Nanosurf

Life Science wird immer wichtiger und damit auch Liestal

Was ist Nanotechnologie? Und was überhaupt macht Nanosurf, die Liestaler Firma, die in ebendiesem Gebiet tätig ist? Kommen Sie mit PWC und der bz auf Betriebsbesuch bei Nanosurf.

Nanosurf stellt sogenannte Rasterkraftmikroskope her, das sind Mikroskope, die nicht optisch funktionieren, sondern Oberflächen abtasten – eine Art Plattenspieler für Materialien, für Atome. Dieser winzige Abtastmechanismus wird dann auf den Bildschirm übertragen. Die Geräte werden zu 95 Prozent an Unis und öffentliche Forschungslaboratorien geliefert, sagte Firmenchef Urs Matter gestern Abend anlässlich einer Besichtigung und eines Gesprächs («GesichtsPunkte»). Die Industrie braucht Nanosurf-Produkte für die Materialkontrolle, beispielsweise um die Oberfläche von Kugelschreiber-Kügelchen zu prüfen.

Immer wichtiger wird der Gesundheitsbereich, sagt Matter. Innerhalb von wenigen Jahren macht die Firma im Life Sciencebereich 30 bis 40 Prozent des Umsatzes, und dieser Anteil werde bis in zwei Jahren auf 50 Prozent steigen, sagt Matter. Derzeit ist man in Liestal daran, das Gerät für die Erkennung von Brustkrebszellen weiter zu entwickeln, wie am Rundgang zu erfahren war.

Was sind die Standortvorteile der Schweiz, wollte bz-Chefredaktor Matthias Zehnder von Urs Matter wissen. «Die Nähe zu den Unis und Spitalern, die kurzen Wege, die direkten Kontakte, die lokalen Produzenten». Aber: In Boston beispielsweise würden die Grundlagenerfindungen viel rascher umgesetzt als in der Schweiz – nach dem Motto: «From the Bench to bedside», von der Werkbank zum Bett. «Hier haben wir noch Potenzial.» Und ausserdem sei der Unternehmergeist im Vergleich zu den USA in der Schweiz noch ziemlich unterentwickelt. Viele ziehen eine vergleichsweise risikolose Anstellung in einer Grossfirma vor. Allerdings habe sich die Situation verbessert, räumt er ein. Die Firma laufe gut, dies trotz hohem Schweizerfranken. «Wir müssen einfach 15 bis 25 Prozent effizienter Forschen». Wirklich Kummer macht ihm die Masseneinwanderungsinitiative. «Ich weiss nicht, wie das funktionieren soll. Ich finde das extrem beunruhigend. Unsere Leute kommen aus der ganzen Welt.» Vielleicht werden Arbeitsplätze in Deutschland aufgebaut.

Nanosurf will auf Platz drei

Weltweit ist Nanosurf mit seinen Spezialmikroskopen auf Platz sieben, nach Firmen in den USA, Korea, Russland und Deutschland. «Wir wollen in fünf bis sieben Jahren auf Platz drei vorrücken», sagt Matter.

Der Standort Liestal ist historisch bedingt, die Gründer kommen aus Liestal und haben in einer Garage begonnen. Innerhalb von Europa ist der relativ liberale Arbeitsmarkt ein grosser Vorteil. Die Schweiz hat als Arbeitsort und als Wohnraum einen sehr guten Ruf.

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