Autobus AG Liestal

Marken-Flop: Aktionäre sind entsetzt über das neue AAGL-Logo

© Juri Junkov

Die Kritik daran, dass aus dem Logo der Autobus Liestal AG das «Liestal» entfernt wurde, erfasst die Aktionäre.

Quer durch die politischen Lager sorgt der neue Namenszug auf den Bussen der Autobus AG Liestal (AAGL) für Empörung im Stedtli: Sowohl der alt Landratspräsident Fritz Epple (SP) als auch der Liestaler Einwohnerrat Hanspeter Meyer (SVP) und dessen Frau Maja lehnen in ihren Leserbriefen die neue Beschriftung ab. Grund: Das neue Logo «Auto Bus AG» lässt das «Liestal» einfach weg.

Bemerkenswert: Sowohl Epple als auch Meyer sind Aktionäre der AAGL und haben sich bisher mit der Firma stark identifiziert.

Busse als Liestal-Botschafter

«Ich habe früher den Bus für Firmen- oder Vereinsausflüge immer bei der AAGL gebucht und darauf geachtet, dass wir einen Bus hatten, bei dem ‹Liestal› draufstand», erinnert sich Meyer. So habe der Bus Liestal in die Welt hinausgetragen.

Aus Sympathie habe er dann im Umfeld des AAGL-Jubiläums ein paar Aktien gekauft. «Und nun gibt es beim Café Mühleisen ein Gelächter, wenn so ein ‹Auto Bus› vorbeifährt.» Dieser öffentliche Sympathieverlust schmerzt. Meyer weiss auch von anderen Aktionären, die mit den aktuellen Vorgängen bei der AAGL nicht einverstanden sind, will aber keine Namen nennen: «Sie machen die Faust im Sack.» Sein Fazit: «Wenn man angesichts der bevorstehenden Ausschreibung der Buslinien nicht weiss, wie es weitergeht, ist eine derartige Hauruckübung hinausgeworfenes Geld. Die Namensänderung ist das ‹Tüpfli› auf dem i». Entsprechend haben er und seine Frau der AAGL ihre Aktien zum Rückkauf angeboten.

«Eine meiner schwersten Zeiten»

Noch enger ist die emotionale Beziehung Epples zur AAGL. Für deren Unabhängigkeit setzte er in den 80er-Jahren sogar seine Stelle aufs Spiel. Er war beim Kanton angestellt als Leiter der Schul- und Büromaterialverwaltung. Zugleich war er Verwaltungsrat der AAGL respektive der Wasserfallen Transport AG (Watrag), zu der die Autobus AG damals gehörte. Und gemeinsam mit drei anderen Verwaltungsräten klagte er gegen die Baselbieter Regierung – seinen Arbeitgeber.

Eigentlich möchte Epple «nicht mehr im Kessel rühren», denn er habe damals unter den Spannungen «schwer gelitten». Doch die Unabhängigkeit der AAGL war «eine Herzensangelegenheit».

Als Epple in den Verwaltungsrat der Watrag eintrat, erinnert er sich, war die AAGL bereits saniert. Zuvor hatte sie aber finanzielle Engpässe zu überwinden und in Schweizerhalle bei der Saline Treibstoff mangels Liquidität mit Watrag-Aktien bezahlt. Der damalige Direktor der Baselland Transport AG (BLT) habe die AAGL in die BLT integrieren wollen und den Regierungsrat Paul Nyffeler (FDP) von dieser Idee überzeugt. «Die Regierung hat dann heimlich das Watrag-Aktienpaket der Saline gekauft und hatte plötzlich die Mehrheit», erinnert sich Epple. Sie habe fünf Regierungsvertreter im neunköpfigen Verwaltungsrat installiert. «Unsere Viererbande war in der Minderheit. Wir hatten im Landrat aber die Geschäftsprüfungskommission auf unserer Seite. Und als wir klagten, hat sich der Regierungsrat zurückgezogen.»

Die damalige Watrag-Affäre, die nicht zuletzt zum wutentbrannten Austritt des FDP-Nationalrats Karl Flubacher aus der Partei führte, kann an dieser Stelle nicht detailliert beschrieben werden. Unter anderem spielten auch Unstimmigkeiten in der Buchhaltung der AAGL eine Rolle. Hier geht es vielmehr darum, dass mit Epple ein Mann, der sich damals vorhalten lassen musste, dass er sich als Sozialdemokrat für eine Privatfirma stark mache, und der sich erinnert «dies war eine meiner schwersten Zeiten», sich jetzt «arg enttäuscht» zeigt.

Dass er bezüglich des neuen Logos das «Eigengoal» der AAGL kritisiert und den Abbruch der Übung fordert, heisst aber nicht, dass er die Fusion mit der BLT befürworten würde: «Dass die Regierung wieder so einen ‹Seich› will, verstehe ich nicht.»

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