Mohrenkopf-Debatte

Migros widerspricht Migros: Im Raum Basel darf der Mohrenkopf bleiben

Einmal erlaubt die Migros einen Mohrenkopf, einmal nicht. Und so bleibt der Richterich-Mohrenkopf in den Regalen, das entsprechende Produkt von Dubler wird hingegen entfernt.

Einmal erlaubt die Migros einen Mohrenkopf, einmal nicht. Und so bleibt der Richterich-Mohrenkopf in den Regalen, das entsprechende Produkt von Dubler wird hingegen entfernt.

Die Migros Zürich hat die Dubler-Mohrenköpfe aus den Regalen verbannt. Die Basler Schwester-Genossenschaft jedoch will am Verkauf der Mohrenköpfe der Othmar Richterich AG festhalten. Derweil rennen die Kunden den zwei Richterich-Läden die Bude ein.

Das dürfte intern noch zu reden geben. Die Migros Zürich gab am vergangenen Mittwoch bekannt, dass sie die Mohrenköpfe der Firma Dubler aus dem Sortiment bugsiere. Bei der Migros Basel hingegen bleibt der Mohrenkopf genehm. Sie will die Süssspeise der Othmar Richterich AG aus Laufen weiterhin anbieten – trotz der Kontroverse darum, ob das Mohr im Namen rassistisch aufgefasst werden kann oder nicht.

Die Migros Basel schreibt auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende», die Bezeichnung des Richterich-Produkts beziehe sich auf den Spitznamen der Laufner, die im Laufental und im Schwarzbubental als «Mohren» bezeichnet würden, also als Wild- oder Mutterschweine. Das Wort findet sich noch heute in vielen alemannischen Dialekten, etwa in der Wendung «Wie eine Moore».

Genossenschaften dürfen Fremdprodukte kippen

Im Gebiet der Migros Genossenschaft Basel werden die Richterich-Mohrenköpfe mit der charakteristischen Goldfolie im Restaurant Seegarten im Park im Grünen, bei Take-aways und in den Migros-Restaurants angeboten. Das wird also bis auf Weiteres so bleiben.

Der Migros-Genossenschaftsbund (MBG) besteht aus zehn regionalen Genossenschaften. Sie sind in ihrem Handeln weitgehend eigenständig. Trotzdem sieht der Vertrag zwischen dem MBG und den Teilgenossenschaften vor, dass an einem «möglichst einheitlichen Sortiment» festzuhalten sei.

Im Fall der Dubler- und Richterich-Mohrenköpfe greift diese Regelung aber offenbar nicht. Nadine Kunz, Leiterin Unternehmenskommunikation bei der Migros Basel, schreibt, es handle sich in beiden Fällen nicht um Migros-Industrieprodukte, sondern um Zusatzprodukte. Deshalb hätten bei diesen Erzeugnissen die Genossenschaften das Recht, «autonom zu entscheiden».

Ausgelöst hatte die jüngste Mohrenkopf-Debatte eine Frau auf Twitter. Sie schrieb am Mittwoch die Migros an, der Name der Dubler-Mohrenköpfe sei «rassistisch konnotiert». Die Migros gab noch am selben Tag bekannt, dass man das kritisierte Produkt nicht mehr führen wolle. Man habe das Sortiment im Zuge der «aktuellen Debatte» überdacht. Gemeint sind die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA, die sich auch in der Schweiz fortsetzten. So zogen am vergangenen Samstag unter dem Motto «Black Lives Matter» rund 5000 Personen durch Basel.

Richterich-Läden werden von Kunden überrannt

Anders als die Migros Basel entschied Manor. Schon am Donnerstagvormittag entfernten Mitarbeitende der Manor-Foodmärkte in der Nordwestschweiz die Richterich-Mohrenköpfe aus den Verkaufsgestellen. Manor teilte mit, die Richterich AG solle doch einen «neutralen Namen» für ihr Vorzeigeprodukt finden. Manor selber verwendet schon länger die Begriffe Schaumkuss und Tete au Chocolat.

Schon 2017 gab es einen Boykott-Aufruf gegen die Othmar Richterich AG. Damals liess die Firma auf Anfrage der bz verlauten, eher höre man auf als den Namen zu ändern. Mittlerweile ist man von diesem Standpunkt etwas abgekommen. Der «Blick» zitierte am Donnerstag Geschäftsleiterin Marianne Richterich, sie sei «offen für einen neuen Namen». Gegenüber dieser Zeitung korrigiert jedoch Claudia Deiss, Tochter von Marianne Richterich, diese Aussage. Ihre Mutter sei falsch wiedergegeben worden. Sie habe lediglich gesagt, man sei «offen für Neues.»

Auch hat laut Deiss das erneute Aufflammen des Namensstreits den Umsatz angekurbelt. Vor dem Fabrikladen in Laufen und der Filiale bei der Basler Heuwaage würde die Kundschaft Schlange stehen. «Bei uns ist der Teufel los», schreibt Deiss. «Auch die Online-Bestellungen und die E-Mails mit guten Zusprüchen nehmen kein Ende!» Der Tenor sei eindeutig: «Bleibt standhaft!».

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