Am Mittwochabend war beim Pingpong-Spiel um den Quartierplan Corso (QP) mit neuem Bahnhof, Bürogebäude und Hochhaus das Liestaler Ortsparlament am Zug. Und es schlug den Ball, den ihm die Opponenten mit einer öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung vor einer Woche servierten, vehement zurück: Alle Partei- und Einzelsprecher äusserten sich unisono für den QP. Wobei die Vertreter von SP und Grünen durchblicken liessen, dass in ihren Fraktionen keine Einheitsmeinung herrscht. Wie die Mehrheitsverhältnisse im Detail aussehen, wird die entscheidende zweite Lesung Ende Juni zeigen. Aber die gestrige erste Lesung liess keinen Zweifel offen, dass der QP inklusive Zusatzanträge der vorberatenden Bau- und Planungskommission (BPK) das Ortsparlament komfortabel passieren wird.

BPK-Präsident Thomas Eugster (FDP), der viel Lob für den Kommissionsbericht einheimsen konnte, begründete vor der Debatte die Anträge nochmals: «Wir verlangen im QP-Reglement einen Architekturwettbewerb auch für das Hochhaus, weil wir eine möglichst hohe Qualität für den Bau wollen.» Mit den zusätzlich im QP verlangten 45 oberirdischen Parkplätzen wolle die BPK die Differenz verkleinern, die durch den Wegfall der heutigen 300 Parkplätze im Bahnhofsgebiet entstehen; neu sind inklusive BPK-Antrag 257 vorgesehen. Die Differenz sei zwar immer noch gross, doch nehme die Nachfrage nach Parkplätzen mit der Verbesserung des öV ab, argumentierte Eugster.

Der traurige Blick nach Pratteln

Und mit ihrem Antrag zu verschärften Energievorschriften wolle die BPK das Hochhaus auch in diesem Bereich zu einem Bauwerk mit «Leuchtturmeffekt» machen. Eugster: «Die BPK begrüsst, dass das alte Bahnhofgebäude endlich durch moderne Bauten ersetzt wird, die mit ihren Dienstleistungsflächen an bester Lage eine Chance für das bestehende und das neue Gewerbe sind.» Dabei stehe das Hochhaus in gebührendem Abstand zum Stedtli und beeinträchtige das historische Stadtbild nicht.

Den Lobgesang, den Eugster anstimmte, nahmen alle Redner mit Nuancen auf. So sprach Patrick Mägli (SP) von einer «einmaligen Chance». Der QP sorge dafür, dass Liestal einen zeitgemässen Bahnhof erhalte, während der heutige nichts Besonderes sei. Das Hochhaus vertrage es an diesem Ort. Mit seinen 57 Metern sei es kein Turm, sondern ein grosser Bau, wie man ihn auch andernorts im Kanton antreffen könne. Stefan Fraefel (Mitte-Fraktion) meinte gar: «Ich bin traurig, wenn ich an das Bahnhofgebiet von Pratteln denke: Es sieht mit seinen Hochhäusern heute viel besser aus als Liestal.»

Meret Franke (Grüne) rückte den Bahnhof in den Vordergrund: «Wir wollen einen neuen Bahnhof; mit dem Hochhaus sind nicht alle glücklich.» Der moderne, «tolle» Bahnhof sei passend zur Kantonshauptstadt, wo täglich 18'000 Personen umstiegen. Pascal Porchet (FDP) bezeichnete die neuen Bahnhofsgebäude als «Dessert» der laufenden Entwicklung Liestals. Porchet: «Dass Liestal jetzt im Fokus der SBB steht, finde ich grossartig» Und mit einem kleinen Seitenhieb an die Opponenten, die alles infrage stellten und Unsicherheit erzeugten: «Wenn wir nun ansatzmässig schwierig tun, sind wir vielleicht bald nicht mehr im Fokus.»

Und Sonja Niederhauser (Mitte-Fraktion) hob die geplante Verkehrserschliessung des Bahnhofs mit einer neuen Zufahrtstrasse vom Kreuzboden her hervor, was auch die Kantonalbank-Kreuzung entlaste. Niemand aber sah den Bahnhof als Konkurrenz zum Stedtli. Auch KMU Liestal nicht, wie Vreni Büchi (FDP) ergänzte. Sie forderte jedoch eine gute Anbindung des Bahnhofgebiets ans Stedtli.

Die grosse Zustimmung ging Stadtrat Franz Kaufmann (SP) ans Herz: «Ich bin berührt von den Voten und der Tiefe, mit der sich der Einwohnerrat mit dem QP auseinandergesetzt hat.» Für ihn ist der neue Bahnhof der Abschluss einer langen Etappe, die einst mit dem Bau des UNO-Gebäudes begonnen hat. Und Kaufmann setzte sich auch für die von den Opponenten gescholtenen SBB ein: «Sie sind ein fairer, verlässlicher Partner.»