Schliessung

Manor schliesst die Pforten: Dieser Entscheid hat Liestal kalt erwischt

Von «schlechte Nachricht» bis «Schock» reichen die Reaktionen auf die angekündigte Schliessung von Manor-Food – alle hoffen auf einen Nachfolger.

Von einem richtiggehenden Schock spricht Thomas Bretscher, als er von der bz um eine Einschätzung der am Freitag von Manor angekündigten Schliessung des Food-Bereichs im Liestaler Bücheli Center gebeten wurde. Das sei völlig überraschend gekommen und für Liestal sicher nicht ideal. Bretschers Wort hat besonderes Gewicht, denn der langjährige, frühere Manor-Kadermitarbeiter war bis Ende letztes Jahr Liestaler Stedtli-Entwickler.

Wegen dieser Doppelrolle hält er sich mit weiteren Kommentaren zurück. Nur so viel: «Ich bin überzeugt, dass Manor im Interesse des Bücheli Centers und der Stadt Liestal alles dran setzen wird, einen frequenzstarken Nachfolger für den Food-Markt zu finden.» Wer das sein könnte, da hat Bretscher «null Ahnung».

Auch Manor-Sprecher Fabian Hildbrand weiss im Moment nicht viel mehr. Man sei mit mehreren Food-Mitbewerbern im Gespräch. Im Vordergrund stünde ein Discounter oder Detaillist aus dem Lebensmittelbereich, der das Manor-Personal übernehmen könne. Zu allfälligen Namen will Hildbrand nichts sagen. Nur: Coop und Migros haben ihre Filialen in Liestal in den letzten Jahren umfassend erneuert. Aldi und Lidl sind bereits in den Nachbarorten von Liestal – mit grösseren Gratisparkplätzen – präsent. Und für Denner dürften die über 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche im Manor-Untergeschoss eine Nummer zu gross sein. Hildbrand tönt an, dass auch ein ausländischer Player, der in der Schweiz Fuss fassen möchte, denkbar sei.

Umsatz stimmte für Manor nicht in Liestal

Dass es wieder ein Lebensmittel-Händler sein soll, liegt nicht nur wegen des Personals im ureigenen Interesse von Manor: Keine andere Branche zieht so viele Leute ins Bücheli Center. Davon profitieren auch das Manor-Warenhaus im Erd- und Obergeschoss sowie das halbe Dutzend Untermieter. Würden auch diese beginnen abzuspringen, bekäme Manor mit ihrem langfristigen Mietvertrag – über die exakte Dauer gibt das Unternehmen keine Auskunft – ein ernsthaftes Problem.

Zum Grund der Schliessung der Manor-Food-Abteilung sagt Hildbrand: «Mit dem hohen Anteil an frischen und hausgemachten Lebensmitteln ist unsere Gewinnschwelle höher als bei der Konkurrenz. Wir haben die kritische Umsatzgrösse nicht erreicht.» Das Warenhaus in Liestal laufe hingegen gut und eine Schliessung stehe nicht zur Diskussion. Finde Manor «wider Erwarten» keine Nachfolgelösung für den Food-Markt, so schliesse dieser im zweiten Halbjahr, sagt Hildbrand.

Ein solcher Leerstand wäre für Stadtpräsident Daniel Spinnler «ein schlechtes Szenario». Ganz wichtig sei jetzt, dass Manor die Food-Abteilung nicht ohne Nachfolger schliesse und eine möglichst nahtlose Schlüsselübergabe erfolge. Wie die Chancen dafür stünden, könne er im Moment nicht beurteilen, weil ihm die Informationen fehlten. Er werde das heute mit Manor ausloten. Und Spinnler weiter: «Klar ist, dass der Schliessungsentscheid keine gute Nachricht für Liestal ist. Manor hat ein gutes Food-Sortiment, aber wir haben glücklicherweise noch weitere Anbieter.» Die Stadt könne nur indirekt versuchen, die Entwicklung zu beeinflussen, indem sie ein attraktives Umfeld schaffe.

Ähnlich tönt es seitens des KMU Liestal-Präsidenten Matthias Renevey: «Bitter wäre ein Leerstand. Gut ist deshalb an der schlechten Manor-Nachricht, dass die Schliessung nicht von heute auf morgen erfolgt.» Manor sei mit ihrem Gourmet-Angebot eine sehr gute Ergänzung zu Coop und Migros, aber eine Versorgungslücke entstehe jetzt nicht. Renevey: «Unschön ist vor allem das Zeichen nach aussen, dass jemand aus Liestal weggeht.»

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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