Rosentalhäuser

Mieter kämpfen für ihre günstigen Wohnungen

Von der Fassade der Rosentalhäuser blättert bereits die Farbe ab. Die Zürich Versicherung als Eigentümerin scheint nicht mehr allzu viel in die Bausubstanz zu investieren. Foto: Martin Töngi

Von der Fassade der Rosentalhäuser blättert bereits die Farbe ab. Die Zürich Versicherung als Eigentümerin scheint nicht mehr allzu viel in die Bausubstanz zu investieren. Foto: Martin Töngi

Gegen den geplanten 46 Meter hohen Büro- und Wohnturm der Zürich Versicherung hagelt es Einsprachen. Der jahrelange Streit um den Abbruch der Mietshäuser an der Rosentalstrasse geht in eine weitere Runde.

Der jahrelange Streit um den Abbruch der Mietshäuser an der Rosentalstrasse 9 bis 13 geht in eine weitere Runde. Gestern endete die Planauflage für das neue Bauprojekt im Schatten des Messeturms. Beim Bau- und Verkehrsdepartement sind etliche Einsprachen dagegen eingegangen. Der Mieterverband (MV), der im Verfahren die Anwohner vertritt, zieht mit einer langen Liste an Argumenten gegen die Pläne der Zürich Versicherung ins Feld. Diese sehen einen 14-stöckigen, 46 Meter hohen Turm mit Büros und Luxuswohnungen vor. Das Basler Volk habe sich bereits 2002 für den Erhalt der Rosentalhäuser ausgesprochen, argumentiert der MV. Auch das zweite Bauprojekt ignoriere diesen Willen. «Das ist reine Zwängerei», schreibt der MV in seiner Stellungnahme zu den Einsprachen.

Büros und Appartments auf Vorrat

Weder für neue Büroflächen noch für Luxuswohnungen bestehe derzeit Bedarf, kritisiert der MV: «Basel ist nicht Zürich. Der Markt für Luxuswohnungen ist ausgeschöpft», findet Beat Leuthardt, stellvertretender Geschäftsleiter des MV. Ähnliches gelte für neue Büros: In diesem Segment haben sich die leer stehenden Flächen gemäss Aufstellung des Statistischen Amtes seit 2001 vervierfacht.

Demgegenüber würde der Abbruch der Rosentalhäuser bezahlbaren Wohnraum vernichten und somit gegen das Abbruchgesetz verstossen, argumentiert Leuthardt. Die 39 Wohnungen werden für 1100 bis 1300 Franken pro Monat vermietet – inklusive Nebenkosten. Die 1947 erstellten Mietshäuser zählen zu den ältesten in Basel mit eingebautem Lift. «Die Mieterschaft ist sehr durchmischt und reicht von der alleinerziehenden jungen Frau bis zum Rentner, der sein ganzes Leben hier gewohnt hat», stellt Leuthardt klar. Das Luxusprojekt des Versicherers gefährde die soziale Durchmischung und den Charakter des Quartiers.

Kritik äussert der Verband aber nicht «nur» am Projekt selbst, sondern auch am Bau- und Verkehrsdepartement: Die Planauflage sei lückenhaft und ein «liebedienerisches Werk» der Behörden gegenüber dem Versicherer. Schon bei Publikation der Pläne Ende Februar stellte MV-Geschäftsleiterin Patrizia Bernasconi fest: «Der milliardenschwere Konzern scheint dem Kanton wichtiger zu sein als bezahlbarer Wohnraum.»

Allerdings stösst das Bauprojekt der Zürich in der Nachbarschaft nicht überall auf Ablehnung: «Wir stehen den Plänen positiv gegenüber», betont Petra Emmel, Direktorin des Hotels Ramada Plaza im Messeturm. Dies, obwohl die Aussicht aus den nordöstlich gelegenen Hotelzimmern durch den Neubau etwas verstellt werden dürfte. Dieser werde nach oben hin zurückversetzt, gibt Emmel zu bedenken. Ausserdem werde es keine direkte Einsicht von Hotelzimmern in Wohnungen und Büros des «Zürich»-Turms geben.

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