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Miese Stimmung bei «Radio Basel»

Der Start von «Radio Basel» war höchst anspruchsvoll. Nach Kapitalschnitt, Entlassungen und Partnersuche herrscht heute Tristesse. archivbild keystone

Der Start von «Radio Basel» war höchst anspruchsvoll. Nach Kapitalschnitt, Entlassungen und Partnersuche herrscht heute Tristesse. archivbild keystone

Der Journalisten-Verband Impressum wehrt sich gegen Entlassungen bei «Radio Basel» und fordert einen Sozialplan. Die Angestellten des Lokalsenders sich verunsichert. Die Stimmung sei auf einem Tiefpunkt, sagt ein Betroffener.

Der deutsche Medien- und Touristikunternehmer Karlheinz Kögel hat grosse Pläne mit «Radio Basel»: «Ich will daraus ein Radio machen, das die Chance hat, die Marktführerschaft in Basel zu übernehmen», sagt er dem «Sonntag».

Seine hehren Worte sind jedoch ein starker Kontrast zur Stimmung, die derzeit bei «Radio Basel» herrscht: «Wir sind verdammt hässig – die Stimmung ist auf einem Tiefpunkt», sagt ein Betroffener aus dem Umfeld der Redaktion. Grund dafür sind Entlassungen und die Tatsache, dass die Redaktion bislang noch immer keine genauen Informationen über die künftige Ausrichtung des Senders erhalten hat.

Auf Fragen des «Sonntags» zu den Entlassungen äussert sich Kögel nicht. Pauschal erklärt er: «Die Pläne für 2012 sind nicht finalisiert, und es wird zwangsweise auch Kostenanpassungen geben müssen.» In einem E-Mail an die Mitarbeitenden hatte Kögel im November geschrieben, dass das Radio jeden Monat «Verluste im sechsstelligen Bereich» mache: «Wir sind deshalb gezwungen, die Kosten massiv zu senken, um so schnell wie möglich in die schwarzen Zahlen zu kommen.»

Kündigungen zurückgezogen

Seither ist bereits wieder über ein Monat vergangen. Die verfahrene Situation will der Journalistenverband Impressum nicht länger hinnehmen. «So geht das nicht», sagt Zentralsekretärin Beatrice Gurzeler. In einem vierseitigen Brief vom 22. Dezember weist der Verband Kögel auf Missstände hin.

So sei seit Mitte September mindestens sieben Angestellten schriftlich gekündigt worden. Dazu erfuhren fünf Studenten, welche nachts im Studio Telefonanrufe entgegennahmen, mittels SMS, dass man auf ihre Dienste künftig verzichte. Diese fünf Kündigungen seien zurückgezogen worden. Die Studenten hätten ein Angebot, zu schlechteren Konditionen weiterzuarbeiten.

Für den Verband Impressum ändert dies aber nichts an der Tatsache, dass über zehn Kündigungen erfolgt seien. Es handle sich somit nach Obligationenrecht um eine Massenentlassung, vor der das Unternehmen die Arbeitnehmer genau benachrichtigen und ihnen die Möglichkeit geben müsse, Vorschläge gegen den Abbau der Stellen zu machen. Laut Impressum hat das Radio damit auch gegen die «Erklärung der Rechte und Pflichten der Journalisten» verstossen. Der Verband fordert von Kögel, «umgehend wirksame Massnahmen für die Abfederung der erfolgten Kündigungen umzusetzen».

Nur ein kleiner Fisch

Die Journalisten-Vertreter verlangen von Kögel zusätzlich, dass die Angestellten in die Planung der Neuausrichtung des Senders einbezogen werden. Fest steht bisher einzig, dass Kögel emsig einen starken Partner für das Radio sucht. In der Branche heisst es, dass Radio Energy von Ringier in den Startlöchern stehe. Weder Ringier noch Kögel wollten dies bestätigen: «Wir sind in der komfortablen Situation, mehrere Optionen zu haben», behauptet Kögel. Entschieden sei aber noch nichts.

Ein anderer möglicher Partner winkt ab. Entertainment-Unternehmer Martin Wagner, einst Besitzer von «Radio Basilisk», sagt, er sei an «Radio Basel» nicht interessiert.

Für Grossunternehmer Kögel, Gründer von L’tur und Media Control, ist «Radio Basel» nur ein kleiner Fisch. Kürzlich hat er das neue grosse Reiseportal www.hlx.com unter dem Motto «Bester Urlaub, Bester Preis» gestartet. «Erfolgreich», sagt der Erfolgsverwöhnte. Bei Radio Basel aber, das er im Oktober 2009 mit seinem alten Kollegen Christian Heeb lancierte, ist der finanzielle Erfolg ausgeblieben: trotz grossen Erwartungen und einem «Radio für Erwachsene» mit journalistisch höchsten Ansprüchen. Anfang 2011 musste das Radio wegen Verlusten in Millionenhöhe gar einen Kapitalschnitt und eine Rekapitalisierung von gegen sechs Millionen Franken durchführen.

Zwei Sendungen gestrichen

Ende Oktober 2011 hatte Heeb genug: Er zog sich zurück und überliess seine Aktien Kögel, der seither Alleineigentümer ist. Nach dem eitlen Start stellt Kögel den Sender jetzt auf ein kostengünstigeres Fundament. Bis zur neuen Struktur führen Unternehmensberater Thomas Recher aus Buus als kommerzieller Leiter und Nicolas Drechsler, der erst kürzlich von Telebasel kam, als Programmleiter den Radiosender.

Ausser Nachrichtensendungen in der Nacht haben die beiden bislang keine Sendungen gestrichen. Auch die Sendung «Presseclub» nicht, die Franz C. Widmer 2012 weiterführen will. Der Verband Impressum will prüfen, ob der Sender mit den Entlassungen und allfälligen Programmanpassungen die Bedingungen seiner Konzession noch erfülle. Sollten sich Hinweise verdichten, erwägt Impressum eine Meldung ans Bundesamt für Kommunikation.

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