Allschwil

Marc-André Giger: «Hier ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis besonders gut»

Marc-André Giger (52), Leiter der Baselbieter Wirtschaftsoffensive, schwärmt von Allschwil.

Marc-André Giger (52), Leiter der Baselbieter Wirtschaftsoffensive, schwärmt von Allschwil.

Marc-André Giger erklärt im Interview, dass Allschwil mehr als das Basler Überlaufbecken ist. Der brachliegende Boden sei ein grosser Vorteil für das Baselbiet. Doch das alleine reiche nicht aus.

Herr Giger, warum brummt die Wirtschaft in Allschwil?

Marc-André Giger: Einerseits waren die Voraussetzungen in den letzten Jahren gut, und die Gemeinde konnte die nötige Energie freisetzen, um diese Chancen zu nutzen. Ein wichtiges Element war die von Finanzdirektor Anton Lauber eingeschlagene wirtschaftsfreundliche Politik. Gerade im Bachgraben-Areal konnte diese offene Politik die Wirtschaft in Schwung bringen. Anderseits haben wir mit der global tätigen Actelion und mit Viollier zwei Aushängeschilder, die Sogwirkung haben. Ein gutes Beispiel für einen Nachzügler ist Abbott. Die Firma hat sich vor drei Jahren angesiedelt und beschäftigt heute schon mehr als 300 Personen.

Was zieht die Unternehmen an, die wirtschaftsfreundliche Politik oder die verfügbaren Landreserven?

Der brachliegende Boden ist der grosse Vorteil von Baselland. Ohne Boden keine Ansiedlung. Aber Boden allein reicht nicht. Es braucht das Zusammenspiel von beiden Faktoren, damit neue Unternehmen kommen ...

Ist Allschwil also das Überlaufbecken für Firmen, die in der Stadt keinen Platz finden?

Vor Jahren begann in der Stadt ein Verdrängungsprozess. Brachliegende Flächen wurden rar und der verfügbare Boden teuer. Allschwil und andere Baselbieter Gemeinden, wie Muttenz und Pratteln haben davon profitiert. Zudem liegt das Bachgraben-Areal nahe am Flughafen, ist mit dem öV gut erschlossen und für Grenzgänger schnell erreichbar. Solche Voraussetzungen gibt es nur an wenigen Orten. Firmen siedeln sich dort an, wo das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Standorts besonders gut ist - in Allschwil ist dies der Fall.

Werden weitere grosse Unternehmen den Weg nach Allschwil finden?

Ich bin überzeugt, dass weitere Unternehmen folgen werden. Das Umfeld und die Rahmenbedingungen stimmen. Mit der geplanten Erschliessung, wird das Areal weiter aufgewertet und für zusätzliche Unternehmen attraktiver. Das Tropeninstitut überlegt sich, im Bachgraben zu bauen, weil es in Basel den nötigen Platz nicht findet. Das wären auf einen Schlag 600 zusätzliche Arbeitsplätze. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass solche grossen Unternehmen branchenverwandte Start-ups nach sich ziehen. Auch für diese hat es genügend Platz.

Was für Firmen werden kommen?

Gleich und gleich gesellt sich gern, das zählt auch in der Wirtschaft. Wir haben heute schon ein Life-Sciences-Nest am Bachgraben. Ich vermute, dass sich vor allem aus dieser Branche weitere Unternehmen ansiedeln.

Was kann der Kanton vom «Wirtschaftswunder am Bachgraben» lernen?

In Allschwil führten unbürokratische Abläufe, entscheidungsfreudige Politiker und eine effiziente Verwaltung zum Erfolg. Diese Eigenschaften kann ich heute eine Ebene höher, bei der Baselbieter Regierung und Verwaltung, beobachten. Eine erfolgreiche Massnahme ist beispielsweise der geschaffene «Welcome Desk» - eine Ansprechstelle für interessierte Unternehmen. Sie koordiniert die erforderlichen Schritte, beschafft Informationen und bringt die Unternehmer in Kontakt mit Fachstellen in der kantonalen Verwaltung.

Die Industrie-Meile von Allschwil ist für den Verkehr schlecht erschlossen, was wird sich ändern?

Mit der Landratsvorlage über die «Entwicklungsplanung Leimental - Birseck-Allschwil» hat die Baselbieter Regierungsrätin Sabine Pegoraro ein wichtiges Zeichen zugunsten der Wirtschaft und der Gemeinde gesetzt. Die baldige Realisierung dieses Projektes wird das Areal aufwerten. Im Weiteren hat der Regierungsrat beschlossen, beim Landrat die Zustimmung zur formulierten Gesetzesinitiative «Für eine Umfahrungsstrasse Allschwil» zu beantragen; dies wird einen direkten Anschluss an die Basler Nordtangente und damit an die Autobahn bringen. Das wird einen weiteren Schub auslösen.

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