Mit dem Schulunterricht kehrt nach den Osterferien auch der Alltag wieder ein. In manchen Allschwiler Familien wollte das am Montag aber nicht wirklich gelingen. Denn ein wichtiger Bestandteil des Alltags fehlt bei ihnen per sofort: die Betreuung durch die Tagesmütter. Diese bekamen von der Gemeinde neue Verträge mit Lohnkürzungen um 23 Prozent vorgelegt. Viele Tageseltern weigerten sich deshalb, diese zu unterzeichnen, und stehen jetzt ohne Vertrag da.

Das heisst auch, dass zahlreiche Kinder zurzeit ohne Betreuung auskommen müssen. Eine genaue Zahl liegt nicht vor, sie lässt sich jedoch schätzen: In Allschwil werden rund 100 Kinder von insgesamt 29 Tagesmüttern betreut. Von diesen haben gemäss Informationen, die unter den Tagesmüttern kursieren, vier die neuen Verträge unterschrieben und 16 sich geweigert. Von den übrigen liegen keine Informationen vor. Demnach ist davon auszugehen, dass über 60 Kinder betroffen sind.

Zwei Kinder mit Zwischenlösung

Stehen diese jetzt einfach auf der Strasse? «Nein», versichert Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli. «Wir bieten den betroffenen Eltern Übergangslösungen an.» Keine leichte Aufgabe bei so vielen Kindern in einer so kurzen Frist – sollte man zumindest meinen. «Aber bisher wurde das Angebot einer Zwischenlösung nur für zwei Kinder in Anspruch genommen. Diese haben wir nun im Tageskindergarten beziehungsweise in der Tagesschule untergebracht.» Wie die übrigen Kinder zurzeit versorgt werden, ist der Gemeinde nicht bekannt. Auch bei den Allschwiler Tagesmüttern ist nichts in Erfahrung zu bringen.

Noch ist der vertragslose Zustand neu, der sich aus dem Übergang der Verträge von der Stiftung Tagesheime Allschwil zur Gemeinde Allschwil ergab. Es könnte deshalb sein, dass sich in den kommenden Tagen noch mehr Eltern mit dem Wunsch nach einer Zwischenlösung melden. Solche sind nur bis Ende Monat vorgesehen. Für den Fall, dass sich Gemeinde und Tagesmütter bis dahin nicht einigen können, gibt es noch keine Pläne. «Denn ich gehe nach wie vor davon aus, dass die Tagesmütter die Verträge unterzeichnen werden», gibt sich Nüssli zuversichtlich.

Diese Zuversicht ist laut Jasmine Cosmai fehl am Platz. «Die Gemeinde war von Anfang an zu optimistisch», sagt die Tagesmutter. «Dort scheint man uns nicht zu glauben, dass wir bis zum Schluss für unser Recht kämpfen werden.» Die Forderungen der Tagesmütter seien klar und betreffen vor allem die massive Lohnkürzung. Darüber hätte die Gemeinde trotz gemeinsamen Sitzungen aber bis anhin noch nicht einmal mit ihnen geredet.

Eine neue Lawine

Am 11. April sollen nun die Eltern informiert werden, die ihre Kinder von Tagesmüttern betreuen lassen. Denn auch mit ihnen wird eine neue Vereinbarung getroffen, die Neuerungen mit sich bringt. «Einige Tagesmütter haben bereits zugesichert, nach diesem Infoanlass die Verträge zu unterschreiben», informiert Nicole Nüssli.

Davon weiss Cosmai nichts. Aber auch sie findet, dass von der Informationsveranstaltung tatsächlich vieles abhängen könnte, auch wenn die Verträge der Tagesmütter dort nicht zur Debatte stehen. «Die Änderungen bei den Vereinbarungen mit den Eltern könnten nochmals eine weitere Lawine auslösen», glaubt sie. Noch sei nicht bekannt, welche Neuerungen genau auf die Eltern zukommen sollen. Die Rede sei unter anderem von höheren Beiträgen.

Noch dicker angestrichen als den 11. April hat sich Cosmai in ihrer Agenda den 20. April. Dann tagt der Allschwiler Einwohnerrat. Die SP habe zugesichert, sich dort des Themas anzunehmen. Basis dafür ist unter anderem eine Petition, mit der sich die Tagesmütter für ihre Anliegen starkmachen.