Ab kommendem Schuljahr finanziert der Kanton Solothurn den Besuch von ausserkantonalen Wirtschafts-, Informatik- und Handelsmittelschulen nicht mehr. Die Junge CVP Solothurn reichte bei der Staatskanzlei einen Volksauftrag ein, mit dem sie eine Weiterführung der Zahlungen fordert. Co-Präsident Luca Strebel erklärt, weshalb das Angebot, das von vielen Schwarzbuben in Anspruch genommen wird, auch künftig unterstützt werden sollte.

Herr Strebel, angenommen ich wohne in Dornach und möchte ab Sommer die Wirtschaftsmittelschule im benachbarten Reinach besuchen. Was muss ich tun?

Luca Strebel: Sie können sich an der Schule weiterhin anmelden, müssen die Kosten in Zukunft aber selber tragen. Wir sprechen hier von einem fünfstelligen Betrag für ein Schuljahr. Bis anhin besuchten pro Jahrgang rund 15 Schülerinnen und Schüler aus dem Dorneck-Thierstein die Wirtschaftsmittelschule Reinach. Im Kanton Solothurn existiert wiederum keine Wirtschaftsmittelschule.

Welche vergleichbaren Angebote stehen einem im Kanton Solothurn zur Verfügung, wenn man sich den Besuch der Wirtschaftsmittelschule Reinach nicht leisten kann?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder absolviere ich eine normale KV-Lehre und mache nebenbei noch die Berufsmatur, oder ich besuche eine Fachmittelschule und erlange einen Fachmittelausweis beziehungsweise eine Fachmatur. Dann habe ich aber noch keinen Lehrabschluss und muss diesen nachholen oder eine höhere Fachschule oder Fachhochschule besuchen, um in die Berufswelt einsteigen zu können. Wenn diese Fachschulen dann aber plötzlich mehr Zulauf haben, bedeutet das Mehrkosten für den Kanton Solothurn. Zudem sind viele weit vom Schwarzbubenland entfernt.

Wieso soll der Kanton Solothurn die ausserkantonalen Schulen weiterhin finanzieren?

Die Aufhebung der Subventionen widerspricht der Idee des offenen Bildungssystems der Schweiz. Ebenso wäre eine Aufrechterhaltung wichtig für den Zusammenhalt im Kanton. Das Schwarzbubenland ist auch Teil des Kantons Solothurn. Die Sparmassnahme der Solothurner Regierung ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, das bereits geografisch weit entfernte Dorneck-Thierstein vom restlichen Kanton Solothurn abzuschneiden. Dagegen wehren wir uns.

Für Ihren Volksauftrag sammelten Sie mehr als 500 Unterschriften. Wer hat alles unterschrieben?

Der allergrösste Teil stammt von Schülern und Lehrern aus dem Schwarzbubenland. Auch einige Eltern, die einst selbst die Wirtschaftsmittelschule in Reinach besuchten, haben unterschrieben.

Sie reichten am vergangenen Freitag den Volksauftrag bei der Staatskanzlei ein. Wie sieht der weitere politische Prozess aus?

Es wird nun von der Ratsleitung des Kantonsrats geprüft, ob der Inhalt des Volksauftrags zulässig ist. Im Anschluss nimmt der Regierungsrat dazu Stellung. In einem letzten Schritt stimmt dann der Kantonsrat über unser Anliegen ab.

In einem weiteren Volksauftrag verlangen Sie die Einführung eines Fachs «Politische Bildung» an allen Solothurner Schulen der Sekundarstufe I. Wieso braucht es dieses Fach?

Viele junge Menschen engagieren sich nicht im politischen Leben, was daran liegt, dass für sie Politik etwas Fremdes ist. Ein eigenständiges Schulfach könnte dies ändern.