In der Kasse der römisch-katholischen Kirchgemeinde von Grellingen sowie der CVP Baselland fehlt Geld, insgesamt gegen eine halbe Million Franken. Deren Kassierin soll mittels gefälschter Rechnungen Geld abgezweigt haben. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft führt eine Strafuntersuchung.

Der Verdacht lautet auf Urkundenfälschung und Veruntreuung, eventuell auch auf ungetreue Geschäftsbesorgung und Betrug. Dies teilt die Staatsanwaltschaft auf Anfrage der bz mit. Es gilt die Unschuldsvermutung.

In der Kasse der Grellinger Kirchgemeinde klafft ein grosses Loch. Laut Dominik Prétôt, Sprecher der römisch-katholischen Landeskirche, liegt die Deliktsumme bei rund 300'000 Franken. Dies entspricht ziemlich genau einem Jahresbudget. Hinzu kommen Auslagen zur Bewältigung des Falls wie Anwalts- und Treuhandkosten; diese schlagen mit einem fünfstelligen Franken-Betrag zu Buche.

Die Landeskirche gewährt nun der finanziell angeschlagenen Kirchgemeinde einen Überbrückungskredit von 400'000 Franken. «Die Liquidität der Kirchgemeinde ist damit gewährleistet», sagt Prétôt. Das zu einem Marktzins gewährte Darlehen sei Ende Juni 2019 fällig, könne aber auf Antrag verlängert werden.

Die Landeskirche hat die Grellinger Kirchenmitglieder am 22. Januar an einem Informationsanlass über die Hintergründe orientiert. Dabei seien kritische Fragen gestellt worden. «Die Stimmung war aber konstruktiv. Einige Teilnehmer haben angesichts der schwierigen Situation ihre Hilfe angeboten.»

Keiner Verfehlungen bewusst

Die womöglich fehlbare Frau ist von ihren Funktionen als Kassierin der Kirchgemeinde und der CVP Baselland entbunden worden. Allerdings ist sie zumindest auf dem Papier noch Präsidentin der CVP Grellingen.

Die Geschäfte der Ortssektion führt derzeit aber Vizepräsident und Landrat Franz Meyer. Dieses Vorgehen sei an einer Vorstandssitzung gemeinsam mit der Präsidentin abgesprochen worden, sagt Meyer. Die Frau sei sich keiner Verfehlungen bewusst. «Es wäre nicht korrekt, sie als Präsidentin jetzt abzusetzen. Wir müssen dem Grundsatz, wonach die Unschuldsvermutung gilt, auch nachleben.»

Klar sei auch, dass sie nach einer Verurteilung nicht mehr tragbar wäre, fügt Meyer an. Die Frau ist bereits seit mehreren Jahren Ortsparteipräsidentin und gilt als verdienstvolles, engagiertes Parteimitglied.

Umso weniger kann man in der CVP-Familie nachvollziehen, weshalb die Kassierin womöglich in die Kasse gegriffen und die Kantonalpartei um 90 000 Franken erleichtert hat. Letztere hat parallel zur Strafanzeige eine Zivilklage und nun auch eine Betreibung in der Höhe dieses Betrags eingereicht, sagt CVP-Kantonalpräsidentin Brigitte Müller-Kaderli. Damit sollen die Chancen erhöht werden, dass der CVP im Falle einer Verurteilung schneller Geld zurückerstattet wird.

«Wir sind froh, dass Mitte Januar eine neue Kassierin ihre Tätigkeit aufgenommen hat. Alle Rechnungen sind bezahlt», sagt Müller. Die Beschuldigte war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.