An der Spitze ist das Klima rauer. Erst zwei Monate ist er im Amt, doch CVP-Parteipräsident Marc Scherrer steht bereits im Gegenwind. Stein des Anstosses ist der Entscheid des Parteivorstandes, für die Baselbieter Regierungsratswahlen vom Februar 2015 mit SVP und FDP erst über Allianzen zu sprechen, wenn deren Kandidaten offiziell feststehen.

Bis jetzt ist dies aber noch nicht einmal bei den beiden Bisherigen Thomas Weber (SVP) und Sabine Pegoraro (FDP) der Fall. Scherrer wird nun Zögern und Hinhaltetaktik vorgeworfen – von FDP und SVP, aber auch parteiintern. Im Interview mit der bz spricht der 28-jährige Laufner Klartext.

Herr Scherrer, in der «Basler Zeitung» griff Sie der ehemalige CVP-Nationalrat Walter Jermann – immerhin auch Laufentaler und Ihr politischer Ziehvater – direkt an. Er befürchtet, dass Sie die bürgerlichen Partner SVP und FDP vergraulen und «nach links kippen». Wie ernst nehmen Sie diese Kritik?

Marc Scherrer: Ich nehme grundsätzlich jede Kritik ernst. Doch Walter Jermanns Aussagen überraschen mich schon sehr. Das höre ich so zum ersten Mal. Wir haben immerhin die vergangenen fünf Jahre im Laufental zusammen politisiert, auch im Gewerbeverein zusammengearbeitet. Da hat er mich stets als sehr bürgerlich gelobt. Andererseits ist Jermann ja bekannt für solche Manöver. Schliesslich hat er bei den Ständeratswahlen 2011 bereits einmal den SVP-Kandidaten Caspar Baader unserer Elisabeth Schneider-Schneiter vorgezogen.

Er mag der einzige CVPler sein, der nun öffentlich Stellung bezogen hat, doch auch sonst kommt das Abwarten nicht gut an.

Ich weiss nicht, ob Jermann eine Einzelmaske ist, oder nicht – zumal er sich am Dienstag bei mir entschuldigt hat. Von der breiten CVP-Basis fühle ich mich auf jeden Fall getragen. Das spüre ich im Austausch auf der Strasse. Ich stecke jetzt sicher nicht den Kopf in den Sand. Man darf nicht vergessen: Das Vorgehen habe nicht nur ich alleine beschlossen. Es wurde vom gesamten Vorstand einstimmig abgesegnet – so auch von unserem Regierungsrat Anton Lauber. Und kürzlich haben sich auch an der Sektionskonferenz alle hinter den Vorstand gestellt. Es fiel kein einziges negatives Votum. Es ist doch logisch, dass wir bei einer Kopfwahl nicht blind Parteien unterstützen können, ohne deren Kandidaten zu kennen. Das wäre verantwortungslos. Immerhin ist die Regierungswahl kein Kasperlitheater. Es geht um unseren Kanton, nicht nur um die Parteien. Entgegen der «Basler Zeitung» ist die bürgerliche Wahlallianz nicht «faktisch vom Tisch».

Auch wenn Sie nicht offiziell nominiert sind: Sabine Pegoraro und Thomas Weber wollen wieder antreten. Warum zögern Sie auch bei den Bisherigen?

Da zögern wir nicht. Wir haben der SVP und FDP immer gesagt, dass wir die Bisherigen unterstützen werden. Dazu stehe ich nach wie vor und darauf gebe ich mein Wort. Das habe ich ihnen auch schon persönlich gesagt.

Zweifeln Sie, dass Weber und Pegoraro nominiert werden?

Ich bin nicht verantwortlich für die internen Personalprobleme der anderen Parteien. Ich finde es aber bedenklich, wie SVP und FDP mit ihren Bisherigen umgehen. Gerade bei Sabine Pegoraro möchte man mit der Nomination lieber noch etwas abwarten, sie vielleicht gar nicht nominieren oder zumindest einen Gegenkandidaten stellen. Auch Thomas Weber würde von einem zweiten SVP-Kandidaten faktisch in Bedrängnis gebracht. Das ist nicht Teil der Abmachung mit dem Ziel, die Bisherigen wieder hineinzubringen.

Was wäre Ihr Wunsch-Bündnis?

Das abgemachte Vorgehen wie bei den letzten Ersatzwahlen. Ein bürgerliches Viererticket mit den drei Bisherigen Lauber, Pegoraro und Weber sowie Matthias Imhof von der BDP.

Die BDP unterstützen Sie doch bloss, damit im Herbst 2015 bei den Nationalratswahlen wieder ein Mitte-Bündnis möglich ist ...

Natürlich spielt der Nationalrat bei unseren Überlegungen auch eine Rolle. Aber das ist sekundär. Die BDP ist ein bürgerlicher Partner und war auch bei der zuletzt oft betonten Zusammenarbeits-Vereinbarung dabei. Das wiederum scheinen SVP und FDP vergessen zu haben. Matthias Imhof werden wir zu Hearings einladen. Am Ende entscheidet der Parteitag.

2011 kandidierte Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter auch für den Ständerat. Für 2015 ist es diesbezüglich aus CVP-Reihen erstaunlich ruhig. Was für eine Taktik fahren Sie bei dieser Frage?

Wir werden all unsere Kräfte in die Verteidigung des Nationalratssitzes stecken. Ich kann also bereits ausschliessen, dass die CVP eine Ständerats-Kandidatur anstrebt. Wir unterstützen aber einen bürgerlichen Kandidaten.