Rathausstrasse

«Mädchen für alles»: Andreas Leutenegger hatte auf der Liestaler Riesen-Baustelle alles im Griff

Polier Andreas Leutenegger hielt neun Monate lang die Fäden auf der Riesen-Baustelle zusammen und erhält nur Lob.

Polier Andreas Leutenegger hielt neun Monate lang die Fäden auf der Riesen-Baustelle zusammen und erhält nur Lob.

Andreas Leutenegger war Chef, Helfer in Not und Friedensstifter in der Rathausstrasse in Liestal. Mit dem Resultat der neunmonatigen Arbeiten ist er mehr als zufrieden. Am 2. Dezember wird die neue Flaniermeile im Stedtli dann offiziell eingeweiht.

Er hat in den letzten neun Monaten der Baustelle an der Liestaler Rathausstrasse ein Gesicht gegeben – der Polier Andreas Leutenegger. Der 36-Jährige war Mädchen für alles, wie er selbst sagt. In erster Linie war er der Chef der Baufirma Implenia vor Ort und führte die je nach Phase 12 bis 15 Arbeiter. Er war aber auch Ansprechspartner für alle anderen Involvierten – vom Stadtbauamt über die Subunternehmer wie Elektra oder Kanalfernsehen bis hin zu den Ladenbetreibern und Passanten. Und wenn Not am Mann war, packte er selber an, ob auf dem Bagger oder in der Baugrube. Der gelernte Strassenbauer mit Zusatzausbildung als Tiefbau-Vorarbeiter sagt: «Ich kann nichts von meinen Leuten erwarten, das ich nicht selber beherrsche.»

Die Erneuerung der Rathausstrasse bezeichnet Leutenegger als ganz besondere Baustelle. Speziell seien die eingeschränkte Bewegungsfreiheit mit den Maschinen im engen Stedtli und die Nähe der Leute zur Baustelle gewesen. Die meisten seien sehr interessiert gewesen und an den Gräben gestanden, sodass man immer habe aufpassen müssen, dass niemand hinunterfalle. Trotzdem sei man abgesehen von ein paar harmlosen Stolperunfällen verletzungsfrei über die Runden gekommen. «Es war anspruchsvoll vom Anfang bis zum Ende mit einem grossen Zeitdruck.»

Fluchen war verboten

Doch das vereinbarte Bonus-Malus-System kommt nicht zum Tragen, weil die Rathausstrasse weder zu früh noch zu spät, sondern pünktlich zur morgigen Eröffnung fertig ist; die Spitalgasse als letzter Akt folgt spätestens nächsten Dienstag. Als grösste Herausforderung bezeichnet Leutenegger aber, allen gerecht zu werden.

Und das hat der Polier mit seiner Equipe meisterlich bewältigt. So hört man nur Lob, ob vom Projektleiter der Stadt, Dominic Brunner, oder von Seiten des Gewerbes. Gastronomin Beatrice Rieder vom «herzlich» etwa sagt: «Das war super mit den Bauarbeitern, sie waren immer freundlich und hilfsbereit. Und wenn es grössere Probleme gab, war Andreas Leutenegger immer da.» Im Stedtli wurde Leutenegger nur noch «Blauhelm» gerufen. Dies nicht nur, weil er als einziger einen blauen Helm trug, sondern auch in Anspielung zu einer besonderen Kompetenz: «Ja, ich war manchmal auch Friedensstifter. Aber ich muss sagen, die überwiegende Mehrheit der Ladenbetreiber und Passanten reklamierte nie.»

Im Gegenteil, die Leute waren offenbar so wohlwollend, dass Leutenegger der Sache am Anfang nicht traute: «Ich dachte zuerst, da stimmt etwas nicht. Entweder die Leute sind bezahlt für ihre Freundlichkeit oder es gibt eine versteckte Kamera.» Mittlerweile hat sich Leutenegger, der seinen Mannen übrigens einimpfte, auf der Baustelle nicht zu fluchen und hilfsbereit zu sein, an die Freundlichkeit gewöhnt und es befällt ihn so etwas wie Wehmut, wenn er ans Ende der Bauzeit denkt. An der letzten Baustelle an der Burgfelderstrasse in Basel sei alles viel anonymer gewesen als in Liestal. Immerhin gibt es hier im Januar noch eine Verlängerung: Während eineinhalb Monaten werden zwischen unterem Stedtli-Ende und Rebgasse noch Leitungen erneuert respektive eine Starkstromleitung für die SBB eingebaut.

Aus Spanien Malaise mitverfolgt

Doch zurück zur versteckten Kamera: Tatsächlich gibt es an der Rathausstrasse drei, allerdings nicht geheime Webcams, mit denen KMU Liestal die Bauerei aufnimmt. Eine dieser Kameras half Leutenegger über die einzige Bauphase hinweg, in der «wirklich etwas schiefgelaufen ist»: Vor dem Rathaus wurde ein neun Tonnen schwerer Betonschacht nicht ganz richtig eingebaut, sodass er um 30 Zentimeter gedreht werden musste mit einem Rattenschwanz von Anpassungsarbeiten. Weil das in Leuteneggers Sommerferien passierte, fieberte der Familienvater bei den Korrekturarbeiten seiner Kollegen über die beim Rathaus installierte Webcam vom spanischen Sandstrand aus mit. Schliesslich verursachte die Malaise knapp drei Tage Verzögerung.

Mit dem Resultat der neunmonatigen Arbeiten ist Leutenegger mehr als zufrieden: «Die neue Rathausstrasse ist super und optisch riesig geworden. Das hat sich wirklich gelohnt.»

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