Sissach

Lobbyisten sollen 4 Millionen am Ausbau der «Kunsti» zahlen

Wie es mit der Sissacher Kunsteisbahn weitergeht, entscheidet morgen die Gemeindeversammlung. (Archiv)

Wie es mit der Sissacher Kunsteisbahn weitergeht, entscheidet morgen die Gemeindeversammlung. (Archiv)

Am Dienstag entscheidet die Sissacher Gemeindeversammlung über den 8,7-Millionen-Kredit für die neue Eishalle. Im Antrag ist jedoch die Bedingung vermerkt, dass davon 4 Millionen von Kanton, Gewerbe oder privaten Sponsoren zugesichert werden müssen.

An der Gemeindeversammlung, die morgen Dienstag in Sissach stattfindet, entscheiden die Einwohnerinnen und Einwohner über den vom Gemeinderat beantragten 8,7-Millionen-Kredit für die Totalsanierung der Kunsteisbahn. Diese musste 2012 wegen des einsturzgefährdeten Dachs vorübergehend dichtmachen. Der Gemeinderat entschied sich unter verschiedenen Möglichkeiten für den Ausbau zu einer klimatisierten Halle (die bz berichtete).

Im Antrag, über den morgen entschieden wird, ist allerdings eine Bedingung vermerkt: Von den 8,7 Millionen Franken müssen mindestens 4 Millionen von Dritten zugesichert werden: Das können Nachbargemeinden, der Kanton, Gewerbe oder private Sponsoren sein. Um die Kunsteisbahn für weitere Generationen zu erhalten, muss also noch sehr viel Geld gesammelt werden.

Sponsoren gesucht

Zu diesem Zweck wird ein Patronatskomitee ins Leben gerufen. Das Komitee verfolgt das Ziel, die nötigen Gelder über Sponsoren zu sammeln, privat oder aus dem Gewerbe. Die Mitglieder des Komitees sollen private Persönlichkeiten sein und solche aus Politik, Wirtschaft und Sport.
Gemeinderat Daniel Stocker ist zurzeit daran, das Patronatskomitee mit geeigneten Personen zu besetzen: «Es kommt darauf an, dass jeweils die richtigen Leute miteinander sprechen», sagt er. Wer das sein könnte, möchte Stocker nicht preisgeben, bevor das Komitee zustande gekommen ist. «Wir haben bereits einige Zusagen. Nun warten wir die Gemeindeversammlung ab, und im Lauf dieser Woche kann es losgehen.»

Kein Geld von der Kantonalbank

Auf der Suche nach möglichen Sponsoren könnte man an ein Unternehmen denken, das schon seit Jahren den Eishockey-Club (EHC) Zunzgen-Sissach finanziell unterstützt: die Georg Fischer JRG AG, ehemals JRG Gunzenhauser AG. Beat Schaub, Mitglied der Geschäftsleitung, war selbst langjähriger Torhüter und ist Ehrenmitglied des Eishockey-Vereins. Er hoffe von Herzen, dass die benötigten Gelder zur Totalsanierung der Halle gesammelt werden können. Ob sich die Georg Fischer JRG AG auch an der Eishalle finanziell beteiligen würde, darüber kann Schaub derzeit nichts sagen.

Dennoch: Die vom Gemeinderat angestrebten vier Millionen seien zwar ein sportliches, aber kein unerreichbares Ziel, findet Schaub. «Es ist faszinierend, dass sich Leute finden und ein Patronatskomitee gründen. Ich bin mir sicher: Diese Leute geben alles. Und somit ist auch alles möglich.» Schaub sieht Chancen aber eher bei kleineren lokalen Unternehmen. «Bei den grossen Konzernen ringt man zurzeit um jeden Franken», sagt er. Erschwerend komme hinzu, dass die meisten grossen Firmen ihr Budget für das nächste Jahr wohl bereits verabschiedet hätten.

Auch auf die Basellandschaftliche Kantonalbank BLKB wird das Patronatskomitee der Sissacher Eishalle nicht zählen können. Beat Oberlin, Präsident der Geschäftsleitung der BLKB, sagt: «Irgendwelche Bauwerke zu unterstützen, ist nicht unser Thema. Wir investieren nicht in Infrastruktur, sondern unterstützen Aktivitäten und Leistungen von Menschen.»

Von regionaler Bedeutung

Erschwerend kommt hinzu, dass der Kanton weniger Geld spricht als erwartet. Anstatt der erhofften Million gibt es lediglich 750 000 Franken aus dem Swisslos-Sportfonds. Es bleibt also abzuwarten, wie überzeugend das Patronatskomitee um den Sissacher Gemeinderat Daniel Stocker gegenüber möglichen Sponsoren auftritt.

Die Kunsteisbahn in Sissach ist einer von nur vier Standorten in der Region, wo man Eissport betreiben kann und somit von grosser Bedeutung. Aus diesem Grund hofft man auch auf die finanzielle Beteiligung von Nachbargemeinden. Wie hoch diese aber ausfallen wird, ist noch nicht klar. Der für die Finanzen zuständige Gemeinderat Lars Mazzucchelli rechnet mit zwei Millionen Franken von den umliegenden Kommunen.

Kosten besser einschätzen

Drei Sissacher Einwohner sind indessen skeptisch, dass die 8,7 Millionen für das neue Projekt überhaupt ausreichen. Aus diesem Grund wollen sie an der Gemeindeversammlung von morgen Abend einen Änderungsantrag stellen.Dem Stimmvolk soll zuerst ein Planungskredit von 400 000 Franken vorgelegt werden. Damit könnte man dann Offerten von Unternehmern für die wichtigsten Massnahmen der Sanierung vorab einholen und die Kosten besser einschätzen.

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