haben aus dem Höli-Debakel gelernt. So will der Kanton zusammen mit der Bauwirtschaft im November über die aufgegleiste Recyclingstrategie informieren. Je wirkungsvoller die ist, desto länger geht es, bis die erweiterte Höli und die anderen regionalen Deponien gefüllt sein werden.

Ebenfalls im November will der Liestaler Bürgerrat über die Details von «Höli plus» orientieren. Dies ist auch der Grund, dass Kaufmann im jetzigen Zeitpunkt nicht mehr dazu sagen will.

Landrat liebäugelt mit Kantonsbeteiligung

Dass der Liestaler Bürgerrat bei der Auffüllung der Höli auf die Bremse steht, löst aber nicht nur Zustimmung aus. So hat CVP-Landrat Simon Oberbeck letzte Woche eine Interpellation mit kritischen Fragen im Parlament eingereicht. Ihm stösst auf, dass seit der Mengenbegrenzung im September nur noch Höli-Aktionäre Bauschutt anliefern dürfen. Oberbeck will deshalb von der Regierung wissen, ob damit noch alle Bauunternehmer gleich lange Spiesse hätten. Und er befürchtet «deutlich höhere» Transportdistanzen, weil die Anlieferer zu ausserregionalen Deponien ausweichen müssten.

Oberbeck, der sich schon mit dem Vorschlag eines «Deponie-Fünflibers» zugunsten von Recycling-Lösungen hervor getan hat, bringt auch ins Spiel, was die heutigen Höli-Aktionäre – nebst der Bürgergemeinde drei Firmen aus der Baubranche – nicht gerne hören dürften: Er will von der Regierung wissen, ob der Kanton bei der «Höli plus» nicht Direktbeteiligter werden könne.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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