Ab September haben viele Mitarbeiter von Liestaler Unternehmen ohne eigenen Firmenparkplatz ein Problem: Der günstigste Grossparkplatz von Liestal mit über 200 Plätzen fällt weg.

Die Grundeigentümerin Ergolz Immobilien hat den Vertrag mit der Stadt Liestal, der Hauptmieterin des ehemaligen Areals der Maschinenfabrik Konrad Peter, per Ende August gekündigt. Grund dafür ist, dass demnächst auf dem 11'800 Quadratmeter grossen Grundstück der Quartierplan Aurisa umgesetzt wird.

Dieser besteht aus zwei grossen Gebäuden mit insgesamt 106 Wohnungen – 62 zur Miete, 44 als Eigentum – sowie sechs Einheiten für Gewerbe und Dienstleistungen. Das Gesamtinvestitionsvolumen betrage rund 70 Millionen Franken, sagt Co-Projektleiter Matthias Brede vom Büro Vogel Architekten in Rheinfelden.

Zwischennutzung aus Parkplatz-Not entstanden

Doch bevor gebaut werden kann, muss eine Altlastensanierung durchgeführt werden. Das Gebiet sei im kantonalen Altlasten-Kataster aufgeführt, kürzlich seien Bodensondierungen vorgenommen worden, sagt Brede. Er rechnet damit, dass bis im Herbst die definitive Baubewilligung vorliegt und die Altlastensanierung bis Ende Jahr abgeschlossen ist. Brede kündet an: «Wenn der Fahrplan so eingehalten werden kann, werden wir Anfang 2020 mit den Bauarbeiten beginnen. Die Wohnungen wären dann Ende 2021 bezugsbereit.»

Die Stadt Liestal hat den jetzt auslaufenden Vertrag für eine Zwischennutzung des brachliegenden Areals 1998 abgeschlossen. Damals herrschte im Kantonshauptort noch ein Parkplatzmangel.

Doch mittlerweile wurden diverse neue Parkhäuser gebaut, die längst nicht alle ausgelastet sind. Aber eben: Eine Monatskarte in einem solchen Parkhaus kostet bis zum Dreifachen eines Open-Air-Parkplatzes auf dem ehemaligen Konrad Peter-Areal. Dort war ein Parkplatz ab 50 Franken pro Monat zu haben.

«Wer in Liestal arbeitet, kann mit öV kommen»

Die meisten Mieter seien Leute von auswärts, die in Liestal arbeiteten, sagt Daniel Christen, Abteilungsleiter Hochbau bei der Stadt. Gegenwärtig liefen noch 124 der einst rund 200 Mietverhältnisse. Das heisst, 80 haben mittlerweile eine andere Parkierlösung gefunden.

Wiederholt waren die wegfallenden Parkplätze ein Thema im Liestaler Einwohnerrat, letztmals Ende Juni. Damals wollte Vreni Büchi (FDP) per Interpellation wissen, ob es in der Umgebung die Möglichkeit gebe, neue günstige Parkplätze für Arbeitnehmer zu schaffen. Stadtrat Franz Kaufmann winkte ab. Weder gebe es ein entsprechendes Areal noch habe der Stadtrat das Geld dafür. Diesbezüglich stünden die Arbeitgeber in der Pflicht.

Und Kaufmann doppelt gegenüber der bz nach. Die Stadt habe sich für die Zwischennutzung engagiert, doch daraus nun einen Anspruch abzuleiten, gehe nicht. Und an die Adresse der Billig-Parkplatz-Sucher sagt Kaufmann: «Liestal ist mit dem öffentlichen Verkehrsmittel super erreichbar. Wenn jemand hier arbeitet, kann er mit dem öV kommen.»

Die Firma Konrad Peter war übrigens mit ihren fast weltweit vertriebenen Schneefräsen einst ein industrielles Aushängeschild von Liestal.