Gemeindewahlen 2020

Liestaler Stadtratswahlen: Zwei Leichtgewichte steigen in den Ring

Bei den Liestaler Stadtratswahlen bewerben sich sechs Kandidaten für fünf Sitze; die vier Bisherigen sind gesetzt.

So viel gilt bei den Liestaler Stadtratswahlen als sicher: Die vier bisherigen und wieder antretenden Regierungsmitglieder können dem 9. Februar entspannt entgegensehen. Denn alles andere als eine komfortable Wiederwahl von Marie-Theres Beeler (Grüne), Daniel Muri (parteilos), Regula Nebiker (SP) und Präsident Daniel Spinnler (FDP) wäre eine riesige Überraschung.

Zu wenig bekannt und politisch zu wenig gewichtig sind die beiden neuen Kandidaten Lukas Felix (SP) und Daniela Reichenstein (FDP), dass sie einen Bisherigen verdrängen könnten. Sie werden vielmehr den frei werdenden Platz von Vizepräsident Franz Kaufmann (SP) unter sich ausmachen – und das mit völlig offenem Ausgang.

Politisch Unerfahrener gegen politisch Unauffällige

Beide haben ihre Stärken und Schwächen. Felix hat mit seinen 34 Lenzen das Moment des Newcomers auf seiner Seite, der als altgedienter Pfadi stimmlich unter den Jüngeren absahnen dürfte. Auch beruflich kann der Vater einer dreijährigen Tochter trumpfen: Der promovierte Chemiker mit Zusatzausbildung als Umweltmanager gehört der Geschäftsleitung einer 30-köpfigen Beratungsfirma in den Bereichen Umweltschutz und Arbeitssicherheit an. Politisch jedoch kommt Felix schmalbrüstig daher. Sein Leistungsausweis: Er sitzt seit einem Jahr in der Sozialhilfebehörde. Der SP ist der Stadtratskandidat vor fünf Jahren im Zusammenhang mit der Masseneinwanderungsinitiative beigetreten. Er entschied sich für diese Partei, «weil dort die sozialen und ökologischen Probleme zusammen betrachtet werden».

Reichenstein tönt formell nach einem politischen Schwergewicht: Sie ist nach nur drei Jahren im Einwohnerrat 2018 zur FDP-Fraktionspräsidentin aufgestiegen. Nur merkt der regelmässige Zaungast wenig davon, weil Reichenstein im Rat zur Gruppe der Unscheinbaren gehört. Voten und Vorstösse von ihr haben Seltenheitswert. Nach dem Grund befragt, sagt die 51-Jährige: «Es ist so viel in Bewegung in Liestal, es braucht etwas Ruhe in der Politik.» Zudem seien in den letzten Monaten Kommissionsgeschäfte behandelt worden, mit denen sie nicht so viele Berührungspunkte habe.

Reichenstein selbst sitzt in der Sozial-, Bildungs- und Kulturkommission. Beruflich arbeitete die ausgebildete Personalleiterin in den vergangenen Jahren in der Personalführung von zwei grösseren Firmen. Seit letztem Herbst sei sie in einem Sabbatical, habe freiberuflich mehrere Mandate und konzentriere sich auf ihre Stadtratskandidatur. Und wieso ist sie bei den Freisinnigen? «Schon mein Vater und Grossvater waren bei der FDP. Die Diskussionen am Familientisch haben mich politisch geprägt.»

Daniel Muri könnte zum grossen Gewinner werden

In der Frage, die den Einwohnerrat in den letzten Jahren beschäftigt hat wie keine andere, unterscheiden sich Felix und Reichenstein deutlich – bei den Parkplätzen. Sie: «Liestal entwickelt sich weiter. Und auch wenn es in Zukunft neue Mobilitätskonzepte geben wird, brauchen wir genügend Parkplätze – auch oberirdische wie am Fischmarkt. Das ist wichtig für die KMU.» Er: «Die heutige Zahl genügt. Für jeden neuen Unterirdischen sollte ein Oberirdischer verschwinden. Denn die Allmend wie der Fischmarkt sind zu schade für Parkplätze.»

Der nächste absehbare Kampfplatz ist die neu zu gestaltende Allee. Er: «Sie ist wichtig als Grünfläche in Zentrumsnähe. Es braucht dort keine Parkplätze mehr, weil die Stadt Ersatz im neuen Parkhaus Rebgarten geschaffen hat.» Sie: «Es braucht auch in der neuen Allee Parkplätze. Alle aufzuheben wäre weder bürger- noch gewerbefreundlich.» Beide begrüssen das schon lange angekündigte Parkleitsystem, um den Suchverkehr einzuschränken.

Wird Felix gewählt, bleibt im Stadtrat bezüglich Mehrheitsverhältnisse alles beim Alten. Wird Reichenstein gewählt, entsteht eine Pattsituation mit zwei Bürgerlichen und zwei Links-Grünen. Das würde die Position des Fünften wesentlich stärken: Daniel Muri würde als Parteiloser, der sich keinem Lager zuteilen lässt, zum Zünglein an der Liestaler Waage.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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