Denkmalschutz

Mehr Geld für unsere Denkmäler: Baselbieter Landrat erhöht Subventionen

650 Objekte, darunter die jüngst restaurierte Kirche St.Stephan in Therwil, sind im Baselbiet kantonal geschützt.

650 Objekte, darunter die jüngst restaurierte Kirche St.Stephan in Therwil, sind im Baselbiet kantonal geschützt.

Der Baselbieter Landrat spricht sich ganz knapp für höhere Subventionen beim Denkmalschutz aus. Von 2021 bis 2024 gibt es pro Jahr 100'000 Franken mehr.

Rund 650 Objekte, darunter bekannte Schlösser und Kirchen, aber auch Wohn- und Geschäftshäuser, Tore, Dorfbrunnen oder Gartenanlagen, stehen im Baselbiet unter kantonalem Denkmalschutz. Obwohl wegen Corona derzeit die Prioritäten woanders liegen, will der Landrat dem Denkmalschutz mehr Gewicht verleihen: Er hat die Subventionen, die von 2021 bis 2024 für denkmalschützerische Massnahmen zur Verfügung stehen, um 100'000 Franken pro Jahr erhöht.

Der entsprechende Antrag der SP wurde mit 40 zu 38 Stimmen bei 2 Enthaltungen knapp gutgeheissen. Insgesamt stehen somit für die kommenden vier Jahre 1,6 Millionen bereit – 400'000 Franken pro Jahr.

Schutz des Erbes sei nicht bloss «nice to have»

Im Grundsatz waren die Subventionen unbestritten, doch über die Erhöhung wurde gestern im Parlament leidenschaftlich debattiert. Der Schutz und Erhalt unseres kulturellen Erbes sei eine wichtige öffentliche Aufgabe, sagte Thomas Noack (SP, Bubendorf). «Das ist nicht bloss ‹nice to have›.» Die Unterschutzstellung eines Gebäudes sei für den Eigentümer mit Auflagen verbunden; da sei es nichts anderes als recht, dass sich der Kanton an den Kosten für denkmalpflegerische Massnahmen beteilige, führte er aus.

Zudem sind die Kantonsbeiträge teilweise Voraussetzung dafür, dass sich der Bund oder Dritte an solchen Arbeiten beteiligen. Nach Ansicht Noacks reichen die bisherigen Gelder nicht aus, um die nötigen Renovationsarbeiten durchzuführen. Auch gab er zu bedenken, dass der Kanton im Zuge der Sparmassnahmen die Subventionen markant gekürzt hatte.

Dem widersprach der zuständige Baudirektor Isaac Reber (Grüne) nicht. Er verwies aber auch darauf, dass quasi zur Kompensation in den vergangenen Jahren grössere Projekte aus anderen Töpfen wie etwa dem Swisslos-Fonds alimentiert wurden. Prominente Beispiele sind der Dom von Arlesheim und die Katharinenkirche von Laufen. Dieser Weg steht Antragstellern auch künftig offen. Eine weitere Möglichkeit für grössere Projekte sei, über eine ordentliche Vorlage an Kantonsgelder zu gelangen, so Reber. Vor diesem Hintergrund sahen die Gegner im Parlament denn auch keinen Grund, die Mittel in der ordentlichen Ausgabenbewilligung zu erhöhen.

Schöne, aber letztlich tote Bauerndörfer?

Als deren Wortführerin erwies sich Susanne Strub (SVP, Häfelfingen). Damit die alten Oberbaselbieter Bauerndörfer lebendig bleiben, müssten auch unbürokratische Umbauten zugelassen werden, sagte sie und fragte: «Was nützt eine ästhetisch schöne Dachlandschaft, wenn die Lebensqualität in den betreffenden Häusern nicht stimmt?»

Ihrer Ansicht nach verteuern zu grosse Auflagen und Einschränkungen seitens des Denkmalschutzes die Sanierungsprojekte und behindern ein zeitgemässes Wohnen. Entsprechend kritisch sah Strub höhere Subventionen. «Wenn die Denkmalpflege weniger in Sanierungsprojekte dreinreden und nicht unnötig verteuern würde, wären die Privaten eher gewillt, einen Umbau an die Hand zu nehmen.»

Anreize setzen für die notwendige Sanierung

Pascal Ryf (CVP, Oberwil) nahm Strubs Bedenken auf, plädierte aber gleichwohl für höhere Mittel: Gebäude zu restaurieren sei nicht immer einfach. Der Eigentümer habe vielleicht andere Ideen als die Denkmalpflege. «Deshalb sollten wir diese aber nicht abstrafen», sagte Ryf. Im Gegenteil: Höhere Kantonsbeiträge könnten einen Anreiz setzen, dass eine notwendige Sanierung in Angriff genommen werden kann. Davon profitiere auch der Eigentümer.

Mehrere Votanten verwiesen zudem darauf, dass denkmalpflegerische Aspekte im Baselbiet zu kurz kämen. So erfreue man sich zwar als Tourist über die hübschen Dörfer im Tessin oder Wallis, tue aber selber nur wenig zum Schutz unserer Ortsbilder. «Aus dem Baselbiet soll kein Ballenberg werden, aber wir dürfen schon stolz sein auf unser kulturelles Erbe», sagte Roger Boerlin (SP, Muttenz).

Nach dem knappen Ja zur Erhöhung wurden die Subventionen für die kommenden vier Jahre in der Schlussabstimmung deutlich mit 50 zu 27 Stimmen bei 2 Enthaltungen gutgeheissen.

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