Liestal

Lukas Ott vor Treffen mit SBB: «Ich erwarte einen Befreiungsschlag»

Ein neues oder saniertes Bahnhofgebäude steht weit oben auf der Wunschliste von Lukas Ott. Michel Ecklin

Ein neues oder saniertes Bahnhofgebäude steht weit oben auf der Wunschliste von Lukas Ott. Michel Ecklin

Am Freitag trifft sich der Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott mit der SBB-Spitze – ein Treffen nach langer Eiszeit. Das Thema soll natürlich auch der Burgeinschnitt sein. Und dabei will Liestal nicht als Bittsteller beim Goliath SBB auftreten.

Es ist am Freitag ein Treffen auf höchster Ebene: Von Seite der SBB nehmen Konzernchef Andreas Meyer und der Leiter Immobilien, Jürg Stöckli, von Seite Liestal Stadtpräsident Lukas Ott, Stadtrat Peter Rohrbach, Stadtverwalter Benedikt Minzer und der Leiter Stadtbauamt, Martin Hofer, teil. Zustande gekommen ist dieser erstmalige derartige Austausch über anstehende SBB-Projekte im Kantonshauptort durch einen Zufall: Lukas Ott und Andreas Meyer lernten sich am Nationalratspräsidentin-Fest von Maya Graf kennen.

Herr Ott, geht der David Liestal morgen als Bittsteller zum Goliath SBB?

Lukas Ott: Nein, wir begegnen uns auf Augenhöhe, und wir sind uns auf beiden Seiten einig, dass Handlungsbedarf besteht. Wir wollen einen Vorgehensrahmen diskutieren, um für ein gemeinsames Problem eine gute Lösung zu erarbeiten.

Was meinen Sie mit dem gemeinsamen Problem?

Das Bahnhofgebäude, das einfach verlebt ist, muss saniert oder erneuert werden. Ob dies zusammen mit der Spurerweiterung oder vorgezogen erfolgt, ist im Moment offen, aber es muss erfolgen. Denn je weiter die städtebauliche Entwicklung am Bahnhof voranschreitet, umso augenscheinlicher wird das Gefälle zum Bahnhofgebäude, das aus dem Rahmen fällt und für eine Kantonshauptstadt keine Visitenkarte mehr ist.

Der Deckel über dem Burgeinschnitt oder das Buswartehäuschen beim Bahnhof sind kein Thema?

Im Vordergrund steht der Bahnhof, aber wir sprechen verschiedene Themen an, die in einem engeren oder weiteren Sinn im Zusammenhang mit den SBB-Immobilien stehen. Auf einer übergeordneten Ebene gehören dazu der Ausbau auf vier Gleise und damit zusammenhängend ein möglicher Deckel über dem Burgeinschnitt, das Wendegleis für die S-Bahn und das grosse Areal beim Bahnhof, das den SBB gehört. Auf einer untergeordneten Ebene gibt es noch Pendenzen wie das Bus-Wartehäuschen, für das die SBB verantwortlich sind, ein hindernisfreier Bahnhofzugang vom Oristal her, wo Sofortmassnahmen nötig sind, und der Ausbau des Veloparkings im Wiedenhub.

Und was sind Ihre Erwartungen?

Dass es gelingt, nach der langen Phase der Stagnation bezüglich Bahninfrastruktur einen Befreiungsschlag zu erzielen. Die Stagnation geht zurück auf die Auseinandersetzungen um die Bahn-Tieflage in den 1980er- Jahren, was zu einer Blockade führte und die SBB einen Bogen um Liestal machen liess. An andern Orten wie zum Beispiel in Aarau konnten diese zwei Jahrzehnte für wichtige Erneuerungen und Erweiterungen genutzt werden. Deshalb sind wir hocherfreut, dass wir jetzt zurück im Geschäft mit den SBB sind, und wir wollen den Fehler von damals nicht wiederholen und unerfüllbare Forderungen stellen, sondern gemeinsam Lösungen erarbeiten.

Die im letzten Stadtratswahlkampf von der SVP ins Spiel gebrachte Position, dass Liestal seine Zustimmung zum Gleisausbau von einem Deckel über dem Burgeinschnitt abhängig machen soll, ist demnach nicht Ihre Position?

In dieser absoluten Form nein. Aber wir wollen zusammen mit den SBB und dem Kanton einen Deckel prüfen, dafür haben wir auch einen politischen Auftrag vom Einwohnerrat. Ein Deckel ist eine interessante Perspektive und eine städtebauliche Chance, weil er für Liestal an zentraler Lage rund zwei Hektaren Bauland bringen könnte. Aber zuerst müssen Machbarkeit, Nutzungsmöglichkeiten und Kosten abgeklärt werden.

Sie haben gesagt, dass Sie den SBB auf Augenhöhe begegnen. Wenn man die schleppende Entwicklung des Wartehäuschen beim neuen Busbahnhof anschaut, hat man den Eindruck, dass sich die SBB um die Anliegen Liestals foutieren.

Es ist sehr unerfreulich, dass der Busbahnhof ohne Wartehäuschen in Betrieb gegangen ist. Die SBB stehen in der Pflicht und wir warten mit grösster Ungeduld auf die Realisierung des Unterstands. Die SBB schaffen hier unnötigerweise eine Verzögerung, was gerade auch im Hinblick auf die grossen Vorhaben kontraproduktiv sein könnte.

Wieso ist eigentlich der Kanton, der bei allen angesprochenen Projekten involviert ist, bei den morgigen Gesprächen nicht dabei?

Die Begegnung von SBB-Konzernleitung und Stadtrat ist enorm wichtig für die Vertrauensbildung und muss in dieser Konstellation stattfinden. Selbstverständlich ist der Kanton ein ganz wichtiger Partner, mit dem wir auch regelmässige Semestergespräche führen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1