Es stehen in Liestal Grossbaustellen in ganz verschiedenen Bereichen von der Bahn über die Umfahrungsstrasse bis zu den Schulen bevor. Was ist für den Stadtrat die grösste Herausforderung?

Lukas Ott: Ich will keine Rangordnung erstellen, denn jedes dieser Vorhaben ist für sich eine grosse Herausforderung mit wichtigen Fragestellungen. Aber es ist klar, der geplante Bahnausbau ist von den Dimensionen her ein Generationenwerk. Dass bei den Plänen der SBB jetzt Bewegung hineingekommen ist, ist für uns sehr wichtig. Denn die ersten präsentierten Varianten, die mittels Unter- oder Überwerfungen Kreuzungsfreiheit herstellen wollten, haben uns Bauchschmerzen gemacht. Wir sind deshalb jetzt froh, dass die SBB in Zusammenarbeit mit dem Bund, dem Kanton und der Stadt neue Pläne mit einem vierten Gleis erarbeitet haben, die Rücksicht aufs Ortsbild und auf bestehende Beziehungen zwischen den Quartieren nehmen.

Aber acht Jahre Bauzeit sind immer noch ein massiver Eingriff.

Das ist die einfachste, günstigste und schmerzloseste Variante. Die Alternative wäre eine Bauzeit von zehn bis elf Jahren gewesen. Und es ist unbestritten, dass wir etwas machen müssen, und wollen zugunsten des öffentlichen Verkehrs, gerade auch für Liestal als Wohn- und Wirtschaftsstandort.

Seitens der SBB wird argumentiert, dass das vierte Gleis nebst mehr Pünktlichkeit eine Angebotssteigerung ermöglicht. Heisst das für Liestal nicht in erster Linie mehr Güterverkehr?

Für mehr Güterverkehr auf der Schiene braucht es vor allem den Wisenbergtunnel. Im Vordergrund steht bei uns jetzt eine Verdichtung im Regionalverkehr. Das vierte Gleis und das zusätzlich in Liestal geplante Wendegleis ermöglichen zusammen mit weiteren Massnahmen in Basel und Pratteln den Viertelstundentakt, was unseren Pendlern zugutekommt. Wir haben ein grundsätzliches Interesse daran, dass bei uns in die Bahninfrastruktur investiert wird, damit eine Verlagerung von der Strasse auf die Schiene stattfinden kann.

Aber wenn man gleichzeitig einen neuen Zentrumsanschluss bei der Umfahrung von Liestal plant, um den Kantonshauptort vom Verkehr zu entlasten, tönt das, wie wenn man auch bei einem Viertelstundentakt nicht recht an eine Verlagerung auf die Bahn glaubt.

Es braucht trotz Viertelstundentakt auch Verbesserungen bei der Strasse, damit der Pendlerverkehr optimal abfliesst. Ohne Zentrumsanschluss können wir insbesondere die Rosenstrasse nicht entlasten.

Hat Liestal auch Chancen, mit Erfolg einen Deckel über dem Burgeinschnitt einzufordern?

Grundsätzlich hat niemand Interesse daran, dass es zu einer Blockadesituation kommt. Das haben wir vor 20 Jahren mit der Forderung nach einer Tieflage erlebt, als die SBB lange Zeit einen Bogen um Liestal gemacht haben. Wir sind jetzt erfreut, dass wir mit den SBB wieder im Austausch sind. Das hindert uns selbstverständlich nicht daran, ein für Liestal möglichst optimiertes und verträgliches Projekt anzustreben, aber es hat keinen Sinn, Forderungen zu stellen, die letztlich niemand realisieren kann.

Ist ein Deckel über dem Burgeinschnitt, der das Ortsbild aufwerten und Lärm dämmend wirken würde, somit eine Illusion?

Ein solcher Deckel ist ein Überbleibsel von den Diskussionen um die Tieflage in den 90er-Jahren. Es geht jetzt darum zu überprüfen, ob die Kompatibilität mit der jetzigen Studie über den Vierspurausbau gegeben ist. Es ist deshalb noch zu früh, Aussagen zu machen, ob für uns ein gedeckter Burgeinschnitt unabdingbare Voraussetzung ist. Auch wissen wir nicht, was ein Deckel kosten würde und wer ihn bezahlt. Er ist sicher wünschenswert und es ist deshalb richtig, dies mit den kommenden Planungen zu prüfen.


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