Analyse

Maya Graf ist neue grüne Ständerätin – und die logische Wahl im Baselbiet

Die Wahl von Maya Graf (Grüne) zur neuen Ständerätin im Baselbiet hat nur wenig mit der aktuellen «grünen Welle» zu tun, kommentiert bz-Landchef Bojan Stula. Vielmehr fusst sie auf ungebrochener Popularität und hoher Glaubwürdigkeit im ganzen Kanton.

Der Kreis hat sich geschlossen: Als vor etwa drei Jahren erstmals ruchbar wurde, dass sich Maya Graf für die Nachfolge von SP-Ständeherr Claude Janiak in Stellung bringt, lautete die damalige Prognose: Wenn Graf tatsächlich antritt, dann wird sie auch gewählt – egal gegen welche Konkurrenz, egal welcher politische Wind gerade weht. Jetzt hat sich diese Voraussage erfüllt. Die diplomierte Sozialarbeiterin und Biobäuerin aus Sissach ist die erste Ständerätin in der Geschichte des Kantons Baselland. Nicht unbedingt historisch, aber gleichwohl bemerkenswert ist auch, dass es Graf als erste Linke seit 1979 geschafft hat, einen zweiten Wahlgang im Landkanton für sich zu entscheiden.

Dabei hat Grafs Wahl nur wenig mit der aktuellen «grünen Welle» zu tun, die in den zweiten Wahlgängen anderer Kantone bereits wieder verebbt ist. Vielmehr fusst diese auf ihrer ungebrochenen Popularität und hohen Glaubwürdigkeit quer durch alle Bevölkerungsschichten. Inwiefern die unentschlossenen Nicht-Brieflichstimmenden in den letzten Tagen durch Regula Rytz’ grüne Bundesrats-Machtansprüche abgeschreckt wurden, und die Abstimmung zur Steuervorlage 17 zusätzliche bürgerliche Wählerschichten mobilisiert hat, muss Spekulation bleiben.

Konkurrentin Daniela Schneeberger kann jedenfalls den knappen Wahlausgang als persönlichen Achtungserfolg abbuchen. Ihre einzige Chance, Graf zu schlagen, packte die FDP-Frau dagegen nicht. Der Versuch, die Grüne Sissacherin als untaugliche, da am extremen linken Rand positionierte Kantonsvertreterin abzustempeln, verpuffte auch deshalb, weil Schneebergers eigene Mitte-Avancen und angebliche Umweltschutz-Bestrebungen angesichts ihres tatsächlichen Abstimmungsverhaltens im Nationalrat zu wenig überzeugten.

Maya Graf ist gewiss eine würdige erste Baselbieter Ständerätin. Hingegen muss sie erst noch unter Beweis stellen, nicht nur wie bisher dezidiert feministisch-ökologische Positionen zu vertreten, sondern sich im Stöckli gleichermassen auch für das Baselbiet wichtige Infrastruktur- und Wirtschaftsförderungsmassnahmen einzusetzen.

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