Der Anruf erreichte die Baselbieter Polizei kurz vor 9 Uhr am Sonntagmorgen: In Rünenberg gäbe es einen Nachbarschaftsstreit, hiess es, und zwar einen mit Schussabgabe. Als das Aufgebot inklusive Sanität und Rega am Zielweg eintraf, fand sie vor dem Haus einen Toten und im Haus einen Schwerverletzten vor. 

Der Schwerverletzte war der 57-jährige Basler Medien-Anwalt Martin Wagner. Er verstarb noch am Tatort, trotz Reanimationsversuchen. Der Täter war ein 39-jähriger Schweizer, ein Mann aus der Nachbarschaft. Vor dem Haus nahm er sich selbst das Leben. Angaben zum Ablauf, ob der Täter gewaltsam eindrang oder eingelassen wurde und weitere Details gibt die Polizei noch nicht bekannt.

Motiv wohl im privaten Umfeld

Das Motiv verortet die Polizei im privaten Umfeld, wie es gleichentags an einer eilends einberufenen Medienkonferenz hiess. Mit Wagners breit vernetzter Arbeit als Anwalt habe die Tat wahrscheinlich nichts zu tun. Wagners Haus war am Sonntag grossräumig abgesperrt.

Wagner hatte erst im im September seine Frau nach schwerer Krankheit verloren. Er hinterlässt drei Kinder. Im Sommer 2017 hatte er noch eine neue Anwaltskanzlei mit zwei Partnern gegründet, nachdem er eine andere verlassen hatte.

Verknüpft mit der "Basler Zeitung"

Der umtriebige Medien-Anwalt war unter anderem für die "Basler Zeitung" tätig und galt zwischenzeitlich kurz auch als deren Verleger, bis sich zeigte, dass hinter dem damaligen Käuferkonstrukt SVP-Politiker Christoph Blocher stand. Wagner vertrat mit seinen Kanzleien stets prominente Käufer- und Verkäuferkreise der Schweizer Medienszene.

Zuletzt sorgte ein Deal für Schlagzeilen, bei dem die "Blick"-Gruppe aus dem Ringier-Konzern hätte gelöst werden sollen. Nach Angaben Wagners ging es darum, aus dem "Blick" eine Sport- und Entertainmentplattform zu machen.

Enger Weggefährte des FCB-Präsidenten

Wagner arbeitete auch seit Jahrzehnten eng mit FCB-Präsident Bernhard Burgener zusammen. Unter anderem war Wagner operativ im Handel mit den Champions League-Rechten tätig. Die Zusammenarbeit zwischen Burgener und Wagner reicht weit zurück, als Burgener noch sein erstes Videohandelsgeschäft an Ringier verkauft hatte.

Mit Martin Wagner ist am Sonntag einer der streitbarsten und schillerndsten Exponenten der Schweizer und besonders der Basler Medienszene gestorben. Die Ermittlungen dauern an.