Abenteuer

Marina Wasserfallen: Die Balletttänzerin aus Oberdorf versucht sich in China

Marina Wasserfallen: «Vorerst möchte ich tanzen und viel Bühnenerfahrung sammeln.»

Marina Wasserfallen: «Vorerst möchte ich tanzen und viel Bühnenerfahrung sammeln.»

Weshalb die junge Tänzerin Marina Wasserfallen in eine neue Welt aufbricht und was sie sich dort erhofft.

Ungewöhnlich wird Marina Wasserfallens nächster Flug. Denn damit beginnt für sie eine Zeit mit vielen Unbekanntem. Die junge Balletttänzerin reist bald nach China, um dort ihre Profikarriere zu lancieren. Ihr Vertrag dauert vorerst ein Jahr.

Für den Familienmenschen, der drei Brüder und zwei Schwestern hat und an Wochenenden gerne mit der Familie zusammen ist, wird es nicht einfach: weit weg von zu Hause, andere Kultur, andere Mentalität. «Ich habe schon Respekt vor diesem Abenteuer, aber ich freue mich sehr», sagt die 18-jährige Oberdörferin, die vergangenen Sommer ihre Ausbildung zur diplomierten Bühnentänzerin EFZ an der Tanzakademie in Zürich abgeschlossen hat.

Marina Wasserfallen tritt nächsten Monat in eine internationale Ballett-Kompanie in Kunming, Hauptstadt der Provinz Yunnan, ein. Sie war noch nie in China und setzt ihren Fuss auf geografisches Neuland. Die Oberbaselbieterin weiss jedoch, dass die dortige Kompanie, der keine Chinesen angehören, ein russischer Direktor leitet. Sie geht davon aus, dass es «schon etwas anders» sein, aber kein typisch chinesischer Drill herrschen wird. Man werde abgehärtet, schon in der Schule, und gewöhne sich daran. «Ich muss mich auf etwas einlassen, auch wenn ich nicht genau weiss, worauf.» Das sei im Ballett immer ein wenig so. «Aber das ist auch spannend», betont sie.

Im letzten Jahr ihrer Ballettausbildung suchte Marina Wasserfallen – wie alle ihre Kolleginnen und Kollegen – einen Job. Für sie sei klar gewesen, dass sie ins Ausland will, weil es in der Schweiz wenige Möglichkeiten gibt. Die Oberdörferin tanzte an mehreren Orten in Europa vor und bewarb sich mit Videos unter anderem in China. Schliesslich erhielt sie aus Kunming einen Vertrag.

Schon früh vom Ballett gepackt

Angefangen hat die Balletttänzerin bereits mit fünf Jahren. Zu Beginn besuchte sie als Kindergartenschülerin die Ballettschule von Marina Amiet in Oberdorf nur zögerlich. «Meine beste Kollegin war dort und forderte mich auf, einmal mitzukommen», erzählt die heute 18-Jährige. Je länger sie zuerst zusah und später aktiv mitmachte, desto mehr «packte es» sie und sie fand Gefallen am Ballett. Danach ging alles schnell. Sie habe immer mehr und mehr getan, als Elfjährige trainierte Marina Wasserfallen sechsmal wöchentlich. Parallel dazu belegte sie Lektionen an einer Ballettschule in Olten. Ihre Leidenschaft war ihr bald wichtiger als die Schule. «Ja, das ist so», lacht sie, «aber ich war immer eine gute Schülerin», macht sie deutlich.

Marina Wasserfallen wollte professionell weitermachen, weil «ich wusste, dass es mein Traum ist, Balletttänzerin zu werden». Im August 2011 trat sie, nach dem Bestehen verschiedener Eintrittstests, in die Tanzakademie Zürich ein. Dort lebte sie mit anderen Schülerinnen und Schülern aus aller Welt in einem Internat. «Das war nicht einfach. Ich bekundete ein, zwei Jahre Mühe und hatte auch Heimweh», erinnert sich die junge Ballerina. Sprachlich profitierte sie, es wurde Englisch geredet.

Während ihrer vierjährigen Grundausbildung an der Tanzakademie, wo sie jeweils von mittags bis abends Training hatte, machte sie ihren Sekundarabschluss an der Kunst- und Sportschule in Zürich. Daraufhin schaffte sie die Aufnahmeprüfung für ihre dreijährige Lehre zur Bühnentänzerin. Den ganzen Tag war sie auf den Beinen – von 9 bis 19 Uhr – «und dann stets total müde». Jeweils im Winter und Sommer hatte die Baselbieterin mit der Tanzakademie grosse Auftritte, unter anderem im Opernhaus Zürich. Manchmal wurde die Schule für private Anlässe engagiert und bot Galavorstellungen.

Die hohe Kunst des Balletts ist, dass die Bewegungen schön und leicht aussehen, als kosteten sie keine Kraft. Wie viel Arbeit dahintersteckt, entgeht dem Publikum. Das wissen nur Eingeweihte. Wasserfallen bringt die nötigen körperlichen Voraussetzungen mit für eine Profikarriere. Das wird schon früh im Kindesalter unter die Lupe genommen. Sie ist beweglich, belastbar, ihr Muskelaufbau stimmt, und sie ist wenig anfällig für Knochenbrüche. Ermüdungsbrüche an Füssen und Schienbeinen sind wegen der körperlichen Belastung die häufigste Verletzung bei Balletttänzerinnen und -tänzern.

Visum sollte bald eintreffen

Diese können bis ins Alter von maximal 40 Jahren auf höchstem Niveau tanzen – je nachdem, wie der Körper mitmacht. Marina Wasserfallen hatte bisher wenige Probleme. Die Pläne nach ihrer Karriere hält sie bewusst offen. Sie sehe viele Wege, wisse aber nicht wirklich, wohin es sie verschlage. «Vorerst möchte ich tanzen und viel Bühnenerfahrung sammeln, während dieser Zeit verändert sich sehr viel.» Interessiert ist sie etwa an der Anatomie des Körpers und an Choreografie.

Bis nächsten Montag sollte das Visum eintreffen. Dann dürfte es schnell gehen und Marina Wasserfallen bald abheben nach China, um wirklich fremde Luft zu schnuppern. «Dafür habe ich jahrelang trainiert», sagt sie. Ihr Ziel ist, eine Kompanie zu finden, in der sie sich wohlfühlt und ein paar Jahre bleiben kann, um aufzubauen und immer bessere Rollen zu tanzen. Schliesslich will sie von ihrem Beruf auch leben können.

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