Jürg Wiedemann vom Verein Starke Schule wird Mitte 2019 seinen Abschied aus dem Landrat geben müssen. Er wird der Amtszeitguillotine zum Opfer fallen. Unter dem Namen «Starke Schule Baselland» gründete Wiedemann den Verein, der die Bildungslandschaft im Kanton in den letzten Jahren mitgeprägt hat.

Deshalb drängt sich eine Frage auf: Was passiert mit dem Verein, wenn Wiedemann nicht mehr im Landrat sitzt? «Bis dahin sollte es auch die Starke Schule nicht mehr brauchen», sagte Jürg Wiedemann am Mittwoch am Telefon zur bz. Denn die Bildungspolitik im Kanton Baselland laufe in die richtige Richtung. Ihn ärgere jedoch die starke Gleichsetzung der Starken Schule mit seiner Person in den Medien.

Auf Nachfrage, ob dies dann nicht ein Widerspruch sei, seinen politischen Ruhestand mit dem Ende der Starken Schule zu verbinden, erklärte Wiedemann: «Es ist nicht so, dass dies unbedingt miteinander verbunden werden muss. Doch es ist das Ziel, dass es die Starke Schule bis dahin nicht mehr braucht.» Das Ende von Wiedemann im Landrat soll also zugleich das Ende der Starken Schule sein.

Wiedemann ist der Taktgeber

Dies will Wiedemann so nicht mehr gesagt haben. «Wird Bildungsdirektorin Monica Gschwind bei den nächsten Wahlen wieder gewählt, stehen die Chancen gut, dass es die Starke Schule bis in wenigen Jahren nicht mehr braucht», schreibt nun Wiedemann per Mail an die bz. Und weiter noch: «Das Ende der Starken Schule hängt von der Bildungspolitik ab und nicht vom Zeitpunkt meines Abgangs aus der Politik.»

Was klar ist: Wiedemann ist der starke Mann hinter dem Verein. Auch wenn ihm die Personifizierung nicht passt. Es gibt einige Gründe die dafür sprechen, dass Wiedemann der Taktgeber im Verein ist, auch wenn mit Landrätin Regina Werthmüller nun jemand anders die Anliegen der Starken Schule in den Landrat bringt: Geschäftsführerin des Vereins ist mit Saskia Olsson eine ehemalige Schülerin von Wiedemann. Das ist auch Alina Isler, die auf der Geschäftsstelle das Sekretariat führt. Und selbst die Geschicke des Vereins werden von Wiedemanns Birsfelder Zuhause aus gesteuert. Mit seiner Partei, den Grünen-Unabhängigen, macht er zudem mit Abstimmungsplakaten Stimmung für die Initiativen der Starken Schule.

Klare Abstimmungsniederlage

Doch egal, ob mit oder ohne Wiedemann in der vordersten Reihe, die Starke Schule steht im Gegenwind. Noch anfang dieses Jahres blies der Verein, nun unter dem Namen Starke Schule beider Basel, zum Angriff auf die Bildungspolitik des Stadtkantons. Mit der Trennung von René Roca, dem umstrittenen Repräsentanten des Vereins in Basel-Stadt, wurde der Angriff jedoch jäh gestoppt. Und am Sonntag schiffte die letzte Initiative des Vereins an der Urne regelrecht ab. Nur gerade 21 Prozent der Baselbieter stimmten für die Vorlage. Zwar schickte die Starke Schule noch am gleichen Tag ein Communiqué, in dem sie die Niederlage in einen Sieg umdeutete. Doch das Abstimmungsresultat ist eindeutig.

Ein Grund, wieso die Starke Schule am Sonntag eine so klare Niederlage einstecken musste, könnte ein gewisser Verdruss über die Flut an Bildungsinitiativen der Starken Schule sein. So sagt etwa Ernst Schürch, Geschäftsleiter der Amtlichen Kantonalkonferenz der Baselbieter Lehrerinnen und Lehrer: «Viele Menschen, die sich beruflich mit Bildung befassen, begrüssen die Flut der Initiativen gar nicht.» Und mittlerweile vernehme er dasselbe auch von ausserhalb: «Die Leute durchschauen, dass es jeweils darum geht, dass sich nichts verändert in den Schulen.» Und er geht noch weiter: «Dass die Starke Schule es in der Öffentlichkeit versucht, nachdem sie in der Lehrerschaft keine Mehrheiten finden konnte, Veränderungen auf dem politischen Weg zu stoppen und dabei behaupten, sie würde als kleiner Verein die Mehrheit der Lehrkräfte vertreten, ist nicht zu akzeptieren und letztlich unlauter.»

Vier Initiativen der Starken Schule sind noch hängig. Ob der Verein im Anschluss überlebt, wird sich weisen. Aber: Die Starke Schule wirds ohne Wiedemann noch schwerer haben.