Umweltschutz

Mehr Humus gegen den Klimawandel – Geld für die Bauern, die CO2 im Boden speichern

Kantonalbank und Ebenrain wollen Bauern für jede Tonne CO2 entschädigen, die sie durch Humusaufbau in Ackerböden speichern.

Goldene Weizenmeere laufen auf feuchtgrüne Wiesen und Weiden auf, in der Ferne die sanften Jurahügel, bedeckt von Wäldern und Obstanlagen: Das Ebenbild eines idyllischen und fruchtbaren Baselbiets ist durch die Klimaerwärmung bedroht. Die Trockenheit von 2018 gab der Region einen Vorgeschmack davon, was kommen könnte: Ausgedörrte Buchen, gelbe Wiesen, deren Gras von der gnadenlosen Augustsonne verbrannt wird, während Niederschläge immer mehr auf sich warten lassen.

Wohl kein anderer ist sich der anspruchsvollen Lage im Baselbiet mehr bewusst als Lukas Kilcher, Leiter des Ebenrain-Zentrums für Landwirtschaft, Natur und Ernährung in Sissach. «Das Baselbiet ist verletzlicher als andere Regionen: Wir verzeichnen höhere Temperaturen und weniger Niederschlag. Unsere tonigen Juraböden trocknen schneller aus, und wir haben kaum natürliche Gewässer für die Bewässerung», erklärt der Agraringenieur.

Klimaschutz durch Humusaufbau

Der Ebenrain entwickelt deshalb ein Pilotprojekt, um einen Beitrag zu leisten für den Klimaschutz. «Es geht nicht nur darum, den eigenen CO2-Ausstoss zu reduzieren, sondern den Gehalt der Treibhausgase in der Atmosphäre zu reduzieren.» Der Boden spielt dabei eine wichtige Rolle: In der Fotosynthese binden die Pflanzen bei der Synthese von Traubenzucker CO2 aus der Atmosphäre, das in Form von Biomasse im Boden fixiert wird. Dadurch entsteht mit der Zeit Humus. So würden die Bauern ihre Böden auch resilienter für den Klimawandel machen: Humus erhöht nämlich die Speicherfähigkeit der Äcker und Wiesen für Wasser und Nährstoffe. Auf humusreicheren Böden ist die Erntesicherheit grösser bei Hitze und Trockenheit.

Der Ebenrain propagiert deshalb humusaufbauende Techniken, zum Beispiel die Felder ganzjährig grün zu lassen (statt im Winter unbewachsen), Maisfelder, Reben und Obstanlagen mit Untersaaten zu begrünen, organische Dünger einzusetzen, Ernteresten auf dem Feld zu lassen und so weiter. Der Boden sollte zudem so schonend wie möglich bearbeitet werden, um den Humus nicht durch Oxydation wieder zu verlieren.

Diese Massnahmen sind relativ neu und bisher wenig erforscht. Bund und Kanton Solothurn unterstützen bereits seit 2017 ein Ressourcenprogramm, das humusfördernde Massnahmen den Bauern schmackhaft machen will. Letztes Jahr berichtete die «Sonntagszeitung von einem Berner Landwirt, der mit ähnlichen Techniken arbeitet und diese auch als SVP-Politiker in seinem Kanton aktiv fördert. Indessen prüft eine Arbeitsgruppe des Bundesamts für Landwirtschaft, wie man die visionäre Anbaumethode ins Direktzahlungssystem integrieren könnte.

100 Franken pro Tonne gespeichertes CO2

Das Spezielle am Baselbieter Projekt liegt in einer Synergie mit einem Akteur aus der Finanzbranche: der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB). Diese ist auf den Ebenrain zugegangen und hat ihr Interesse am Aufbau eines gemeinsamen Klimaschutzprojekts in der Region kundgetan. Sie möchte die Pionierarbeit im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsziele unterstützen. «Die BLKB trägt als Bank eine Verantwortung zur Bekämpfung des Klimawandels, aber auch eine Verantwortung gegenüber der nachhaltigen Entwicklung des Baselbiets», sagt Marilen Dürr, Leiterin Nachhaltigkeit der Basellandschaftlichen Kantonalbank.

Das Projekt will aber nicht bloss die Massnahmen unterstützen, sondern deren Wirkungen messen und entsprechend belohnen. Dazu möchte der Ebenrain das Projekt vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick wissenschaftlich begleiten lassen und die Fortschritte regelmässig messen anhand von Bodenanalysen. Lukas Kilcher und sein Team haben ausgerechnet, dass pro Jahr 1000 Tonnen CO2 im Boden gespeichert werden könnten, würden auf 1000 Hektaren Ackerland humusfördernde Massnahmen angewendet.

Dabei will die BLKB den Bauern pro Tonne neu gespeichertes CO2 100 Franken jährlich auszahlen. Das Projekt startet dieses Jahr und dauert mindestens bis 2026. Der Ebenrain ist nun daran, Bauern für dieses Projekt zu gewinnen. Kilcher ist zuversichtlich: «Der Nutzen für Landwirtschaftsbetriebe geht weit über Kompensationszahlungen hinaus. Es ist im ureigenen Interesse der Bauern, ihre Böden für den Klimawandel fit zu machen und fruchtbar zu halten.

Das Potenzial dieser humusaufbauenden Massnahmen könnte riesig sein: Gemäss Berechnungen des französischen Agrarforschungsinstituts Inra könnte der weltweite CO2-Ausstoss theoretisch kompensiert werden, wenn der Humusgehalt auf allen landwirtschaftlichen Böden jährlich um bloss vier Promille erhöht würde.

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