Beizer aus der Region

«Man darf mit leerem Teller auch in die Küche kommen, um nachzuschöpfen»

Rösli Liniger, Merusha Jaha, Romy Thüring-Möschlin und Silvana Di Francesco und «schmeissen» den Betrieb im Restaurant Rebstock.

Rösli Liniger, Merusha Jaha, Romy Thüring-Möschlin und Silvana Di Francesco und «schmeissen» den Betrieb im Restaurant Rebstock.

Romy Thüring-Möschlin führt das Restaurant Rebstock in Ettingen in vierter Generation. Die Wirtin lobt besonders Salatsauce, Kräuterbutter, Knöpfli und Rösti.

Das Restaurant Rebstock ist heuer 140 Jahre alt. War es immer im Besitz Ihrer Familie?

Romy Thüring-Möschlin: Ja. Mein Urgrossvater Franz-Xaver Möschlin-Thüring hat dieses Gebäude 1872 gebaut. Seit 1874 ist es ein Restaurant. Ich führe den «Rebstock» in vierter Generation.

Was wissen Sie über die Geschichte Ihrer Gaststätte?

Mein Urgrossvater – er war Bezirksrichter – hatte auch einen Bauernbetrieb geführt. Von ihm gingen das Restaurant und der landwirtschaftliche Betrieb an meinen Grossvater über. Als mein Vater das Restaurant während des Zweiten Weltkriegs übernahm, hatte er nur noch ein Schwein nebenbei. Das Restaurant wurde zum Haupterwerb. Gekocht haben in diesem Haus immer nur die Frauen.

Wie feiern Sie 140 Jahre «Rebstock»?

Mit zwei, drei Anlässen. Ich organisiere einen Sommerabend, im Herbst steht ein Raclette-Abend an, und vielleicht werde ich noch im Winter was auf die Beine stellen. All dies soll ein Dankeschön sein an all meine vielen Gäste, die mir seit Jahren treu sind.

Was ist speziell an Ihrer Gaststätte?

Dass sie noch eine ganz normale Dorfwirtschaft ist. Wir pflegen den Kontakt zu unseren Gästen, sind freundlich zu ihnen, bieten eine gute Küche und kochen mit Herz für sie. Jeder Gast ist willkommen. Wir sind stolz auf unseren Betrieb.

Weshalb lohnt sich ein Besuch bei Ihnen?

Wir haben die beste Salatsauce dieser Welt und die beste Kräuterbutter (lacht). Wir machen selber wunderbare Knöpfli und feine Rösti. Und alle, die bei uns einkehren, jung und alt, freuen sich darüber.

Bieten Sie eine Besonderheit an?

Wir kochen, wie man früher gekocht hat, und haben eine gutbürgerliche Küche. Wir sind noch das einzige Restaurant im Dorf, das Schweizer Küche bietet.

In welcher Preisklasse bewegen sich Ihre Menüs?

Das Tagesmenü kostet 17 Franken. Auf der Karte sind Gerichte von 9 bis 55 Franken. Es gibt aber auch Menüs für 80 Franken.

Gehen Sie auf Sonderwünsche ein?

Hier kann jeder sagen, was er gerne hat. Bei uns darf man mit dem leeren Teller auch in die Küche kommen, um nachzuschöpfen.

Haben Sie vegetarische Menüs?

Ja, eine schöne Liste mit Rösti, Gemüseravioli, Käseschnitte, Omelette, Teigwaren, Gemüseteller – und alles immer frisch gekocht.

Führen Sie eine Kinderkarte?

Haben wir auch. Kinder dürfen bei uns sowieso alles.

Haben Sie viele Stammgäste?

Wir können auf eine grosse Stammkundschaft zählen, die bei uns regelmässig isst. Sie kommt von überall, auch aus der Stadt Basel. Dazu gehören Familien, deren Vorfahren hier schon regelmässig zu Gast gewesen sind. Die eine Generation löst die andere ab.

Wer kommt sonst noch zu Ihnen?

Wandergruppen begrüssen wir zahlreich. Sehr viele Leute kommen wegen unseres eigenen Weins. Wir führen ein «Wylädeli» in unserem schönen «Trubebeeri». Vereine sind ebenfalls häufig bei uns zu Gast.

Weshalb sind Sie Gastwirtin geworden?

Ich bin hier aufgewachsen, mich interessierte das immer. Ich arbeitete früher in der Hotellerie, machte alle Kurse und absolvierte Praktika. Das Kochen wurde mir in die Wiege gelegt. Ich bin jedoch keine konventionelle Wirtin: Heute mache ich es so, morgen etwas anders. Ich wäge das Fleisch beispielsweise nie ab. Ich bin spontan.

Was gefällt Ihnen an Ihrem jetzigen Beruf?

Die À-la-carte-Küche ist mein Lieblingskind. Sie ist interessant, wenn es zugeht «wie im Himmel vorusse». Es ist herausfordernd, wenn eine Gruppe von 20 Leuten bestellt, damit diese dann alle das Essen gleichzeitig erhalten. Mit Stress kann ich gut umgehen.

Gibt es auch Schattenseiten?

(Überlegt lange.) Da kommt mir grad nichts in den Sinn. Selbst die Fasnacht, wenn 24-Stunden-Betrieb herrscht, macht uns nichts aus. Darauf können wir uns einstellen.

Lässt sichs gut leben als Wirtin?

Das habe ich noch nie detailliert nachgerechnet. Beim Einkaufen achte ich nicht auf Aktionen, ich kaufe Markenartikel, die mir passen. Wenn man alles in einen Schüttelbecher tut und während des ganzen Jahres schüttelt, dann kommts gut heraus. Solange ich keine Schulden habe, meinen Arbeitskräften den Lohn zahlen kann und ein Dach überm Kopf habe, bin ich zufrieden. Wirten ist mein Lebenselixier.

Meistgesehen

Artboard 1