Herr Scherrer, wie überrascht sind Sie von der Koalitions-Absage der EVP?

Marc Scherrer: Spätestens nach der letzten Mitte-Parteipräsidentensitzung vom vergangenen Dienstag nicht mehr allzu sehr. Dort hat sich die Absage der EVP an die Mitte abgezeichnet, wobei wegweisend gewiss bereits die Fraktionsbildung mit den Grünen im Landrat vor einigen Wochen war.

Was bedeutet dieser Schritt für Sie?

Die EVP hat die Weichen neu gestellt und sich damit definitiv aus der Mitte verabschiedet. Mit dieser Meinung stehe ich übrigens nicht alleine da, die EVP musste aufgrund ihrer Neuausrichtung in den letzten Wochen schon einige Parteiaustritte verzeichnen; diese werden sich wohl der CVP anschliessen. Es ist ein weiteres klares Bekenntnis zu einer zukünftigen linken Politik, was ich persönlich sehr bedaure.

Weshalb?

Meiner Ansicht nach braucht es in diesem Kanton einen Parteien-Block, der einen strikten bürgerlichen Mitte-Kurs verfolgt. Dies hat die EVP teilweise getan. Mit ihrem jetzigen Entscheid findet aber eine weitere Polarisierung in der Baselbieter Parteienlandschaft statt.

Was Sie kritisieren.

Ich sage es klar und deutlich: Jetzt hat sich in der Mitte immerhin die Spreu vom Weizen getrennt, und die Parteien beginnen, klar Stellung zu beziehen. Ich wiederhole: Es braucht im Baselbiet einen Parteien-Block, der für den bürgerlichen Mitte-Kurs einsteht. Die EVP bekennt sich zu ihrem Links-Kurs, während die CVP klar hin zur bürgerlichen Mitte tendiert; zumindest wenn es nach meinen Vorstellungen als Parteipräsident geht.

Dann steht für die CVP jetzt nach der geplatzten Mitte eine Listenverbindung mit dem rechtsbürgerlichen FDP/SVP-Bündnis im Vordergrund?

Die Mitte kommt in Bewegung, vielleicht akzentuiert sich eine bürgerliche Mitte aus weiteren Parteien. Möglicherweise wird es auch eine bürgerliche Mitte geben. Tatsache ist, dass es mit einer Listenverbindung mit SVP und FDP für uns mathematisch fast unmöglich wäre, unseren Nationalratssitz zu halten. Und genau das ist bis zum Herbst meine oberste Aufgabe als Parteipräsident.

Dann bleiben für Sie noch die GLP, die BDP, die Grünen-Unabhängigen und die EDU als mögliche Koalitionspartner für die Nationalratswahlen.

Momentan steht noch offen, wie die CVP in den Wahlkampf steigt, es finden weitere Gespräche statt. Wie es letztlich herauskommt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Wobei ich betonen möchte, dass den definitiven Entscheid über unsere Listenverbindungen erst die CVP-Mitglieder an der Parteiversammlung im Juni fällen werden.

Wie bedroht ist der Sitz von Elisabeth Schneider-Schneiter?

Ich bin zuversichtlich, dass wir ihn halten werden. Mehr kann ich dazu zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.